Steuerberater Rolf Leuner
„Bei zwei Dienstwagen wird das Finanzamt hellhörig“

Welches Chef-Gehalt ist angemessen? Darüber streiten Gesellschafter-Geschäftsführer regelmäßig mit dem Finanzamt. Steuerexperte Rolf Leuner erklärt, was bei Tantiemen, Dienstwagen und anderen Extras zu beachten ist.

Herr Leuner, Geschäftsführer einer GmbH, die auch Gesellschafter der Firma sind, setzen die Höhe ihres Gehalts selbst fest. Was müssen sie beachten, um nicht ins Visier der Steuerprüfer zu geraten?
Weil GmbH-Chefs, die auch Eigner sind, selbst ihre Vergütung festlegen, fehlt ein natürliches Korrektiv. Diese Rolle übernimmt der Fiskus. Der muss bewerten, ob das Gehalt angemessen ist. Das heißt: Würde dies auch in einem vergleichbaren Betrieb der Branche gezahlt oder für einen Fremdgeschäftsführer? Zudem müssen der GmbH nach Abzug der Geschäftsführer-Gehälter mindestens 50 Prozent vom Gewinn verbleiben. Das hat der Bundesfinanzhof 1994 in einem Grundsatzurteil entschieden.

Was passiert, wenn das Gehalt höher liegt?
Dann wittern Steuerprüfer eine verdeckte Gewinnausschüttung. Denn dem Betrieb werden Gewinne entzogen, für die Gesellschafter Abgeltungssteuer zahlen müssten. Dem Fiskus entgehen zudem dadurch Körperschaft- und Gewerbesteuer. Denn die Gehaltszahlung kann die GmbH steuerlich als Betriebsausgabe absetzen.

Aber der GmbH-Chef versteuert sein Gehalt doch ebenfalls – als Einkommensteuer...
Genau. In der steuerlichen Gesamtbetrachtung ist das oft ein Nullsummenspiel. Aber Betriebsprüfer wollen möglichst viel Körperschaft- und Gewerbesteuer hereinholen. Dass auf der anderen Seite Einkommensteuer wegfällt, ist nicht ihre Baustelle.

Wie kann ich als Geschäftsführer erkennen und im Streitfall belegen, dass mein Gehalt angemessen ist?
Orientierungshilfe leisten etwa nach Branchen und Umsatzgröße aufgeschlüsselte Gehälterstudien. Die werden auch von vielen Finanzgerichten als Richtschnur anerkannt.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Streit über die Höhe des Chefgehalts. Welche typischen Fälle begegnen Ihnen in der Praxis?
Das Schreckgespenst „75 zu 25“ (Fixum zu Variable) geistert immer noch in den Köpfen einiger Betriebsprüfer. Dabei hat der Bundesfinanzhof diese Relation schon 2000 gekippt. Aktuell vertrete ich einen solchen Fall: Obwohl die GmbH und somit auch die Chef-Gehälter von einem unabhängigen Beirat der Mutter-AG kontrolliert werden, vermutet die Finanzverwaltung, dass die relativ hohen Tantiemen eine verdeckte Gewinnausschüttung sind. Dabei erhalten beide Geschäftsführer ein sehr niedriges Fixum.

Die Chefs gehen also voll ins unternehmerische Risiko…
Ja, weil sie ihr Gehalt stark von der Ertragslage der Firma abhängig machen. Die Finanzverwaltung drängt aber darauf, das Fixum zu erhöhen. Obwohl das Gesamtgehalt im Rahmen ist. Das ist unglaublich! Denn das konterkariert die unternehmerische Gestaltung des Gehalts. Die Folge: Gesellschafter-Geschäftsführer werden immer vorsichtiger bei der Höhe ihrer Tantiemen.

Wie lässt sich eine Tantieme-Vereinbarung juristisch wasserfest machen?
Auf alle Fälle empfehle ich, die Tantieme nach oben zu deckeln. Die Entwicklung geht eindeutig dahin. Nur so lässt sich die Finanzverwaltung in die Schranken weisen.

Oft gibt es mehrere Geschäftsführer in einer Familienfirma. Was ist dann beim Gehalt zu beachten?
Unproblematisch ist es, wenn ein Kompagnon in der Geschäftsführung, der kein Gesellschafter ist, dasselbe verdient. Erhält ein Alleingeschäftsführer im Maschinenbau branchenüblich zum Beispiel 250.000 Euro im Jahr, verlangt der Finanzverwaltung im Fall von mehreren Geschäftsführern in einem ähnlichen Betrieb deutliche Gehaltsabschläge.

Was empfehlen Sie risikoscheuen Unternehmern?
Ich rate Vorsichtigen, so viele Belege wie möglich zu sammeln, was andere vergleichbare Geschäftsführer verdienen – etwa aus dem Bundesanzeiger. Zuweilen nehmen Finanzverwaltungen das Gehalt des Prokuristen als Richtschnur für das Gehalt von Geschäftsführern. Das halte ich für unrechtmäßig. Schließlich haftet ein Prokurist längst nicht in dem Maße wie ein Geschäftsführer, der Gesellschafter ist.

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Warum Sportwagen und Oldtimer als Dienstwagen problematisch sind

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