
FrankfurtSammy Gebele hat einen Plan: Er möchte regional verfügbare Bio-Lebensmittel über ein Online-Netzwerk zugänglich machen. Einen Namen hat er schon: Foodie Square. Was Gebele nicht hat, ist ausreichend Startkapital. Deshalb hat er Kontakt zum "Business Angels"-Verein in Frankfurt aufgenommen. Ein erster Erfolg: Hier kann er sein Geschäftsmodell erfahrenen Managern und ehemaligen Unternehmern vorstellen, die ihr Portfolio um ein paar Geschäftsgründungen erweitern wollen. Für die Präsentation in einem Nebenraum des großen Handelssaals der Frankfurter Börse hat der 31-Jährige eigens ein T-Shirt bedrucken lassen und einen Allgäuer Bergkäse mitgebracht. Vor seinem Vortrag geht er persönlich durch die Reihen und verteilt reichlich Käsestücke unter den "Unternehmensengeln".
Nach dem Vortrag bestürmen die etwa 20 potenziellen Geldgeber Gebele mit Fragen: Was kostet es, die Bio-Produkte zu testen? Wer bezahlt den Versand? Wie viele Mitarbeiter müssen bezahlt werden? Ein Lob schiebt sich dazwischen: Gebeles Geschäftsidee kommt ohne teures Warenhaus aus. Dennoch wirkt der Uni-Absolvent verunsichert angesichts der vielen Fragen.
Ist die Aussicht auf Geschäftserfolg mehr als riskant, benötigt ein Start-up Wagniskapital - das wird auch hierzulande englisch "Venture Capital" (VC) genannt. Das Geld stellen VC-Beteiligungsgesellschaften bereit, die kurzfristig in eine Unternehmensgründung investieren, um irgendwann mit einer Rendite wieder auszusteigen.
Das muss keineswegs zum Nachteil des Unternehmers sein: Der Kapitalgeber unterstützt das Management beim Aufbau eines Netzwerks oder bei der Suche nach Personal - nicht zuletzt, um den Erfolg der eigenen Investition sicherzustellen.
Die Beteiligung von Venture Capitalists an Start-ups liegt zumeist bei weniger als 30 Prozent. Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) bietet zur Suche nach VC-Gebern eine Online-Datenbank an und hilft, einen Businessplan zu erstellen: www.bvkap.de.
Business Angels nennen sich erfahrene Unternehmer, Manager oder Investoren, die ihr institutionelles oder privates Portfolio um ein paar riskantere Geschäfte bereichern wollen. Der Vorteil, einen Business Angel an der Hand zu haben, liegt im Engagement seines Investments: Während der Gründungsphase unterstützen sie den Jungunternehmer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit ihrer Erfahrung und den nötigen Kontakten.
In Deutschland gibt es etwa 40 Clubs von Business Angels, die regelmäßig Unternehmensgründer einladen, um ihre Businesspläne vorzustellen. Hier finden Interessierte Clubs in der Nähe und Tipps zur Einladung: www.business-angels.de.
Die sicherste Art, an Geld zu gelangen, ist, die Fördertöpfe von Ländern, Bund oder der EU anzuzapfen. Der Nachteil: Es dauert oft Monate, bis das Geld fließt. Denn die Zuschüsse können in den meisten Fällen nur die eigenen Hausbanken beantragen, die bürokratischen Mühlen tun ihr Übriges, um auch die beste Geschäftsidee vorübergehend zum Stillstand zu bringen. Allerdings sind die Töpfe auch in Krisenzeiten stets gut gefüllt. Deshalb sind sie es somit wert, von Gründern unter die Lupe genommen zu werden.
Einen Überblick über öffentlich geförderte Finanzierungsmöglichkeiten bietet die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie: www.foerderdatenbank.de
Wer an Wagniskapital - das sogenannte Venture Capital (VC) - kommen möchte, muss mittlerweile viele Fragen beantworten. Zwar hat sich das Geschäftsklima auf dem deutschen Beteiligungsmarkt zuletzt spürbar verbessert, wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) gemeinsam mit der Förderbank KfW für das zweite Quartal herausgefunden hat. Der Geschäftsklimaindex der Risikokapitalbranche stieg zur Jahresmitte um 12,6 Punkte auf 59,6 Punkte - so hoch wie zuletzt im Frühjahr 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.
Deutsches Wagniskapital verzinst sich besonders gut
"Der Ausblick ist aufgrund der jüngsten Marktturbulenzen jedoch wieder unsicherer geworden", sagt BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs. An die Boomzeiten der New Economy, als Start-ups sich ihre Kapitalgeber noch aussuchen konnten, wird die Branche daher auch weiterhin nicht wieder anknüpfen können. "Damals haben viele Investoren sehr freigiebig in VC-Fonds investiert und dabei auch viel Geld verloren", sagt Hinrichs. "Seitdem sind sie gerade hierzulande sehr vorsichtig geworden."

Gerade Start-ups aus kapitalintensiven Branchen haben es schwer, an frisches Geld zu kommen, sagt Hendrik Brandis, Mitgründer der VC-Gesellschaft Earlybird. Es sei jedoch falsch, ganze Branchen - etwa die Halbleiterindustrie - abzuschreiben. "Es kommt nach wie vor auf die Idee und das Gründerteam an."