Stresstest in Stolberg
Deutschlands ältestes Familienunternehmen

Um die Liquidität der William Prym GmbH & Co. KG zu erhalten, haben sieben Banken unter Führung der deutschen Bank kurz vor dem Jahreswechsel ein millionenschweres Rettungspaket geschnürt. Doch die Fehler aus der Vergangenheit bedrohen das 500 Jahre alte Unternehmen. Wie sich Deutschlands ältester Industriebetrieb mit aller Macht gegen den Untergang stemmt.

DÜSSELDORF. Der Name Prym ist seit 1530 bekannt, die Firma gilt als ältestes Familienunternehmen Deutschlands. Insofern hat man in Stolberg nahe Aachen schon viel erlebt. Und doch: Wenn es angesichts der allgemeinen und Prym-spezifischen Nachrichtenlage einen Betrieb gibt, dem man das Scheitern hätte vorhersagen können, dann den des Herstellers von Knöpfen, Nadeln und sonstigen Befestigungsutensilien. Allerdings: Es ist anders gekommen.

„Die Belegschaft steht hinter dem Unternehmen“, sagt Andreas Engelhardt, Vorsitzender der Geschäftsführung. Engelhardts rheinischer Tonfall verbreitet Sicherheit in einem Geschäft, in dem örtliche Familien mitunter seit Generationen fürs Unternehmen aktiv sind. Und der Chef weiß, wie „seine“ Leute ticken, er hat bei mehreren Familienunternehmen Laufbahn gemacht.

Das alles ist ein Pfund angesichts der Opfer, die er immer wieder von der Belegschaft hat verlangen müssen. Derzeit verhandelt das Unternehmen über das Weihnachtsgeld der nächsten zwei Jahre und die Tariferhöhungen. Doch nicht nur die Mitarbeiter beweisen Loyalität zu ihrem Unternehmen. Auch die „Leitenden“ und Geschäftsführer bieten Gehaltsverzicht an, so dass neun Mio. Euro zusammenkommen sollen.

Engelhardt hat aber nicht nur mit den Betriebsräten über die Sanierung verhandelt. Unter der Führung der Deutschen Bank haben sieben Banken kurz vor dem Jahreswechsel ein millionenschweres Rettungspaket geschnürt, um die Liquidität der William Prym GmbH & Co. KG zu sichern. Abgerundet wird das Finanzierungskonzept mit Landesbürgschaften von NRW und Baden-Württemberg sowie Rückbürgschaften der Familie von sechs Mio. Euro.

Warum das fast 500 Jahre alte Traditionsunternehmen diese Hilfe von allen Seiten nötig hat? Eigenes Verschulden, sagen die einen. Die EU, sagen andere. Wessen Schuld auch immer: Fakt ist, dass Prym wegen mehrerer Kartellabsprachen von der EU-Wettbewerbskommission Bußen von 67,5 Mio. Euro aufgebrummt bekam – womit sich für den Familienkonzern die Existenzfrage stellt.

Die Kartellabsprachen stammen aus der Zeit, als Familienmitglieder noch selbst in der Unternehmensspitze saßen, also bevor die neue Geschäftsführung mit Engelhardt 2005 antrat. Von den 41 Familieneignern ist heute keiner in der Firma tätig, auch nicht im Beirat. Seit fünf Jahren sehen die Familienmitglieder keinen Cent mehr aus dem Unternehmen.

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