Steiff
Nicht nur Kinder lieben „Fräulein Gretle“

„Für Kinder ist nur das Beste gut genug“ - getreu diesem Motto gelingt Appolonia Margarete Steiff mit ihren Stofftieren der Durchbruch. Dabei verliert sie aber nie ihre Familie und ihre Mitarbeiter aus den Augen.
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Giengen an der BrenzDie Bomben prasseln immer wieder auf Hagen. Zweimal entkommt der kleine Jürgen dem Inferno des zweiten Weltkriegs. Die Häuser sind beides Mal zerstört. Nur der kleine weiße Teddybär von Steiff ist dem Jungen geblieben. Er wird ihn ein ganzes Leben lang begleiten, auch als er Examen macht, eine Manager-Karriere einschlägt und schließlich Mercedes-Chef wird. Wenn es nach Jürgen Hubbert geht, nimmt er seinen kleinen Begleiter aus feinster Wolle und Gelenken aus Pappscheiben mit ins Grab.

Berührende Geschichten von Menschen und ihren Spielgefährten aus Kindertagen gibt es tausende auf dieser Welt. Die Geschichte der Frau, die Millionen von Kindern ermöglicht, mit ihren Kuscheltieren einschlafen zu können, ist jedoch besonders bemerkenswert.

Alles fängt an fern der großen Welt  im Haus ihrer Eltern in der Ledergasse 26 in Giengen an der Brenz, wo Appolonia Margarete Steiff im Jahr 1847 geboren wird. Im Alter von eineinhalb Jahren erkrankt sie an Kinderlähmung. Sie wird nie wieder laufen können. Gleichwohl bleibt Margarete ein fröhliches und aufgewecktes Kind. Ihre Geschwister tragen sie die Treppe herunter und bringen sie zur Schule. Margarete schafft das Klassenziel ohne Mühe. Oft muss sie die Zeit mit Häkelarbeiten verbringen, die sie genauso wie ihre Schwestern Pauline und Marie verrichten muss, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

In ihrer Freizeit erfindet sie gerne Spiele, bei denen sie den Mittelpunkt bildet – eine Voraussetzung, um mit den Kindern aus dem Ort spielen zu können. Und sie hütet den Nachwuchs der Nachbarn. Darüber schreibt sie in ihrem Tagebuch: „Es war für mich auch deshalb ein wichtiges Amt, musste ich doch nicht in der Zeit häkeln, denn gewöhnlich war meine Aufgabe, so und so viel fertigzubringen.“
Ihre Eltern sind recht streng, besonders das Verhältnis zur Mutter beschreibt Margarete Steiff später mitunter als angespannt. Daher lebt sie im Frühjahr 1856 auf, während sie bei der Familie von August Hermann Werner, dem Gründer der Wernerschen Klinik in Ludwigsburg, wohnt. Dort sieht sie zum ersten Mal im Leben, dass Kinder vor allem spielen dürfen und nicht nur dauernd bei der Arbeit helfen müssen.

Eines ihrer liebsten Hobbies wird das Zitherspiel. Ihre Melodien trägt sie nicht nur bei Familientreffen vor. Sie wird sogar so gut, dass sie anderen Kindern Unterricht geben kann und Geld damit verdient. Zudem besucht sie die Nähschule. Gemeinsam mit ihren Schwestern bessert sie Kleidung aus und näht Aussteuern. Die drei haben bald eine Menge Arbeit. Mit Margaretes Zusatzeinnahmen aus den Musikstunden können sich die Mädchen als erste im Ort eine Nähmaschine kaufen. Wegen ihrer Lähmung kann Margarete die Kurbel der Nähmaschine nur von der eigentlich falschen Seite aus bedienen. Das hält sie aber nicht davon ab, fleißig zu nähen.

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