Steuerreform
Dämpfer fürs Leasing

Wenn das Kabinett am heutigen Mittwoch die Unternehmensteuerreform beschließt, werden die Leasing-Unternehmen in Deutschland sich auf die Details stürzen. Schon jetzt ist klar: Die Reform dürfte manchen Dämpfer fürs Leasing-Geschäft mit sich bringen.

FRANKFURT. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ohne Blessuren abgeht“, meint etwa Branchenexperte Arno Städtler vom ifo-Forschungsinstitut. Kunden werden ihre Leasingraten künftig nicht mehr voll von der Gewerbesteuer absetzen können. Der Zinsanteil soll herausgerechnet werden und ist dann – wie die Zinsen für einen Kredit schon jetzt – nur noch begrenzt abzugsfähig. Da der Zinsanteil in der Leasingrate je nach Gut und Vertrag verschieden ist, nimmt die Bundesregierung einen pauschalen Anteil an, über dessen Höhe es ein heftiges Tauziehen gibt.

Derzeit ist für bewegliche Wirtschaftsgüter von 20 Prozent die Rede. 13 Prozent fände der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen gerecht. So viel sei bei einer Stichprobe unter den Mitgliedern herausgekommen, argumentiert der Steuerexperte des Verbands, Martin Vosseler. Er hofft, auch nach dem Kabinettsbeschluss auf Änderungen im Entwurf.

Wie hoch die Besteuerung auch immer liegt, für ein Unternehmen verliert Leasing als eine alternative Finanzierungsform damit einen seiner bisherigen Vorteile. Denn selbst wenn es zu nachträglichen Änderungen kommen sollte, wird der Leasingnehmer seine Leasingkosten künftig nicht mehr einfach voll absetzen können. Er muss sich um Freibeträge, Pauschalzins und ähnliches Gedanken machen. Es wird komplizierter – und das, so ifo-Forscher Städtler, schadet der Leasing-Branche, die vergangenes Jahr auf mehr als 54 Mrd. Euro Neugeschäft kam. „Alles was die Sache verkompliziert, wird Bremsspuren hinterlassen“, ist Städtler überzeugt.

Betroffen wären vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, denn für sie ist Leasing als alternative Finanzierungsform zum Kredit besonders wichtig. „Wir warten mit Spannung, was das Kabinett verabschiedet“, sagt Eberhard Vogt, Sprecher des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft.

Beim Leasing-Verband gibt es indes keine Schätzungen darüber, wie sich die Mehrbelastung auf das Neugeschäft auswirken könnte, aber man rechnet mit „gravierenden Auswirkungen“. Denn parallel wird für die Leasing-Unternehmen der steuerliche Abzug ihrer eigenen Finanzierungskosten weiter eingeschränkt, während solche Beschränkungen für Banken nicht gelten. Schon befürchtet die Branche, in der Unternehmen wie die Deutsche Leasing, VR Leasing, die börsennotierte Grenke Leasing und die Auto-Leasingtöchter vertreten sind, eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten ausländischer Leasing-Anbieter. Noch jedoch ist das Gezerre mit dem Kabinettsbeschluss ohnehin nicht beendet.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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