Studie
Russland lockt deutschen Mittelstand mit Rohstoffen

Gute Chancen für den deutschen Mittelstand: Weil Russland von Rohstoffen abhängt, ist es auf deutsche Technologien angewiesen. Das zeigt eine Studie. Doch der Mittelstand hat Angst vor Korruption und Rechtsunsicherheit.
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Berlin/MoskauRainer Seele ist in seinem Element. Mit der Hand wedelt der Vorstandschef von Deutschlands größtem Erdöl- und Gasproduzent Wintershall durch die Luft. „Russland ist der Partner schlechthin, wenn es um die Sicherung unserer Rohstoffe geht.“ Nachdem er seit Jahren in Russland aktiv ist, wirbt Seele als Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) für mehr Engagement vom Mittelstand. Weil Russland so von Rohstoffen abhänge, sei es auch auf deutsche Technologien angewiesen. Gerade für Maschinenbauer und Logistikunternehmen winkten interessante Aufträge.

Viele Mittelständler haben jedoch ein gespaltenes Verhältnis zu dem Land. Die Schreckensmeldungen von Korruption, Bürokratie und Rechtsunsicherheit haben sich tief in das Gedächtnis vieler Unternehmer eingebrannt. Auf der anderen Seite locken trotzdem die gewaltigen Rohstoffreserven.

Nun prognostiziert die Studie „Rohstoffgigant Russland“ der AHK, der Deutschen Rohstoffagentur und von Germany Trade and Invest (GTAI) gute Chancen: auch weil in Russland bislang nicht alles reibungslos läuft. Laut GTAI sind derzeit 6500 deutsche Unternehmen in Russland aktiv, davon 6300 Mittelständler.

GTAI-Geschäftsführer Michael Pfeiffer betont das Potenzial für deutsche Mittelständler: „Russland hat die weltweit größten Rohstoffreserven, aber oft nicht die Technologien für den Abbau.“ Für Öl- und Gasvorkommen etwa in vereisten Regionen fehle entsprechende Technik und Bohranlagen. Maschinen für die gigantischen Wälder seien nicht ausreichend. Und auch beim Ausbau von Straßen und Häfen für den Transport der Bodenschätze könnten deutsche Firmen mitmischen.

Der Reichtum an Bodenschätzen ist damit Segen und Fluch für Russland zugleich. Mit steigendem Ölpreis sprudelten die Staatseinnahmen, aber gleichzeitig schaffe es das Land bisher kaum, auch andere Wirtschaftsbereiche zu erschließen, schreiben die Macher der Studie.

Im Jahr 2011 führte Russland 241,8 Millionen Tonnen Erdöl, 124,9 Millionen Tonnen Erdölprodukte und 204 Milliarden Kubikmeter Gas aus und nahm dafür 322 Milliarden US-Dollar (rund 256 Milliarden Euro) ein. Zusammen mit Kohle, Metallen und Holz machten Rohstoffe und darauf basierende Produkte rund drei Viertel der Exporte aus (74 Prozent).

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„Viele kleine Schritte in die richtige Richtung.“

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  • Herr RoEis,

    "entweder Mitspielen oder das Land verlassen" ... verhält es sich denn in Deinem Land etwa anders, oder wünschtest Du Dir Sonderregeln, privilegiert behandelt werden (anders als Gros)?!
    [...] +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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  • RoEis. Mein russischer Freund Maxim erklärt mir Russland immer so: in Russian all is very simple.Where is business there is Mafia. Also ,entweder mitspielen oder das Land verlassen.Alles andere ist naiv! Ein Großkonzern wie Wintershall hat eine andere Machtposition als ein kleiner Mittelständler.Der kann nicht direkt in Putins Kanzlei anrufen.

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