Stille Beteiligung
Frisches Kapital ohne Mitsprache

Mithilfe einer stillen Beteiligung können Unternehmen ihr Wachstum finanzieren, müssen dafür aber keine Anteile verkaufen. Die neuen Teilhaber werden zwar am Gewinn beteiligt, haben aber keine Mitspracherechte bei der Firmenstrategie. Die Vorteile im Überblick.

KÖLN. Rund Zehntausend neue Kunden pro Monat: Diese stolze Bilanz können Peter Ledermann und Sebastian Wieser vorweisen. Die Vorstände der Mercateo AG gründeten den gleichnamigen Onlinemarktplatz im Jahr 2000. Inzwischen greifen täglich rund 100 000 überwiegend mittelständische Geschäftskunden auf die Plattform zu, um einen der 4,3 Mio. gelisteten Artikel von knapp 400 Handelspartnern zu bestellen - vom Toilettenpapier bis zum Notebook.

Doch die Konkurrenz im Online-Geschäft ist hart. Im Jahr 2007 wollten die Mercateo-Besitzer deshalb mit frischem Kapital in die Weiterentwicklung des Unternehmens investieren. "Für Venture Capital inzwischen zu groß, für Later-Stage-Investoren noch zu klein, suchten wir eine Möglichkeit, uns mit Eigenkapital zu finanzieren", sagt Mercateo-Vorstand Ledermann. "Außerdem wollten wir keine eigenen Anteile verkaufen, um die Firmenstrategie weiter selbst zu bestimmen". So holten sie schließlich mit der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft (BayBG) einen stillen Teilhaber ins Boot.

Kapital ohne eine Einmischung von außen - gerade dieses Argument macht stille Beteiligungen für kleine und mittelständische Unternehmen so attraktiv. Zwar gibt es keine verlässlichen Zahlen, wie viel derartiges Kapital Beteiligungsgesellschaften, Banken und andere Geldgeber in Unternehmen investiert haben. Doch stille Beteiligungen sind trotz ihres leicht angestaubt wirkenden Namens weit verbreitet. "Besonders im Mittelstand sind solche Modelle jetzt noch deutlich attraktiver als früher, insbesondere im Bereich der Mitarbeiterbeteiligungen", weiß Norbert Neu, Wirtschaftsprüfer in der Bonner Steuerkanzlei DHPG Dr. Harzem und Partner. Denn der Unternehmer bleibt bei seinen Entscheidungen jederzeit Herr im Haus.

Die Grundidee der stillen Beteiligung ist simpel. Ein Kapitalgeber steckt Geld in ein Unternehmen, bekommt dafür jedoch keine Anteile, sondern wird am Gewinn beteiligt. Was mit dem Geld geschieht, darüber entscheidet in der Regel nur der Unternehmer selbst. Aushandeln müssen die beiden Vertragspartner dabei die Höhe der Vergütung, Kontrollrechte und Berichtspflichten, sowie die Dauer der Investition oder mögliche zusätzliche Ausschüttungen am Vertragsende. "Stille Beteiligungen lassen sich abhängig von der Situation sehr individuell gestalten", sagt Wirtschaftsprüfer Neu. Mitarbeiter, die über eine stille Beteiligung in ihren Arbeitgeber investieren, haben unter Umständen andere Interessen als Banken oder private Beteiligungsgesellschaften.

Unternehmer können mit den Geldgebern auch eine atypische Beteiligung aushandeln. In diesem Fall ist der Investor nicht nur am Gewinn beteiligt, sondern trägt auch mögliche Verluste. Im Gegenzug dafür erhält er vermehrte Kontroll- und Mitspracherechte. Stille Beteiligungen gelten oft als mezzanine Finanzierungsformen: Mischformen also aus Eigen- und Fremdkapital. "Da stille Beteiligungen wirtschaftliches Eigenkapital sind, erhöht sich die Eigenkapitalquote und damit das Firmenrating", sagt Günther Henrich, Geschäftsführer der BayBG. Auf diese Weise kommen Unternehmer wiederum an günstigere Kredite.

Auf der anderen Seite gelten die stillen Beteiligungen steuerlich als Fremdkapital, da die Finanzämter den stillen Investor als Darlehensgeber betrachten. "Auf diese Weise können Unternehmer die an die Teilhaber gezahlten Vergütungen von der Steuer abziehen", erklärt Henrich. Ein weiterer Pluspunkt für Unternehmer.

Da der stille Teilhaber am Gewinn des Unternehmens direkt beteiligt ist, hat dieser auch ein besonderes Interesse an dessen positiver Entwicklung. So profitiert der Unternehmer im Gegensatz zu einer Finanzierung über Kredite von einem starken Engagement des Geldgebers, beispielsweise in der Beratung oder in der Moderation von Bankengesprächen. Denn für viele Beteiligungsunternehmen steht eine langfristige Zusammenarbeit im Vordergrund. "Beteiligungen sind nicht geeignet zur Abdeckung kurzfristiger Liquiditätsspitzen oder dem Stopfen von Liquiditätslöchern", warnt Henrich.

Natürlich hat ein solch langfristiges Engagement auch seinen Preis. "Je nach Investor und Vertragsart liegen die jährlichen Renditevorstellungen sicherlich höher als bei einem klassischen Kredit", schätzt Wirtschaftsprüfer Neu. Diese höheren Kosten müssen Unternehmer einkalkulieren.

Mercateo-Vorstand Lederer ist in jedem Fall zufrieden mit der stillen Beteiligung. "Neben der Finanzierung bekamen wir Hilfe beim Aufbau von Außenkontakten - und in die Strategie redet niemand herein."

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