Stiftung Warentest vs. Ritter Sport
Voll auf die Nuss

Im Rechtsstreit von Stiftung Warentest und Schokohersteller Ritter Sport müssen die Warentester eine erneute Niederlage einstecken. Die Richterin übt harsche Kritik an den Methoden der Tester.
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MünchenDie Stiftung Warentest hat den Schoko-Streit mit Ritter Sport verloren. Das Oberlandesgericht München wies am Dienstag einen Widerspruch der Warentester gegen eine einstweilige Verfügung des Landgerichts München I zurück. Damit darf die Verbraucherschutzorganisation weiterhin nicht mehr behaupten, Ritter verwende für seine Voll-Nuss-Schokolade statt des angegebenen natürlichen Vanille-Aromas ein künstliches Vanille-Aroma.

Die Stiftung Warentest hatte 2013 im Dezemberheft ihrer Zeitschrift "Test" sowie im Internet Schokoladenqualitäten verglichen und die Ritter Sport-Schokolade Voll-Nuss mit "mangelhaft" bewertet. Dem Hersteller, der für sich in Anspruch nimmt, nur natürliche Zutaten zu verwenden, warf sie eine Falschdeklaration seines Produktes vor, da die besagte Sorte den Aromastoff Piperonal enthalte, der nur künstlich hergestellt werden könne. Ritter Sport erwirkte (vertreten durch die Kanzlei Gleiss Lutz) eine einstweilige Verfügung gegen mehrere Formulierungen des Testberichts und beharrte darauf, dass der Stoff auch natürlich vorkomme. Diese Verfügung wurde Ende November 2013 vom Landgericht München I bestätigt.

Nun könnten beide Seiten ein Hauptsacheverfahren anstrengen. "In diesem einst­weiligen Verfügungs­verfahren fand ja gar keine umfassende Beweis­aufnahme statt", sagte Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Man werde die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und dann über weitere Schritte entscheiden.

Das Unternehmen Alfred Ritter und ihr Aromalieferant Symrise aus Holzminden (Nebenkläger) könnten gegebenenfalls Schadenersatz verlangen. „Das heutige Urteil wäre da sicherlich hilfreich", sagte Symrise-Chefjurist Markus Sattler. Symrise werde aber nicht Treiber eines solchen Verfahrens sein. Im Fokus stehe Ritter Sport mit etwaigen Umsatzausfällen im Nachgang des Testberichts. Im Interview mit Handelsblatt Online hatte Firmenchef Alfred Ritter die dramatischen Auswirkungen des Testurteils beklagt und die Wichtigkeit der einstweiligen Verfügung betont: „Hätte sich die Stiftung Warentest durchgesetzt, wäre das unser Ende gewesen. Der Handel hätte uns aus den Regalen genommen.“

Bereits kurze Zeit nach der Veröffentlichung der Testergebnisse sei die erste Drohung eines Händlers gekommen, die Ware aus den Regalen zu entfernen. „Unsere Rettung war, dass am Tag der Veröffentlichung der Testergebnisse ein Süßwaren-Kongress in Berlin war und wir so den Händlern innerhalb eines halben Tages klar machen konnten, dass die Behauptung falsch ist“, erzählte Ritter.

Umso mehr freute sich Ritter Sport über den erneuten Sieg gegen die Warentester: „Die Entscheidung ist richtig. Sie zeigt, auch Stiftung Warentest darf nicht willkürliche Behauptungen in die Welt setzen, die jeder Grundlage entbehren“, sagte Thomas Seeger, Leiter Recht bei Ritter Sport. „Der Vorwurf der Verbrauchertäuschung fällt damit am Ende auf Stiftung Warentest zurück.“

Neben Schadensersatzforderungen können beide Firmen jetzt auch Anwaltskosten geltend machen und zusätzlichen Aufwand im Rahmen eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens, das die Lebensmittelüberwachung auf den Plan gerufen und „viel Staub aufgewirbelt“ habe, sagte Sattler. Dieses Verfahren sei inzwischen eingestellt.

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  • Unabhängig wie man den konkret vorliegenden Sachverhalt beurteilen mag, ich schätze es nicht, dass die Stiftung
    Warentest -ein halbstaatlicher Laden mit gewisser arroganter Bürokratenmentalität- so viel Meinungsmacht hat. Warum sollte ein renommiertes Computermagazin Computer und Software weniger gut beurteilen können als die allgemein aufgestellte Stiftung Warentest. Ähnliches gilt für den Lebensmittelsektor und andere Bereiche. Zu viele Deutsche haben unkritisch und unreflektiert schon fast mehr Ehrfurcht vor dem Urteil der Stiftung Warentest als vor Gott im Himmel. Die Proportionen stimmen da einfach nicht mehr. Jeder muss wissen: Auch bei der Stiftung Warentest walten nur Menschen, die irren, fehlen oder falsch gewichten können.

  • Ritter Sport hat eine zugelassene Zutat verwendet. Dafür die Ware auf Mangelhaft abzuwerten ist für mich unverhältnismäßig. Natürlich darf die Stiftung Warentest auf diese Zutat hinweisen, wenn sie denn durch eine Analyse feststellt, dass diese in der Ware enthalten ist. Man kann drüber streiten ob dann eine Abwertung um eine Stufe gerechtfertigt ist. Das Vorgehen der Warentester würde ich als weltverbesserliche Maßnahme bezeichnen.

  • Wieder haben Richter gegen Menschen entschieden, weil sie nichts befürchten müssen. Wieder muss man zur Kenntnisnehmen, Natur ist auf Anweisung der Richter nicht Natur. Kein Wunder, wenn unsere Lebensmittel immer mehr nur noch Chemie ist. Wenn ich mich erinnere stellt man Kekse aus Holzspäne, Farbe, Kleister, Aromastoffe(Chemie) her und darf dies als natürlich bezeichnen. Das ist aus meiner Sicht menschenverachtend!

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