
Berlin/MoskauRainer Seele ist in seinem Element. Mit der Hand wedelt der Vorstandschef von Deutschlands größtem Erdöl- und Gasproduzent Wintershall durch die Luft. „Russland ist der Partner schlechthin, wenn es um die Sicherung unserer Rohstoffe geht.“ Nachdem er seit Jahren in Russland aktiv ist, wirbt Seele als Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) für mehr Engagement vom Mittelstand. Weil Russland so von Rohstoffen abhänge, sei es auch auf deutsche Technologien angewiesen. Gerade für Maschinenbauer und Logistikunternehmen winkten interessante Aufträge.
Viele Mittelständler haben jedoch ein gespaltenes Verhältnis zu dem Land. Die Schreckensmeldungen von Korruption, Bürokratie und Rechtsunsicherheit haben sich tief in das Gedächtnis vieler Unternehmer eingebrannt. Auf der anderen Seite locken trotzdem die gewaltigen Rohstoffreserven.
Nun prognostiziert die Studie „Rohstoffgigant Russland“ der AHK, der Deutschen Rohstoffagentur und von Germany Trade and Invest (GTAI) gute Chancen: auch weil in Russland bislang nicht alles reibungslos läuft. Laut GTAI sind derzeit 6500 deutsche Unternehmen in Russland aktiv, davon 6300 Mittelständler.

Eine Pistenraupe kämpft sich durch den Schnee. In der Umgangssprache heißen die Maschinen "Pistenbully". Ebenso, wie das Produkt der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Sie bietet nur Pistenraupen an und ist Weltmarktführer.

Nicht nur bei Kindern beliebt: die "Pustefix"-Seifenblasen von der Firma Hein aus Tübingen. In mehr als 50 Ländern gibt es das Produkt zu kaufen. Besonders Amerikaner und Japaner stehen auf die bunten Blasen aus Deutschland.

Roll-Leinen für Hunde kommen von Flexi. 1972 entwarf die Firma den Prototyp aus Holz. Heute gibt es auch Luxusmodelle mit Swarovski-Kristallen. Produziert wird nach Unternehmensangaben ausschließlich in Deutschland, verkauft in 90 Ländern weltweit.

Blick in die Tiefe: In einer Übung seilen sich Feuerwehrmänner am Hochhaus "Taipei 101" ab. Die Fassade für das 508 Meter hohe Gebäude in Taiwans Hauptstadt Taipeh hat der deutsche Spezialist Gartner gefertigt.

Edles Ambiente im Bundeskanzleramt. Auch gespeist wird hier mit feinstem Silber. Das Besteck liefert die Silbermanufaktur Robbe und Berking aus Flensburg. 1874 gegründet, hat die Firma international Anerkennung erreicht und einen Marktanteil von 40 Prozent. Ein Viererset (Gabel, Messer, Ess- und Kaffeelöffel) des Modells "Dante" aus dem Bundeskanzleramt kostet 575 Euro in 925er Sterling Silber oder 283 Euro mit 150 Gramm Massiv-Versilberung.

Der Prothesenhersteller Otto Bock ist offizieller Ausrüster der Paralympics in London. Als Weltmarktführer stattet er auch die deutschen Athleten mit Prothesen und Rollstühlen aus. Oscar Pistorius, der auch schon bei den Olympischen Spielen gestartet war, setzt dagegen auf Prothesen vom isländischen Konkurrenten Össur.

Sich drehen, überschlagen und hinunterstürzen - Alltag für die Firma Stengel aus München. Freizeitparks wie Disneyland oder Sixflags setzen beim Bau ihrer Achterbahnen auf deutsche Ingenieurskunst. Mehr als 600 Achterbahnen weltweit hat das Ingenieurbüro Stengel schon geplant. Auch Karussells, Holzachterbahnen und Autoscooter gehören zu den Spezialgebieten der Münchener.

Rinderzucht ist das Spezialgebiet der Firma Masterrind. Über 590.000 Erstbesamungen führt sie pro Jahr bei den Kunden durch und verkauft nach eigenen Angaben 2,5 Millionen Portionen Sperma. Mit Tiervertrieb, Rinderbesamung und Spermahandel erzielte Masterrind im Jahr 2010 ein Umsatz von 113 Millionen Euro.

Genauer Blick aufs Hinterrad: Mit "Leightweight"- Felgen aus Deutschland konnten sowohl Jan Ullrich (Mitte) als auch Lance Armstrong (links) die Tour de France gewinnen. Die Karbonfelgen für den Radsport werden in Friedrichshafen hergestellt, von der Firma CarbonSports GmbH.

Vorhang auf: In allen großen Opernhäusern der Welt hängen die Textilien der deutschen Firma Gerriets. Wie hier in der Mailänder Scala kommen die edlen Bühnenvorhänge immer aus Umkirch bei Freiburg. Einst als Textilhändler gestartet, ist Gerriets heute der weltweit einzige Hersteller für Bühnentextilien. Auch die New York Metropolitan Opera und das Royal Opera House in London gehören zu den Kunden.
Eine Pistenraupe kämpft sich durch den Schnee. In der Umgangssprache heißen die Maschinen "Pistenbully". Ebenso, wie das Produkt der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Sie bietet nur Pistenraupen an und ist Weltmarktführer.
GTAI-Geschäftsführer Michael Pfeiffer betont das Potenzial für deutsche Mittelständler: „Russland hat die weltweit größten Rohstoffreserven, aber oft nicht die Technologien für den Abbau.“ Für Öl- und Gasvorkommen etwa in vereisten Regionen fehle entsprechende Technik und Bohranlagen. Maschinen für die gigantischen Wälder seien nicht ausreichend. Und auch beim Ausbau von Straßen und Häfen für den Transport der Bodenschätze könnten deutsche Firmen mitmischen.
Iran
Den zehnten Platz der Top-10 Eisenerz-Nationen erreicht der Iran. Das Land Produzierte 2011 rund 30 Millionen Tonnen.
Kanada
Der nördliche Nachbar der USA landet auf Platz neun der größten Eisenerz-Produzenten. 37 Millionen Tonnen kamen aus den Gruben des Landes.
USA
Die USA produzierten 54 Millionen Tonnen Eisenerz. Die Fördermenge stieg in den vergangenen drei Jahren leicht an.
Südafrika
Südafrika produzierte 2011 55 Millionen Tonnen Eisenerz. In den Vorjahren pendelte das Volumen ebenfalls um diese Marke.
Ukraine
Mit 80 Millionen Tonnen landet die Ukraine auf dem sechsten Platz der Eisenerz-Nationen.
Russland
Auf dem fünften Platz der größten Eisenerz-Förderer landet Russland. Im Jahr 2011 holte das Land 100 Millionen Tonnen des Rohstoffs aus der Erde.
Indien
Indien erreicht bei der Eisenerz-Produktion den vierten Platz. 240 Millionen Tonnen förderte das Land im Jahr 2011. Während andere Länder Zuwächse verbuchten, stagnierte die indische Produktion in den vergangenen drei Jahren weitgehend.
Brasilien
Die größte Eisenerz-Lagerstätte der Welt liegt im Urwald Brasiliens. Das Land rangiert bei der Rohstoff-Produktion aber nur auf Platz drei mit 390 Millionen Tonnen.
Australien
Die Nummer zwei unter den Eisenerz-Exporteuren ist Australien. Der Kontinent produzierte 480 Millionen Tonnen.
China
Der größte Eisenerz-Produzent der Welt ist China. Im Jahr 2011 förderte das Reich der Mitte rund 1200 Millionen Tonnen des Grundstoffs für die Stahlproduktion. Zugleich ist China auch einer der größten Importeure von Eisenerz.
Quelle: US Geological Survey
Der Reichtum an Bodenschätzen ist damit Segen und Fluch für Russland zugleich. Mit steigendem Ölpreis sprudelten die Staatseinnahmen, aber gleichzeitig schaffe es das Land bisher kaum, auch andere Wirtschaftsbereiche zu erschließen, schreiben die Macher der Studie.
Im Jahr 2011 führte Russland 241,8 Millionen Tonnen Erdöl, 124,9 Millionen Tonnen Erdölprodukte und 204 Milliarden Kubikmeter Gas aus und nahm dafür 322 Milliarden US-Dollar (rund 256 Milliarden Euro) ein. Zusammen mit Kohle, Metallen und Holz machten Rohstoffe und darauf basierende Produkte rund drei Viertel der Exporte aus (74 Prozent).

Herr RoEis,
"entweder Mitspielen oder das Land verlassen" ... verhält es sich denn in Deinem Land etwa anders, oder wünschtest Du Dir Sonderregeln, privilegiert behandelt werden (anders als Gros)?!
[...] +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++
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RoEis. Mein russischer Freund Maxim erklärt mir Russland immer so: in Russian all is very simple.Where is business there is Mafia. Also ,entweder mitspielen oder das Land verlassen.Alles andere ist naiv! Ein Großkonzern wie Wintershall hat eine andere Machtposition als ein kleiner Mittelständler.Der kann nicht direkt in Putins Kanzlei anrufen.
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