Startup 11813
Telefonauskunft mit Kostenlos-Konzept

Dass es überhaupt noch kostenpflichtige Telefonauskünfte gibt ist angesichts der kostenlosen Angebote im Internet verwunderlich. Zwei Münchener übertragen jetzt das Umsonstkonzept des Internets auf ihre Telefonauskunft 11813. Das könnte die Abwanderung zu Onlinediensten stoppen - doch zunächst müssen genug Kunden die neue Nummer wählen.
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DÜSSELDORF. Seit es kostenlose Anbieter im Internet gibt, laufen der Telefonauskunft die Kunden weg. Das Start-up 11813 will das Umsonstprinzip aus dem Netz jetzt auf das Telefon übertragen - und damit sogar Geld verdienen. Noch ist das Ziel nicht erreicht. Doch mit einem Minutenpreis von 59 Cent aus dem Festnetz liegen die Preisbrecher deutlich unter den Platzhirschen 11833 der Deutschen Telekom (1,99 Euro) und 11880 von Telegate (1,79 Euro). Wohl am nächsten dran ist die 11828 von 01051-Telecom, die einmalig 78 Cent pro Anruf verlangt, aber dafür auch nur eine Telefonnummer herausrückt.

Dass alle diese Dienste angesichts der kostenlosen Webangebote und iPhone-Apps von Anbietern wie Klicktel oder Gelbe Seiten überhaupt noch existieren, ist an sich schon interessant. Unverkennbar ist jedoch ein seit Jahren anhaltender Abwärtstrend bei den Anruferzahlen. Lag der Gesamtmarkt 2003 schätzungsweise bei 230 Mio. Anrufen im Bundesgebiet, sind es jetzt nur noch knapp 130 Mio. Anrufe.

Werbung finanziert das Angebot

Die reine Dienstleistung der kostenpflichtigen Auskunft hat auf Dauer keine Zukunft. Das ist auch daran zu erkennen, dass mittlerweile ein Großteil des Ertrags aus anderen Angeboten und zusätzlichen Gebühren für weitergeleitete Gespräche stammt. Oft merken die Kunden erst bei der Telefonrechnung, wie viel die Auskunft wirklich gekostet hat.

Die beiden Jungunternehmer Mazi Pielsticker (30 Jahre alt) und Donald Bringmann (22) sehen große Chancen, den Markt kräftig durcheinander zu wirbeln: Plan ihres vor wenigen Wochen gestarteten Dienstes 11813 ist es, per Dumpingtarif zügig ein Anrufervolumen von 80000 bis 100000 pro Monat zu generieren, sagt Stanford-Absolvent Pielsticker. Das sei die notwendige Masse für den nächsten Schritt: die Preissenkung auf null Cent pro Minute.

Die Auskunft zahlt dann nicht mehr der Kunde, sondern ein werbendes Unternehmen. Der Anrufer erhält - im Gespräch mit einem Operator - die gewünschte Nummer sowie eine Alternative angeboten. Das ist im Idealfall ein Werbekunde von 11813, der ein vergleichbares oder identisches Produkt anbietet, dabei aber günstiger oder schneller ist. Bleibt der Anrufer bei seiner Ursprungswahl, geht 11813 leer aus. Wählt er die Alternative, gibt es eine Provision.

Das Prinzip kommt aus den USA. Pielsticker hat noch "zwei weitere Erlösquellen" ausgemacht, die er allerdings geheim halten will. Das Vertrauen in die eigenen Ideen muss groß sein - immerhin hängte er für die Unternehmensgründung seine Stelle als Rechtsanwalt in New York an den Nagel.

Die väterliche Villa dient als Büro

Hinter dem Start-up steht der Vater des Mitgründers Donald Bringmann, der einen Branchenbuchverlag betreibt und die beiden Studienfreunde nicht ganz selbstlos unterstützt. Die "Blauen Bücher" in Städten wie München oder Köln bringen derzeit noch den größten Umsatzanteil, doch das Internet (wie www.diemuenchner.de) wird immer wichtiger. Aus dem Verlag bezieht das Start-up auch einen Großteil der Daten, zudem das Startkapital. Noch lenken die Jungunternehmer ihre Firma vom Gartenhaus der Villa von Bringmanns Vater in München aus - aber dafür gibt es manchmal Kaffee und selbstgebackenen Kuchen frei Haus.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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