Steigende Stahlpreise
Abgespeckte Produktion

Steigende Stahlpreise setzen mittelständische Unternehmen weiter unter Druck. Zwar trifft der Preissprung theoretisch alle Unternehmen gleich - ob Stahlerzeuger, Händler oder produzierende Industrie. Doch die Metall verarbeitenden Mittelständler sind in der Regel das schwächste Glied dieser Produktionskette.

AUGSBURG. Bohren, drehen, stanzen - oder gleich ganze Gewinde zuschneiden. Das traditionelle Gießereigeschäft hat sich längst zu einer technischen Rundum-Dienstleistung entwickelt. "Als reine Gießerei kann man in Deutschland kaum noch bestehen", sagt Andreas Mannschatz, Geschäftsführer der Schmiedeberger Gießerei GmbH. Seit einigen Jahren erhöht das Unternehmen deshalb die Fertigungstiefe. Statt schlichten Gussteilen bestellen Kunden hier fertige Schweißkonstruktionen oder extra-leichte Stahlbauteile. "Wir stecken in einer Kostenspirale, die sich ständig nach oben dreht", sagt Geschäftsführer Mannschatz.

Denn gestiegen ist nicht nur der Preis für Stahlschrott. Auch Legierungen und Eisenerze sind seit dem vergangenen Jahr dramatisch teurer geworden. Jürgen Büchner, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung und Rohstoffexperte der Deutschen Industriebank (IKB) sieht derzeit keinen Grund zur Entwarnung. Er rechnet auch zum zweiten Quartal dieses Jahres und darüber hinaus mit weiteren Preiserhöhungen: "Eine Entspannung ist mittelfristig nicht in Sicht."

Thomas Ludwig, Vorstandsvorsitzender des Stahlproduzenten Klöckner & Co. KG sieht die Gründe für weitere Preissprünge in der konstant hohen Nachfrage, niedrigen Metallbeständen in den USA und gestiegenen Energie- und Frachtkosten.

Zwar trifft der Preissprung theoretisch alle Unternehmen gleich - ob Stahlerzeuger, Händler oder produzierende Industrie. Doch die Metall verarbeitenden Mittelständler sind in der Regel das schwächste Glied dieser Produktionskette. Der Preisanstieg bleibt daher meist zum größten Teil an ihnen hängen.

Nicht immer können kleine und mittlere Unternehmen hohe Stahlpreise an ihre Abnehmer, unter ihnen oft Weltkonzerne der Auto- oder anderer Industrien, weitergeben. Zugleich lassen sich die Hersteller und Händler, bei denen sie einkaufen, bei den relativ kleinen Kunden kaum auf Verhandlungen ein. Viele Mittelständler setzen deshalb im eigenen Haus auf den Rohstoff-Hebel: Indem sie versuchen, den Materialeinsatz mit technischen Verfahren abzuspecken.

"Teures Material wie Stahl und Hartmetall verwenden wir nur noch, wenn es unbedingt sein muss", sagt Hermann Steidle, Marketingleiter der Mapal Dr. Kress KG in Aalen. Vor dem Preissprung bestanden zum Beispiel Bohrer zu rund 40 Prozent aus Hartmetall. Heute setzt das Unternehmen auf weichere und preiswertere Metalle wie Kupfer oder Zink. Eine Schicht aus Hartmetall genügt, um die Standzeiten der Werkzeuge deutlich zu erhöhen. Nur die Spitze eines Mapal-Bohrers wird nach wie vor vollständig aus Hartmetall gefertigt.

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