Stephan Kaiser
„Auf eigene Stärke besinnen“

Auch in der Softwarebranche hat die Krise deutliche Spuren hinterlassen und Branchenriesen Krise wie SAP und Microsoft einen Umsatzeinbruch beschert. Im Handelsblatt-Interview spricht Pierre-Audoin-Berater Stephan Kaiser über Wege der Softwarebranche aus der Krise.

Handelsblatt: Herr Kaiser, wie schlimm hat die Wirtschaftskrise die Softwarebranche in Deutschland erwischt?

Kaiser: Die Unternehmen stehen im Vergleich zur Automobil- oder Maschinenbaubranche noch recht gut da, die Krise hinterlässt aber natürlich Spuren. Branchenriesen wie SAP und Microsoft hat die Krise im ersten Halbjahr 2009 deutliche Umsatzeinbrüche beschert. Bei kleinen und mittelständischen Firmen macht sich die Flaute teilweise sogar noch stärker bemerkbar.

Warum sind Mittelständler von der schwindenden Nachfrage stärker betroffen als Konzerne?

Mittelständische Softwareanbieter bedienen oft kleinere Unternehmen. Vor allem dieser Kundenstamm hat aus finanziellen Gründen Investitionen für neue Softwarelösungen vertagt - bis bessere Zeiten kommen.

Und wann werden sich die Zeiten wieder bessern?

Wir gehen davon aus, dass der Software-Markt in Deutschland im kommenden Jahr auf dem Niveau von 2009 stagnieren wird und ab 2011 wieder im niedrigeren einstelligen Bereich wachsen und sich erholen wird. Das bedeutet, dass die Talsohle erreicht zu sein scheint. Zudem haben sich durch verschiedene Übernahmen schlagkräftigere Unternehmen entwickelt, wie beispielsweise im Fall der Übernahme der IDS Scheer durch die Software AG. Davon profitiert langfristig die ganze Branche, weil Unternehmen international mehr Absatzmärkte erschließen können.

Die Großen kaufen die Kleinen. Am Ende bleiben weniger Unternehmen übrig. Da sprechen Sie von Erholung?

Das ist ein Phänomen, das schon vor der Krise auftauchte, und es ist ganz normal. Die IT-Branche ist inmitten einer schon lange andauernden Konsolidierungswelle. Potentielle Käufer sind zahlreiche große Software-Anbieter wie Microsoft, Oracle und SAP. Übernahmeziele sind oftmals lokale, stark spezialisierte Unternehmen. Damit können die Branchenriesen ihr Portfolio und Know-how erweitern. Aber nicht nur die Großen übernehmen die Kleinen, auch Mittelständler fusionieren miteinander, wie beispielsweise der deutsche ERP-Hersteller SoftM mit dem polnischen Softwareanbieter Comarch.

Welchen Vorteil erhoffen sich Mittelständler von solchen Unternehmensfusionen?

Sie vergrößern das Unternehmen, den Kundenstamm, das Wissen und ihre Kompetenzen. Stellt ein Anbieter ERP-Lösungen zur Ressourcenplanung her und schließt sich mit einem Anbieter von CRM-Lösungen für die Kundenpflege zusammen, ergänzt sich das Portfolio. Das bringt Vorteile für den Kunden und macht den Softwareanbieter stark gegen die Riesen in der Branche.

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