Studie
Firmen ignorieren Refinanzierungsfalle

Eine Studie der EBS Business School und der IKB legt nahe: Viele Mittelständler wollen eine drohende Refinanzierungsfalle nicht wahrhaben. Auch das Mezzanine-Problem bei einer Mischform von Fremd- und Eigenkapital ist nach wie vor nicht gelöst.
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FRANKFURT. Trotz anhaltender Warnungen verdrängen viele Mittelständler nach wie vor die drohende Refinanzierungsfalle. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der EBS Business School und der IKB Deutsche Industriebank, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Demnach haben mindestens drei von fünf der befragten Unternehmen noch keine Anschlussfinanzierung für die ab 2011 auslaufenden Mezzanine-Programme.

„Das Problem ist in der Tat größer“, sagt Ulrich Hommel, EBS-Experte für Unternehmensfinanzierung und Kapitalmärkte. „Nicht einmal die Hälfte der befragten Firmen hat das Problem der Anschlussfinanzierung bereits gelöst. Viele haben sich nicht einmal richtig darum gekümmert.“ IKB-Vorstand Dieter Glüder bestätigt: „Das Problembewusstsein ist bei manchem der betroffenen Unternehmen noch nicht hoch genug.“

In den Jahren 2004 bis 2007 wurde der Studie zufolge an 534 deutsche Firmen Mezzanine-Kapital vergeben. Diese Finanzierungen – eine Zwischenform von Fremd- und Eigenkapital – wurden anschließend gebündelt und über Verbriefungen an institutionelle Investoren weitergereicht. Die Laufzeit der Tranchen beträgt sieben Jahre, das Unternehmen muss am Ende den kompletten Mezzanine-Betrag zurückzahlen. Laut EBS geht es in Summe noch um mindestens 3,1 Mrd. Euro, die ab 2011 fällig werden.

Doch die derzeitige Vorsicht der Banken könnte die Rückzahlung erschweren. „Wir müssen festhalten, dass die Banken derzeit oftmals nicht zur Refinanzierung bereit sind“, sagt Hommel, der 208 betroffene Firmen befragt hat. Zwar geben knapp 40 Prozent davon an, bereits eine Anschlussfinanzierung oder die Zusage dafür zu haben. Die große Mehrheit setzt dabei aber auf selbst erwirtschaftete Mittel – was womöglich zu optimistisch ist. Denn damit ist der Spielraum für eine Eintrübung des Geschäfts gleich Null.

Knapp 60 Prozent der Firmen haben sich hingegen bislang keine Anschlussfinanzierung gesichert. Deutlich mehr als die Hälfte davon wiederum hat sich zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht einmal konkret um eine Lösung bemüht. Allerdings werden drei Viertel der gesamten Refinanzierungssumme erst ab 2012 fällig.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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