Steuerrecht
Alles hängt an den Steuerspezialisten

Das Steuerrecht steckt in der Klemme. Einerseits müssen die milliardenschweren Hilfspakete gegenfinanziert werden, andererseits sollen die Unternehmen und Bürger entlastet werden, um die Konjunktur anzukurbeln. Steuerspezialisten müssen in der Krise darum besonders gute Arbeit leisten, um ihre Klienten vor dem Fiskus zu schützen.

In der Wirtschaftskrise muss sich das Steuerrecht besonders bewähren: Einerseits muss es die Einnahmen des Staates sichern – die milliardenschweren Rettungspakete für kranke Firmen müssen schließlich finanziert werden. Zugleich muss es Unternehmen und Bürger bei den Steuerausgaben möglichst entlasten, um die Konjunktur anzukurbeln und Arbeitsplätze zu sichern. Denn: Für kriselnde Betriebe, denen gerade massenhaft Aufträge und Umsätze wegbrechen, kann der staatliche Griff in die Firmenkasse schnell zur Existenzbedrohung werden.

Daher sind Steuerspezialisten jetzt besonders gefordert. Ihr Auftrag: Bei allen Maßnahmen zur Krisenbewältigung müssen unliebsame Steuerfolgen ausgeschlossen werden. Besser noch: Die Steuerlast sinkt. Das aber ist bei komplexen Restrukturierungen nicht leicht – zumal unklare gesetzliche Regelungen Planungssicherheit verhindern.

Das zeigt sich etwa bei der Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapital, dem sogenannten Debt Equity Swap. Solche Transaktionen haben derzeit Hochkonjunktur. Rechtsanwalt Stephan Eilers, Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer in Köln, nennt den Grund: „Mit dem Instrument lässt sich die bilanzielle Überschuldung eines Unternehmens beseitigen.“ Die Kapitalmaßnahme hat jedoch einen Nachteil: „Der dabei entstehende Sanierungsgewinn wird unter Umständen voll besteuert“, sagt Eilers. „In diesem Fall werden die Sanierungseffekte der Transaktion durch die Steuerbelastung eingeschränkt oder gar ganz aufgehoben“, sagt der Fachanwalt für Steuerrecht weiter.

Zwar sieht der sogenannte Sanierungserlass des Bundesfinanzministeriums eine steuerliche Begünstigung solcher Gewinne vor. Nachdem das Finanzgericht München den Erlass aber für nicht anwendbar erklärte, ist das für Unternehmen keine verlässliche Planungsgrundlage mehr. Nun muss der Bundesfinanzhof dies abschließend klären. „Bis dahin sollte im Vorfeld einer Sanierungsmaßnahme eine verbindliche Auskunft bei der zuständigen Finanzbehörde eingeholt werden“, rät Eilers.

Steuerrisiken drohen auch bei grenzüberschreitenden Reorganisationen. Viele Unternehmen verlagern Geschäftsbereiche ins Ausland, weil sie dort billiger produzieren können oder ihre Gewinne in der Fremde niedriger besteuert werden. Allerdings gelten für solche Funktionsverlagerungen seit kurzem neue Rechtsgrundlagen. „Seitdem müssen Unternehmen mit umfangreichen Dokumentationen nachweisen, dass Deutschland durch die Transaktion keine Steuereinnahmen verloren gehen“, sagt Matthias Rogall, Partner von Flick Gocke Schaumburg in Bonn. Auch der umgekehrte Weg, nämlich die Verschmelzung ausländischer Firmen auf eine deutsche Gesellschaft, ist steinig. „Die Rückverlagerung kann im Ausland zu ungewollten Steuerfolgen führen“, sagt Rogall.

Seite 1:

Alles hängt an den Steuerspezialisten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%