Steuerlich im Vergleich zu Kapitalgesellschaften benachteiligt
„Familienunternehmen werden bestraft“

Nach Einschätzung der Stiftung Familienunternehmen sind traditionell geführte mittelständische Familienunternehmen im Vergleich zu Kapitalgesellschaften steuerlich benachteiligt.

HB BERLIN. „Familienunternehmen werden für ihre Treue zum Standort Deutschland bestraft“, sagte der Vorstand der neu gegründeten Organisation, Brun-Hagen Hennerkes, am Montag in Berlin. Als Beispiele nannte er zu hohe Erbschaftsteuern, die Belastung von Veräußerungsgewinnen und Sonderbetriebsvermögen sowie von Gesellschafterdarlehen. Neben Änderungen im Steuerrecht fordern die oft großen Mittelständler ferner den Abbau von Auflagen und bürokratischen Regelungen.

Politik und Öffentlichkeit hätten nur die großen Industriekonzerne im Blick, erläuterte Hennerkes. Die 30 Dax-Unternehmen würden aber nur 1,8 Mill. Arbeitsplätze im Inland stellen, die Familienunternehmen mit zwischen drei und vier Mill. knapp doppelt so viele.

Bei der Erbschaftsteuer habe die Politik falsche Signale gesetzt, kritisierte die Stiftung. Eine zu hohe Besteuerung des betrieblichen Vermögens im Erb- oder Schenkungsfall führe zu einer Umschichtung der Vermögen ins Ausland. Durch die fälligen Steuerzahlungen der Erben werde die Eigenkapitaldecke der Unternehmen verringert. Die Stiftung forderte deshalb einen Erlass der Erbschaftsteuer, wenn ein Betrieb von den Erben über einen festgelegten Zeitraum weitergeführt wird.

Insgesamt besteht nach Hennerkes Worten die Gefahr, dass weitere Arbeitsplätze aus Deutschland verlagert werden. Es sei aber noch Zeit für Änderungen. Allerdings müsse die Politik ein schlüssiges Konzept für Reformen am Standort Deutschland vorlegen.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und Bundesfinanzminister Hans Eichel (beide SPD) hatten sich in den vergangenen Wochen einen heftigen öffentlichen Streit um die Reform der Besteuerung von Unternehmen geliefert. Dabei war es allerdings vor allem um Senkungen der Sätze der Körperschaftssteuer gegangen, die damit an die niedrigen Raten europäischer Wettbewerber angepasst werden sollten. Nach Aussagen Eichels besteht bei mittelständischen Personengesellschaften nach der letzten Stufe der Steuerreform kein Grund zum Handeln.

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