Startup-Finanzierung
Mäzene helfen Gründern

In den USA nannte man sie früher "Business Angels" - doch es gibt sie auch hier und heute. Private Frühphaseninvestoren statten Startups mit Kapital aus und teilen mit den Jungunternehmen ihre Erfahrungen und ihr Netzwerk.
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HAMBURG. Name und Konzept stammen aus den USA: Am New Yorker Broadway bezeichnete man in den 70er Jahren reiche Mäzene wohlwollend als "Business Angels", weil sie durch ihre Investments viele kulturelle Produktionen erst möglich machten. Das Prinzip funktioniert auch in der hiesigen Wirtschaft. Seit den 90er Jahren ist der himmlische Name auch in Europa geläufig.

Die zwei Flügel der Business Angels stehen für zwei Einsatzbereiche: Einerseits statten sie Startups mit Kapital aus, andererseits teilen sie ihre Erfahrung und ihr Netzwerk mit den Jungunternehmern. Obwohl die jeweils investierten Summen mit 50 000 bis 100 000 Euro vergleichsweise gering ausfallen, gehören die Engel der Wirtschaft zu den wichtigsten privaten Frühphaseninvestoren. Selbst die internationale Finanzkrise konnte der Entwicklung des informellen Beteiligungsmarktes nichts anhaben: Business Angels sind heute die wichtigsten privaten Investoren für Startkapital in Deutschland. Wenn Hightech-Unternehmen Kredit von Dritten erhalten, stammt es zu 80 Prozent von Business Angels.

Die Engel übernehmen gern die Rollen als Berater, Mentor, Beirat oder Aufsichtsrat. Manchmal stammt auch die Geschäftsidee von einem Engel, wie im Fall von Oliver Beste. "In den USA gibt es schon lange Onlineportale, auf denen Personalchefs und Headhunter exklusiv miteinander kommunizieren", erläutert Beste, der vor zehn Jahren den Online-Spielzeughändler MyToys mitgründete. Er ließ sich das Modell erklären, reiste zurück nach Europa und machte sich auf die Suche nach einem Manager, der so ein Unternehmen führen kann. Er fand Guido Schmitz-Krummacher. Das Headhunter-Portal Talentory war geboren.

Kleinere Beteiligungen gefragt

"Angel-Beteiligungen schließen auf dem Finanzierungsmarkt eine Lücke", erklärt Christian Reitberger, General Partner von Wellington Partners in München. Oftmals suchen Firmengründer nur kleinere Beteiligungen von 100 000, 200 000 oder 500 000 Euro. "Das ist den großen Venture-Capital-Gesellschaften zu wenig." Für Business Angels ist dieses Volumen jedoch interessant. Und damit kommt ihnen eine wichtige Rolle zu. Von Gründern hoch geschätzt werden außerdem die Coaching-Kompetenzen, Kontakte zu Banken, Beteiligungsgesellschaften und möglichen Geschäftspartnern.

Das bestätigt Robert Kurz vom Business-Flugzeug-Portal caeroscene IT Solutions in Innsbruck: "Als Gründer hatte ich von vielen Investitionsfragen überhaupt keine Ahnung. Wenn unsere Business Angels aus dem b-to-v-Investorenkreis nicht gewesen wären, wäre ich wohl in einige Fallen getappt." Caeroscene hat eine Plattform für Geschäftsreisende und Air Charter-Broker entwickelt, auf der Business-Jets gebucht werden können. Inhaber solcher Flugzeuge können so die Auslastung und Vermarktung ihrer Maschinen verbessern. Weltweit gibt es 20 000 Geschäftsflugzeuge, die bisher häufig leer an ihre Einsatzorte fliegen. Der Investorenkreis, der sich an caeroscene beteiligt hat, besteht aus 50 Privatinvestoren. In deren Gesamtportfolio sind derzeit 40 Unternehmen .

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