Steueraffäre
Würth einigt sich mit der Staatsanwaltschaft

Der Firmenpatriarch und angesehene Kunstmäzen akzeptiert Strafbefehl in der Steueraffäre und ist damit vorbestraft. Wieviel das Unternehmen aus Künzelsau nachzahlen musste, wollte die Geschäfsführung gestern nicht sagen.

STUTTGART. Welche Auswirkungen das Steuerverfahren auf die Ertragslage des weltgrößten Schraubenkonzerns Würth hat, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wies darauf hin, dass bei der Bemessung der Strafen berücksichtigt wurde, dass der Steuerschaden wiedergutgemacht wurde. Wie viel Steuern das Unternehmen aus Künzelsau nachzahlen musste, wollte die Geschäftsführung gestern nicht sagen.

Unternehmenschef Robert Friedmann hatte bei der Bilanzvorstellung Anfang Mai lediglich gesagt, dass für die möglichen Belastungen aus den Steuerverfahren Rückstellungen gebildet worden seien. Im Geschäftsbericht lässt sich die Höhe dieser Rückstellungen aber nicht ohne weiteres identifizieren. Da die Beanstandungen der Stuttgarter Finanzbehörden für einen längeren Zeitraum gelten, dürfte die Höhe der Nachzahlungen erheblich sein und den Gewinn belasten, der zuletzt bei 419 Mill. Euro lag.

Die Verschwiegenheit des Konzerns beleuchtet ein wenig den Kern des Problems. Würth war jahrzehntelang auf den Firmenpatriarchen ausgerichtet, bis er sich vor einigen Jahren aus der operativen Führung zurückzog. Würth unterhält mehrere Stiftungen und verfügt über ein weit verzweigtes Firmengeflecht, zu dem unter anderem auch die Flugplatzgesellschaft in Schwäbisch Hall und eine Bank gehören. Der Konzern mit einem Umsatz von 8,5 Mrd. Euro und 64 000 Beschäftigten hat fast 400 Gesellschaften in 86 Ländern und sprengt längst mittelständische Dimensionen. Allein in Deutschland unterhält der Konzern fast 60 Personengesellschaften mit der Rechtsform GmbH & Co. KG, die gemäß Handelsgesetzbuch von der Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses befreit sind. Dazu kommen noch einmal 16 inländische GmbHs.

Wie ein Konzernkenner versichert, ging es in der Steueraffäre nicht um persönliche Bereicherung von Reinhold Würth. Gegenstand der Ermittlungen war die Verrechnung konzerninterner Dienstleistungen. Das bedeutet, dass der Konzern zu seinen Gunsten einfach vieles nicht richtig dokumentiert und zugerechnet hat.

Reinhold Würth hat jetzt die Verantwortung übernommen, um einen jahrelangen Finanzprozess zu vermeiden. Das Amtsgericht verhängte gegen ihn und einen der Angestellten Geldstrafen von jeweils 700 Tagessätzen, gegen den dritten Manager 600 Tagessätze. Über die Höhe der Sätze wurden keine Angaben gemacht. Zurzeit liegt die maximale Höhe eines Tagessatzes bei 5 000 Euro. Die Ermittlungen gegen drei weitere Betroffene wurden gegen eine Geldauflage von 1,5 Mill. Euro eingestellt.

Reinhold Würth, im Land hochangesehener Unternehmer und Kunstmäzen, ist damit vorbestraft. Würth hatte sich nach der Durchsuchung im Herbst 2006 öffentlich heftig empört über die Form der Ermittlungen. Für Irritationen sorgte zuletzt der Abgang des langjährigen Finanzchefs Roland Hartmann, der zum 15. April durch den bisherigen Prüfer des Geschäftsberichts, Joachim Kaltmaier von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, ersetzt wurde.

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