Steuern
Der Traum von Liechtenstein

Wenn Unternehmen Steuern sparen wollen, können sie entweder Unternehmensteile in Länder mit niedrigen Steuern verlagern oder Verluste aus Auslandsniederlassungen mit Gewinnen im Inland verrechnen. Das ist allerdings oft mit großen Problemen verbunden.

KÖLN. Steuern sparen im Ausland – für viele Menschen hat das einen Beiklang von Illegalität. Oft tauchen Bilder von Steueroasen wie Liechtenstein und Cayman Islands vor dem inneren Auge auf, die dank Steuersündern wie dem ehemaligen Post-Chef Klaus Zumwinkel eine Aura des Zwielichtigen haben. Dabei können Unternehmen im Ausland ganz legal Steuern sparen, und zwar nicht nur Konzerne, sondern auch Mittelständler. Gern gesehen wird das in der Heimat allerdings nicht – und bringt oft ungeahnte Schwierigkeiten mit sich.

Ein gängiger Weg, Steuern zu sparen: Unternehmen verlegen ihren Hauptsitz in ein Land mit niedrigeren Steuersätzen und zahlen künftig dort in die Staatskasse ein. Ganz oben in den Top Ten der dieserart unternehmerfreundlichen Länder stehen die Schweiz und Liechtenstein. Wer dorthin auswandert, macht sich zwar zu Hause oft unbeliebt, kann aber zum Teil viel Geld sparen.

Nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes aus dem vergangenen Jahr steht die Steuerersparnis an vierter Stelle auf einer Liste der häufigsten Gründe, warum Unternehmen ins Ausland gehen. Und nicht nur Konzerne haben deshalb schon den Schritt in die Fremde getan – auch Mittelständler spielen häufig mit dem Gedanken. Zu den inhabergeführten Unternehmen, die bereits aus Steuergründen ins Ausland gegangen sind, zählt zum Beispiel Kühne und Nagel. Das Logistikunternehmen wurde in Bremen gegründet, zog aber in den 70er Jahren in die Schweiz um.

„Immer mehr Mittelständler überlegen vor allem aus steuerlichen Motiven, zumindest Teile ihrer Wertschöpfung ins Ausland zu verlegen oder dort neu aufzubauen“, sagt Steuerberaterin Ingeborg Hofer von der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei Konlus in Bergisch Gladbach. Denn auch wer nicht den Hauptsitz verlegt, sondern nur einzelne Unternehmensteile, kann Steuern sparen. Hofer warnt jedoch davor, sich das Etablieren von Auslandsstandorten zu einfach vorzustellen: „Der steuerliche Aspekt ist für solch einen Schritt nicht ausreichend“, sagt sie. „So etwas macht nur Sinn, wenn das Gesamtpaket stimmt. Es muss insgesamt gute wirtschaftliche Gründe geben, zum Beispiel niedrigere Lohnkosten.“

Denn Niederlassungen oder den Hauptsitz ins Ausland zu verlegen oder dort neu zu gründen, ist teuer. Mitarbeiter müssen umgesiedelt oder neu eingestellt werden, neue Büro- oder Produktionsstandorte gesucht und Verträge umgestellt werden. Auch die rechtlichen Bedingungen im Ausland können unerwartete Kosten und Probleme verursachen, besonders wenn es sich – wie bei den Auswanderer-Lieblingen Liechtenstein und Schweiz – um Nicht-EU-Länder handelt.

„Bei Niederlassungen in Nicht-EU-Ländern schlägt das Außensteuergesetz mit voller Härte zu“, mahnt Hofer überdies. Das Gesetz soll die Steuerflucht erschweren und vermiest vielen Unternehmern mit Auslandsniederlassungen die erträumte Steuerersparnis. Mittelständler, die Deutschland aus Steuergründen den Rücken kehren wollen, sollten also genau prüfen, ob sich dieser Schritt tatsächlich rentiert.

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