Start-up Battle in Dortmund „Ring frei für Gründer!“

Jungunternehmer müssen sich durchboxen. Beim internationalen Start-up-Battle „Get in the Ring“ ist genau das gefordert. Im Deutschland-Finale siegte unter anderem eine pfiffige Schneckenfreundin.
Nadine Sydow, Uso Walter und Christoph Bünger (v.l.n.r.), die Gewinner der drei Gewichtsklassen beim Start-up Battle in Dortmund.
Strahlende Sieger

Nadine Sydow, Uso Walter und Christoph Bünger (v.l.n.r.), die Gewinner der drei Gewichtsklassen beim Start-up Battle in Dortmund.

Dortmund„Let’s get ready to ruuuumble!“, bellt der Moderator in Mikrofon. Theatralische Musik erklingt, dann läutet die Glocke die erste Runde ein. Im improvisierten Boxring in den Dortmunder Westfalenhallen stehen sich im Leichtgewicht gegenüber: der erfahrene Kämpfer Uso Walter vom Team MyNoise mit rotem Handtuch um den Nacken. Siegessicher schaut er ins Publikum. Im anderen Eck mit gelben Handtüchern: die jungen Herausforderer Florian Meisel und Janosch Gößling vom Team Manugoo. Einer stolpert fast beim Einstieg übers Seil. Die Schweißperlen auf der Stirn zeugen von Nervosität. Schließlich geht es um viel.

Wer auf der Gründermesse Initiale in Dortmund siegt, ist Deutschland-Champion und eine Runde weiter beim internationalen Start-up-Battle „Get in the Ring“. Der entstand vor vier Jahren am Entrepreneurship Center der Uni Rotterdam. Inzwischen gibt es nationale Vorentscheide in mehr als 60 Ländern. Rund 3000 Start-ups aus aller Welt treten gegeneinander an. Wer bei „Get in the Ring“ im internationalen Finale siegt, hat die Chance auf bis zu eine Million Euro Investorengeld. Die heimsten im vergangenen Jahr die Gründer der eFishery aus Indonesien ein. Sie überzeugten nicht nur die Kampfrichter mit ihrer innovativen Fischfütterungsanlage.

Der Battle in Dortmund geht über fünf Runden. Die Uhr läuft rückwärts, die erste Runde dauert eine Minute. Kurzvorstellung, dann Mikrofonwechsel an den Gegner. 30 Sekunden für Team, Geschäftsmodell, Finanzierung, Erreichtes – letzte Runde: Freestyle. Wie im echten Leben müssen Gründer hart kämpfen für ihre Geschäftsidee – und sich durchsetzen gegen Wettbewerber, um an Fördertöpfe, Finanziers und Kunden zu kommen.

So unterschiedlich die Gegner im Leichtgewicht sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Ihnen geht‘s ums Ohr. HNO-Arzt Walter hat eine Therapie-App für Tinnitus-Patienten entwickelt. Das Team von Manugoo hat auf seiner demokratischen Plattform für Kunden und Entwickler als erstes Produkt den Kopfhöreraufwickler „Roll Me Up“ auf den Markt gebracht. Vom Verkaufspreis von zehn Euro erhält die Manugoo-Community zwei Euro, davon gehen 80 Cent an den Erfinder und 1,20 Euro an alle, die mitdiskutiert und geliked haben. „Wir ersparen Firmen millionenschwere Fehlentwicklungen am Kunden vorbei“, tönt Junggründer und Werbeprofi Meisel.

Kontrahent Walter hält dagegen: „100 Millionen Menschen im Westen leiden unter Tinnitus. MyNoise hilft wie ein Arzt – nur eben rund um die Uhr und kostengünstig.“ Bei den drei Kampfrichtern - eine erfolgreiche Gründerin, ein Investor und ein Wirtschaftsförderer - kann er damit punkten. Zwei stimmen für MyNoise, einer für Manugoo. Champion Dr. Walter reckt die Arme nach oben.

Diese Start-ups krallten sich US-Konzerne
Der neuste Deal
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Nun könnte es für sie und ihre Chefs so weit sein: Das Berliner Start-Up 6Wunderkinder, das für seine To-do-Listen-App „Wunderlist“ als erste Berliner Gründung Geld von dem berühmten US-Risikokapitalgeber Sequoia Capital bekam, wird von Microsoft übernommen. Zuvor hatte das Wall Street Journal berichtet, der US-Konzern lege 100 bis 200 Millionen US-Dollar für die Wunderkinder auf den Tisch.

Wunderlist bringt Mega-Exit ein
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Das junge Unternehmen begeistert mit seiner To-do-Liste und anderen Angeboten mehr als sechs Millionen Menschen weltweit – und nun offenbar auch die Entscheider bei Microsoft. US-Medien taxierten den Wert der Firma Ende 2013 auf 60 bis 65 Millionen Dollar, die App-Schmiede selbst veröffentlicht keine Unternehmenszahlen, die eine Bewertung zuließen. 6Wunderkinder ist eines der bekanntesten Start-ups der Berliner Gründerszene, doch bei weitem nicht das erste deutsche Jungunternehmen, bei dem US-Konzerne zugreifen. Die Übernahmelust der Amerikaner geht quer durch alle Branchen, wobei fast alle Übernahmen der vergangenen Jahre im Bereich Onlinedienstleistungen liefen. Und noch etwas fällt auf: Häufig übernahmen die Konzerne kleine Kopien ihrer eigenen Geschäftsmodelle – offenbar machten die deutschen Raubkopien ihre Sache meist äußerst gut.

1999: Urknall des Samwer-Universums
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Wenig überraschend, dass sie zu den Ersten gehörten: Die Samwer-Brüder um Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Start-up-Inkubators Rocket Internet. Noch lange bevor Rocket Internet die Kopie von Internetunternehmen professionalisierte und zu einem grundlegenden Geschäftsmodell machte, gründeten die Samwer-Brüder 1999 das Internetauktionshaus Alando. Schon im Mai des gleichen Jahres verkauften sie das Unternehmen für 43 Millionen Dollar an Ebay, just den US-Konzern, den sie kopiert hatten.

2004: Jamba lässt die Kassen klingeln
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Nur einige Jahre nach dem Alando-Deal konnten die Samwer-Brüder wieder einen erfolgreichen Exit, also eine Übernahme durch einen größeren Konzern, landen. Die Samwers hatten im Jahr nach dem Alando-Verkauf den Klingelton- und Mobilanwendungsanbieter Jamba gegründet. Das Unternehmen,“ das zwischenzeitlich wegen Abonnementverkäufen an Minderjährige in die Kritik geraten war, reizte 2004 den US-Konzern VeriSign. Stolze 273 Millionen US-Dollar legte der Konzern damals auf den Tisch, doch da Oliver und Marc Samwer bis 2005 nicht aus dem Konzern ausstiegen und die Verkaufserlöse an verschiedene Beteiligungsfirmen ausgeschüttet wurde, nahmen die beiden Gründer sogar noch mehr Geld ein.

Mai 2010: Der City-Deal
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Oliver Samwer (Mitte), hier mit seinem Finanzchef Peter Kimpel und Rocket Internet-Manager Alexander Kudlich, lockte die US-Konzerne weiter mit seinen Kopien: Unter dem Rocket Internet-Dach entstand etwa das Gutschein-Portal CityDeal, das den US-Konzern Groupon imitierte. Entweder es ärgerte die große Konkurrenz – oder es beeindruckte sie. Jedenfalls griff Groupon im Mai 2010 für umgerechnet 125,4 Millionen Euro zu und zog das deutsche Start-Up in den eigenen Rennstall.

Dezember 2010: Ebay schlägt erneut zu
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John Donahoe bescherte den Gründern des Berliner Markenbewertungsportals brands4friends Freude. 150 Millionen Euro zahlte der Ebay-CEO, um die Plattform mit der großen Konsum-Community zu übernehmen. Dabei hatten Analysten das Unternehmen kurz vor dem Deal nur mit 100 Millionen Euro bewertet. Doch Ebay dürfte damals zunehmend unter Druck geraten sein, da Akteure wie Amazon im Bereich der Shopping-Communities ebenfalls aktiv geworden waren. brands4friends, das zuvor durch buchhalterische Fehler in finanzielle Bedrängnis geraten war, stand nach dem Deal wieder auf sicheren Füßen.

April 2011: Make a Big Point
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Sie waren schon eine Größe im Gamingbereich, mehrere Investoren waren bei Big Point aus Hamburg bereits vor 2011 mit dreistelligen Millionensummen eingestiegen. Doch 2011 kam mit 350 Millionen US-Dollar die große Übernahme durch die US-Investoren Summit Partners und TA Associates, wobei der Gründer Heiko Hubertz weiterhin Anteile behielt. Der Onlinespieleentwickler erwirtschaftete nach eigenen Angaben zur Zeit der Übernahme dreistellige Millionenumsätze, der Gewinn lag 2009 bei zwölf Millionen Euro.

Weiter geht’s im Mittelgewicht. „Big Data is beautiful“ lautet das Verbindende der Gegner. Gründer Christoph Bünger springt mit einem grünen Wählscheibentelefon galant über die Seile. Seine Firma Scavix hat eine intelligente Telefonmanager-App entwickelt. Diese analysiert das Nutzerverhalten und filtert unter anderem unerwünschte Anrufe heraus. „Da fällt mir gerade meine Schwiegermutter ein“, frotzelt Bünger. Bei den rund 250 Leuten im Publikum der Gründermesse hat er damit die Lacher auf seiner Seite.

Herausforderer Tim Ellersiek, Mitgründer von Goedle.io, versucht, mit schlagkräftigen Argumenten zu punkten. „Unser Tool analysiert das Nutzerverhalten von Apps. Es sagt vorher, bei wem es sich lohnt, ins Marketing zu investieren.“ Nach mehreren kritischen Nachfragen entscheiden sie die Kampfrichter dann doch 2:1 für den Telefonmanager. Der Verlierer gibt sich fair.

Lebensretter gegen Schneckenlack
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