Steuerreform benachteiligt Personengesellschaften
Berater warnen vor neuer Last für den Mittelstand

Der Mittelstand droht der große Verlierer der geplanten Unternehmensteuerreform zu werden. Berechnungen der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers für das Handelsblatt zeigen, dass überwiegend fremdfinanzierte Personengesellschaften deutlich mehr Steuern als heute zahlen müssten, würden die Pläne von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) Realität.

DÜSSELDORF. Entscheidend für die Belastung würde der Anteil des Zinsaufwands am Betriebsergebnis. „Für eine Personengesellschaft mit einer Zinsaufwandquote von 40 Prozent steigt die Steuerquote um 13 Punkte auf 60 Prozent“, sagte PWC-Vorstand Norbert Winkeljohann dem Handelsblatt. Eine vergleichbare Kapitalgesellschaft würde dagegen um vier Prozentpunkte entlastet, so der Experte.

Steinbrück will den Körperschaftsteuersatz auf 12,5 Prozent halbieren. Zur Gegenfinanzierung will er je 50 Prozent aller gezahlten Zinsen, Mieten, Pachten, Leasingraten und Lizenzen in die Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer und der Gewerbesteuer integrieren. Damit soll Konzernen, die mit Hilfe ausländischer Finanzierungsgesellschaften die Steuerbelastung in Deutschland drücken, das Handwerk gelegt werden. Außerdem soll die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abzugsfähig sein. Personengesellschaften, die selbst keine Steuern zahlen, deren Gesellschafter aber einkommensteuerpflichtig sind, sollen dadurch entlastet werden, dass sie die Gewerbesteuer weitgehend von der Einkommensteuerschuld abziehen dürfen. Außerdem soll die Gewerbesteuermesszahl – ein Multiplikator zur Berechnung der Bemessungsgrundlage – von 5 auf 4 Prozent gesenkt werden. Morgen will das Bundeskabinett Eckpunkte beschließen. Dabei sind kurzfristige Steuerausfälle von rund fünf Mrd. Euro eingeplant. Mittelfristig fordert CDU-Ministerpräsident Roland Koch stärkere Entlastungen für die Wirtschaft.

PWC-Experte Winkeljohann betonte, die Steuerpläne würden dem Standort schaden und könnten Arbeitsplätze kosten. „Kredite würden teurer, und dann fehlt das Geld für Investitionen. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was mit der Steuerreform erreicht werden soll.“

PWC hat errechnet, dass große Personengesellschaften heute Steuerquoten von etwa 46 bis 47 Prozent hätten. Ab 2008 läge die Belastung bei 45 Prozent, falls das Unternehmen gar keine Kredite benötigen würde. Bei „in der Praxis durchaus üblichen“ Zinsaufwandquoten von 20 bis 50 Prozent würde die Belastung aber auf 51 bis 68 Prozent steigen, so Winkeljohann. Im Gegensatz dazu würden Kapitalgesellschaften durchweg entlastet. „Für sie sinkt mit steigenden Zinsaufwandquoten lediglich der gewährte Steuervorteil.“

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