Stimmungswechsel: Schiffbauer entdecken die Umwelt

Stimmungswechsel
Schiffbauer entdecken die Umwelt

Die deutsche Schifffahrt gewinnt im Aufschwung wieder Oberwasser. Das merkt auch die Schiffbauindustrie. Diese versucht nun mit Umweltschutztechnologien weiter nach vorn zu kommen. Ganz wichtig dabei: neue Antriebstechnologien.
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HAMBURG. Die deutschen Unternehmen der maritimen Industrie blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Impulse setzen allen voran die Themen Meeresumweltschutz und Umweltschutztechnologien. Das zeigte die SMM, die Shipbuilding, Machinery & Marine Technology Messe im September in Hamburg. Die weltweite Leitmesse für den Schiffsbau und die Meerestechnik fand – begleitet von einem Umweltgipfel der Branche – unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel statt.

Die Schifffahrtindustrie soll umweltfreundlicher werden. Darüber herrschte auf dem ersten globalen Umweltgipfel der Branche im Rahmen der SMM Einigkeit. "Am dringendsten ist es, den Kohlendioxid-Ausstoß der Schiffe zu reduzieren", betonte Spyros Polemis, der Vorsitzende der Internationalen Schifffahrtskammer, der International Chamber of Shipping (ICS), anlässlich des Kongresses. Nach Berechnungen der International Maritime Organization (IMO) ist die Schifffahrt für 4,5% des weltweiten Kohlendioxyd-Ausstoßes verantwortlich, das ist fast doppelt soviel wie der globale Luftverkehr verursacht. Allerdings transportiert die Welthandelsflotte über 90% der weltweiten Warenströme.

Auch die hohen Schwefel- und Stickoxid Emissionen von Schiffen, die überwiegend mit Schweröl befeuert werden, müssen reduziert werden. Dafür, dass dies geschieht, sorgen eine Vielzahl neuer Umweltbestimmungen: Ein Beispiel sind die Grenzwerte der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) für Schwefel- und Stickoxid. Für die Emissionssondergebiete Ost- und Nordsee gilt seit dem 1.7.10 der Grenzwert von 1 Prozent Schwefel im Treibstoff oder in den Schiffsabgasen, bis dato waren es 1,5%. Bereits seit Jahresbeginn muss in europäischen Häfen ein Schwefel-Grenzwert von 0,1 Prozent eingehalten werden. Ab 2020 werden die Vorgaben strenger.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, setzt die Branche auf neue Antriebsenergien, allen voran auf Flüssigerdgas (LNG, Liquid Natural Gas). "LNG ist umweltfreundlicher und enthält weniger Schwefel und Kohlenstoff", sagte Hermann J. Klein, Vorstandmitglied des Germanischen Lloyd in Hamburg, mit Blick auf das als umweltschädlich kritisierte Schweröl, mit dem mehr als 90% der Tanker und Frachter betrieben werden. Der Schifffsklassifizierer schließt nicht aus, dass bis 2035 die meisten Schiffe mit Gas betrieben werden. Dazu müssen LNG-Lager in den Häfen errichtet und LNG-Tanker gebaut werden, "ein riesiger Markt".

Auch das von der IMO beschlossene Ballastwasserabkommen, das voraussichtlich 2011 ratifiziert werden wird, sorgt im Vorfeld für Innovationen: Das Abkommen fordert von allen Schiffen ein zertifiziertes System zur Aufbereitung von Ballastwasser zu installieren. Diese Systeme sollen sicherstellen, dass durch Ballastwasser keine fremden Organismen mehr von einem zum anderen maritimen Ökosystem verschleppt werden. Dazu kommt es, weil Ballastwasser benutzt wird, um ein Schiff, wenn es nicht voll beladen ist, zu stabilisieren. Das Wasser wird beim Löschen der Ladung aufgenommen und möglicherweise an einem völlig anderen Ort beim Wiederbeladen wieder abgepumpt. Auf der SMM stellten mehrere Firmen entsprechende Systeme vor. Das des finnischen Konzerns Wärtsilä verspricht die Lösung in einem Zwei-Phasen-Prozess, vorab werden größere Partikel herausgefiltert, dann werden durch UV-Bestrahlung verbleibende Organismen abgetötet.

Insgesamt waren mehr als 2 000 Unternehmen aus 58 Nationen mit ihren Produkten auf der SMM vertreten. Nach dem Gastgeberland Deutschland mit 699 Ausstellern rangierten die Niederlande mit 158 Firmen auf Platz zwei, gefolgt von der VR China (115), und Großbritannien (108). Damit war die SMM, die alle zwei Jahre in Hamburg stattfindet, ausgebucht. Mit mehr als 50.000 Besuchern sind die Erwartungen der Messeleitung übertroffen worden. Fest steht auch, dass der Umweltkongress, der in diesem Jahr zum ersten Mal veranstaltet worden ist, 2012 wieder auf dem Programm stehen wird. Messetermin ist der 4.9. bis 7.9.2012.

Die Stärken des deutschen Schiffbaus "liegen dort, wo es um die Erfüllung individueller Kundenwünsche geht (Yachten) oder spezielle Anforderungen an das Schiff gestellt werden (Fähren, Errichterschiffe) ", sagte Hans-Jochen Otto, Parlamentarischer Staatssekretär für Wirtschaft und Technologie im Bundeswirtschaftsministerium und Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, anlässlich der Eröffnung der Messe. Allerdings sei der Spezialschiffbau im internationalen Wettbewerb hart umkämpft, asiatische Konkurrenten beschränkten sich nicht mehr nur auf den Containerschiffbau. Insgesamt sieht Otto die Branche nach dem Krisenjahr 2009 wieder im Aufwärtstrend.

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