Startup-Unterstützung
Wagniskapital-Branche ruft den Staat zu Hilfe

Die Gründungsphase junger Hightech-Unternehmen ist kapitalintensiv und risikoreich. Ob sie profitabel arbeiten können, zeigt sich oft erst nach mehreren Jahren. Private Investment-Gesellschaften, die sich auf eben diese Hochrisiko-Finanzierungen spezialisiert haben, sind praktisch ausgestorben. Nun soll der Staat einspringen.

KÖLN. Drei Maschinenbauer und eine Informatikerin aus Aachen wollen Leben retten. Und dazu brauchen sie viel Geld. Denn die Unternehmensgründer entwickeln gemeinsam die kleinste künstliche Lunge der Welt - eine Maschine, die nur noch fünf statt 150 Kilogramm wiegt. So könnte sie zum Beispiel in Rettungshubschraubern mitfliegen: Das erhöht die Überlebenschancen von weltweit mehr als zwei Millionen Menschen pro Jahr - Patienten mit schwerem Lungenversagen.

2007 gründeten die drei Wissenschaftler die Ilias Medical GmbH. Doch bis ihre Erfindung 2011 tatsächlich auf den Markt kommt, müssen die Jungunternehmer noch viel Zeit und vor allem Geld in Forschung und Entwicklung stecken. Für die Patentkosten fanden sie Anfang 2008 recht schnell einen privaten Wagniskapital-Investor. "Da ging es ja auch noch nicht um große Summen", berichtet Mitgründer und Geschäftsführer Philipp Mayer von der schwierigen Startphase. Die eigentliche Finanzierung wollte dieser Investor nur mittragen, wenn weitere Geldgeber einsteigen

Die frühe Gründungsphase junger Hightech-Unternehmen ist extrem kapitalintensiv und risikoreich. Ob sie wirklich profitabel arbeiten können, zeigt sich oft erst nach mehreren Jahren und diversen Finanzierungsrunden. Private Investment-Gesellschaften, die sich auf eben diese Hochrisiko-Finanzierungen spezialisiert haben, sind praktisch ausgestorben.

"In Deutschland gibt es viel zu wenig Venture Capital", berichtet Dörte Höppner, Geschäftsführerin beim Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Bereits vor der Krise, in 2008, konnten die Beteiligungsgesellschaften nur rund 380 Mio. Euro Risikokapital für Frühphasenfinanzierungen einsammeln. "Das ist lächerlich wenig für eine der größten Volkswirtschaften der Welt." In diese Lücke springt der Staat, indem er selbst als Investor auftritt. Die staatliche Förderbank KfW stellt Jungunternehmern Beteiligungskapital aus ihrem eigens aufgelegten ERP-Startfonds zur Verfügung. Und seit 2005 investiert der fast ausschließlich staatlich finanzierte Hightech-Gründerfonds (HTGF) gezielt in junge Technologie-Unternehmen, denen es ansonsten an Mitteln fehlt.

"Unser Ziel ist es, wieder Dynamik in die Frühphasen-Finanzierung zu bringen", sagt HTGF-Geschäftsführer Michael Brandkamp. "Wir finanzieren die Unternehmen soweit, dass sie eine reale Chance bekommen. Spätestens nach zwei Jahren sollen sie dann auf eigenen Beinen stehen, und private Investoren für ihr weiteres Wachstum finden." Auch Jungunternehmer Mayer hat sein Eigenkapital vom Hightech-Gründerfonds aufstocken lassen. Dass die Zusammenarbeit mit dem Fonds eine Ehe auf Zeit ist, beunruhigt den Firmengründer nicht. "Für die nächsten Jahre haben wir erst einmal genug Kapital. Und wenn die Anschlussfinanzierung fällig wird, finden wir bestimmt leichter private Investoren, weil das Geschäft dann schon läuft."

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