Studie
Mittelstand im Stimmungshoch

Der Mittelstand in Deutschland hat nach einer Studie von Ernst & Young seinen Pessimismus überwunden und befindet sich in einem Stimmungshoch.

HB STUTTGART/ESSEN. „Noch im letzten Jahr glaubte kaum ein Mittelständler an einen nachhaltigen Aufschwung - nun scheint er da zu sein“, heißt in der repräsentativen bundesweiten Erhebung unter 3000 mittelständischen Unternehmen. Danach erwarten 40 Prozent von ihnen, dass die Umsätze anziehen, im vergangenen Jahr traf das nur auf jede zehnte Firma (11 Prozent) zu. Grund dafür sei unter anderem die große Koalition in Berlin, die bei den Unternehmen die Hoffnung auf eine „neue Verlässlichkeit der Politik“ nähre, sagte Peter Englisch von Ernst & Young. „Der Koalition wird ein Vertrauensvorschuss gewährt.“

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Mittelständler erwartet eine Verbesserung der Wirtschaftslage, vergangenes Jahr rechneten dagegen noch 55 Prozent mit einer Verschlechterung der Konjunktur. „Der Stimmungsumschwung hätte kaum deutlicher sein können“, stellt das Wirtschaftsberatungsunternehmen in seinem Mittelstandsbarometer 2006 fest.

Damit sei ein Widerspruch in der Wahrnehmung aufgelöst, sagte Englisch. „In den vergangenen Jahren war die Lage in den Unternehmen immer besser als die Stimmung.“ Positiv auswirken könnte sich die Entwicklung auch auf den Arbeitsmarkt. „Die Bereitschaft zu Einstellungen ist deutlich gestiegen.“

Bei der Beurteilung der Standortpolitik gibt es ebenfalls eine Abkehr vom Negativtrend der vergangenen Jahre. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Unternehmen beurteilt die Rahmenbedingungen für ihre Geschäfte als „gut“ oder „befriedigend“. 2005 lag dieser Wert bei nur zehn Prozent.

83 Prozent der Unternehmen schätzen ihre gegenwärtige Geschäftslage positiv ein. Im vergangenen Jahr waren dies nur 71 Prozent, nach 54 Prozent im Jahr 2004. In Hamburg und Sachsen ist der Anteil der Unternehmen, die ihre Lage als uneingeschränkt „gut“ bezeichnen, besonders groß. Besonders pessimistisch sind dagegen die Mittelständler in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Für Investitionen sei die Hansestadt als Tor zu China und Sachsen mit seiner günstigen Lage zu den EU-Beitrittsländern besonders interessant, sagte Englisch. Mittelständler profitierten dort oft als Zulieferer von der Handelsleistung großer Konzerne. „Die übrigen neuen Bundesländer konnten diese Attraktivität noch nicht erreichen.“

Gestiegen ist im Bundesdurchschnitt auch die Zufriedenheit der Unternehmen mit der Bildungspolitik. Trotzdem erreichen neben dem Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen nur das Saarland, Rheinland-Pfalz und knapp auch Bayern deutlich „eher gute“ Noten. Kein einziges Bundesland erhält ein klares „Gut“ in der Beurteilung. Die größten Wissensdefizite bei Auszubildenden gibt es laut der Umfrage in Hamburg und Bremen.

Neben der Umsatzentwicklung sind die Lohn- und Lohnnebenkosten mit 85 beziehungsweise 87 Prozent derzeit mit die wichtigsten Themen für die Mittelständler. Nur die wenigsten kleineren Unternehmen seien in der Lage, Produktionsstätten im Ausland zu errichten und so von günstigeren Fertigungskosten zu profitieren, heißt es in der Studie. Trotzdem trage auch die „konsequente Markterschließung im Ausland“ zusammen mit dem weltweiten Wirtschaftsaufschwung zur guten Stimmung bei, so Englisch.

Angesichts eines schärfer werdenden Steuerwettbewerbs in der EU, so die Studie, sei der Anteil der Firmen, die sich mit dem Thema Steuern beschäftigen, von 76 Prozent im vergangenen Jahr auf 89 Prozent gestiegen. Standorte wie Österreich oder Skandinavien unterböten Deutschland inzwischen um mehr als zehn Prozentpunkte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%