Standortfrage noch nicht geklärt
EU billigt Übernahme von Gerling mit Auflagen

Die EU-Kommission hat die Übernahme des traditionsreichen Kölner Versicherungskonzerns Gerling durch den Hannoveraner Konkurrenten Talanx mit Auflagen gebilligt.

HB BRÜSSEL. Talanx wird verpflichtet, damit sie nicht zu mächtig wird, Teile des Pharmahaftpflichtgeschäfts ihrer Tochtergesellschaft HDI zu verkaufen. Das teilte die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel nach einer sechswöchigen Wettbewerbsprüfung mit.

Mit der Übernahme bringt sich Talanx (HDI, Hannover Rück), Deutschlands Nummer drei in der Industrieversicherung, gegen den Marktführer Allianz in Stellung. Talanx will das operative Geschäft von Gerling übernehmen, um sich unabhängiger vom Geschäft der Hannover Rück zu machen, dem weltweit viertgrößten Rückversicherer, an dem Talanx die Mehrheit hält.

Die Kommission erklärte, wegen der starken Konkurrenz bei den meisten Lebens- und Sachversicherungen gebe es keine Bedenken gegen die Fusion. Allerdings seien der zu Talanx gehörende Versicherer HDI und Gerling derzeit die engsten Wettbewerber bei Haftpflichtversicherungen für Pharmaunternehmen. Dabei gebe es langfristige Risiken und ein hohes Schadenspotenzial. Talanx habe sich verpflichtet, das HDI-Pharmahaftpflichtgeschäft zu verkaufen, soweit es deutsche Unternehmen außerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Produkthaftpflicht umfasst.

Talanx war am Abend für einen Kommentar nicht zu erreichen. Eine Sprecherin hatte Reuters im Verlauf des Tages jedoch gesagt, bevor die Übernahme endgültig perfekt sei, fehlten noch mehrere Genehmigungen von Versicherungsaufsichten im Ausland.

Knapp fünf Monate nach der Ankündigung der Übernahme ist noch nicht über einen möglichen Stellenabbau bei dem Versicherer entschieden. „Plangemäß wurden zum jetzigen Zeitpunkt weder Standortfrage noch Personalfragen behandelt“, hieß es kürzlich in einem an die Mitarbeiter beider Häuser verschickten Brief. Einem früheren Medienbericht zufolge sollen bis zu 2 000 Stellen wegfallen. Binnen drei bis vier Jahren sollten zudem die Kosten um rund 250 Mill. Euro gesenkt werden. Ohne die Mitarbeiter der Hannover Rück kommen beide Häuser zusammen auf 14 000 Beschäftigte.

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