Streit um Euro-Rettung
Mittelständler schießen gegen den BDI

Der Streit zwischen den Wirtschaftsverbänden eskaliert: Während BDI-Chef Keitel für die Rettung des Euro Position bezieht, werfen ihm die Familienunternehmer „schlechten Stil“ vor. Deutschland sei kein „Ablass-Sünder“.
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BerlinDer Aufruf von BDI-Präsident Hans-Peter Keitel an die deutsche Wirtschaft, den Kurs der Euro-Rettung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Rettung der gemeinsamen Währung zu unterstützen, hat zu einem Konflikt in der deutschen Wirtschaft geführt.

Der Präsident des Verbands "Die Familienunternehmer", Lutz Goebel, warf Keitel "schlechten Stil" vor. Der Vorstand der "Stiftung Familienunternehmen", Brun-Hagen Hennerkes urteilte noch schärfer und warf dem BDI-Präsidenten "Realitätsferne" vor.

Keitel hatte in einem Brief an die Spitzenverbände des BDI Position gegen einen Euro-Austritt Griechenlands bezogen und auf die Vorteile hingewiesen, die die Wirtschafts- und Währungsunion bislang für die deutsche Wirtschaft gebracht habe.

In einer Stellungnahme sagte Hennerkes dem Handelsblatt, Keitel gehe mit seiner Position an den "Sorgen und Bedürfnissen der größeren deutschen Familienunternehmen und auch der deutschen Bevölkerung vorbei". Der BDI versuche, den Exporterfolg deutscher Unternehmen in "eine Verpflichtung umzumünzen". Deutschland sei aber "kein Ablass-Sünder". Den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands habe "harte Arbeit mit international wettbewerbsfähigen Produkten, niedrigen Lohnstückkosten und hoher Produktivität" begründet - "nicht aber in erster Linie die Gemeinschaftswährung". Zugleich hätten deutsche Arbeitnehmer - anders als ihre französischen Kollegen - "auf hohe Lohnzuwächse verzichtet". Wie wolle, so fragt Hennerkes Keitel, die Politik den deutschen Arbeitnehmern erklären, "dass dieser Erfolg jetzt auf europäischer Ebene sozialisiert werden soll"?

Auch bestreitet Hennerkes, dass die europäische Integration eine reine Erfolgsgeschichte sei. Deutschland rutsche immer mehr in die "Rolle eines weißen Ritters für überschuldete Euro-Staaten". Damit zerstöre das Auseinanderfallen in Schuldner und Gläubiger "die gute Nachbarschaft auf dem alten Kontinent".

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  • Liebe Leute, es geht beim EURO und der EUROKRISE nicht um Geld. Geld ist ein Organisationsmittel, mehr nicht. Lest den Lissabonvertrag und die Meinungen der Staatsrechtler dazu, lest den ESM-Vertrag.

    Worum es hier geht ist ein Systemwandel. Es geht um Macht. Es geht um die Schaffung eines zentralistischen, undemokratischen, totalitären europäischen Superstaat als Zwischenstufe zur ebenfalls totalitären Weltregierung.

    Heil EUdSSR!

  • Anläßlich der Übergabe einer Verfassungsbeschwerde durch die Professoren Hankel, Nölling, Schachtschneider, Starbatty und Dr. Bandulet findet am Samstag (30.06.) ab 12:00h in Karlsruhe (Friedrichplatz) eine medial begleitete Kundgebung statt.

    Eine gute Gelegenheit dem Kläger-Kreis dezidierte Fragen zum Konstrukt ESM und den Euro-Rettungsmaßnahmen zu stellen.

    weitere Infos ab morgen [27.06.] zeitgleich mit den Presseinformationen hier verfügbar:
    http://fortunanetz-forum.xobor.de/t14f2-EFSF-ESM.html

    Ich werde ganz sicher dabei sein.

  • Ich kann Herrn Goebel und Herrn Hennerkes in ihrer Analyse nur voll zustimmen. Mir fehlen in den Kommentaren allerdings die Lösungsansätze!

    Griechenland hat als Staat und Wirtschaft innerhalb der EURO-Gruppe ein so minimales Gewicht, dass mir die Zuspitzung der EURO-Krise im Augenblick nicht wirklich plausibel ist. Es sind genau diese beschriebene keynesianisch orientierten angelsächsichen Ökonomen, die eine Krise erst herbei reden oder vielleicht sogar hierauf eine Wette im Feuer haben.

    Das eigentliche Problem der Krise ist wohl eher die Entfernung der Realwirtschaft von der Finanzwirtschaft. Hier gilt es effizienter - notfalls auch frontal gegen die USA und England - Europäische Interesssen durch zu setzen.

    Vergleicht man Wirtschaftleistung, Staatsverschuldung, Wettbewerbsfähgikeit, Aussenhandel, Innovation und Arbeitslosenzahlen zwischen der Gruppe der EURO-Staaten und den USA, dann müsste die USA längst ihren Bankrott erklärt haben. Aber warum ist das nicht so?

    Wir haben sicherlich innerhalb der EURO-Länder eine Menge an Problemen, die gelöst werden müssen. Dass sind nicht nur die unterschiedlichen Sozialstandards, die Immobilienblase in Spanien und das leidige Steuerproblem in Italien und Griechenland. Das sind auch grundlegende demokratische Probleme der Europäischen-Gemeinschaft. Das diese aber den EURO ins Trudeln bringen können, kann ich nicht glauben.

    Wir schaffen es im EURO-Raum noch nicht einmal, die Institute außen vor zu halten, die maßgeblich für die durch Spekulation verursachten Schäden verantwortlich sind. Hier ist auch mein Ausdrücklicher Vorwurf an die Deutsche Wirtschaft. Wer Goldman-Sachs und Co. selber füttert muss sich nicht wundern, wenn die in etwas schlechteren Zeiten gegen einen selbst spekulieren.

    Ps. Ich weiss leider nicht was der Schweiz-Kommentar hier soll? Ich gehe davon aus, dass der Kommentator seinen Eintrag nicht ernst gemeint hat? Die "Beste Volks wirtschaft der Welt" ist mit dem Scheitern des EURO tot!

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