Studie
Warum große Familienunternehmen gern in der Provinz sitzen

Gütersloh, Ingelheim, Künzelsau – diese kleinen Provinzorte würde kaum jemand kennen, wenn nicht große Familienunternehmen dort ihren Hauptsitz hätten. Große Familienunternehmen und kleine Städte scheinen einer Studie zufolge eine höchst fruchtbare Ehe zu führen.

HB HAMBURG. Viele große deutsche Familienunternehmen werden aus kleinen Städten geleitet. 46 der 100 größten von einem Gründer oder einer Eigentümerfamilie gesteuerten Firmen haben ihren Hauptsitz in Städten mit weniger als 100 000 Einwohnern, wie eine der AP vorliegenden Analyse der Bonner Beratung Intes und der Otto Beisheim School of Management zeigt.

Bertelsmann und Miele in Gütersloh, Boehringer in Ingelheim, Würth in Künzelsau oder Schlecker in Ehingen sind also keine Einzelfälle. 14 Firmen sitzen sogar in Kleinstädten mit unter 20 000 Einwohnern. DAX-Unternehmen hingegen sind nur selten in kleinere Orten anzutreffen. So ist Adidas mit Stammsitz in Herzogenaurach eine Ausnahme.

Die Ersteller der Studie habe eine Erklärung für die unterschiedlichen Standortmuster: „Familienunternehmen sind schollenverbunden und nutzen die spezifischen Standortvorteile kleinstädtischer Milieus“, erklärt Intes-Chef Peter May. Außerhalb der Großstädte seien die Einkommen oft niedriger, die Mitarbeiter loyaler und das Miteinander menschlicher. Diese Faktoren passen laut May gut zum Selbstverständnis von Eigentümer geführten Unternehmen und wiegen andere Standortnachteile zumeist auf.

Allerdings befindet sich mit 31 der untersuchten Firmen auch ein großer Teil in Großstädten mit mehr als 500 000 Einwohnern. In Hamburg und Düsseldorf sind jeweils sieben Familienunternehmen angesiedelt, in München sechs. Berlin kann zwei solcher Firmensitze aufweisen. Und obwohl in Frankfurt, Köln und Hannover der Hauptsitz von großen Publikumsgesellschaften ist, gibt es hier keine Zentralen von Familienunternehmen.

Besonders auffällig ist der Ost-West-Unterschied: Bislang hat keines der 100 größten durch Familien oder einen Gründer kontrollierten Unternehmen seinen Sitz in Ostdeutschland. „Hier herrscht großer Nachholbedarf“, sagt May. Gerade in Sachsen und Thüringen gebe aber es eine unternehmerische Tradition.

Die Analyse zeigt auch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. In Niedersachsen zählt die Studie lediglich fünf Firmen in Familienhand. In Schleswig-Holstein sind es sogar nur zwei. In Nordrhein-Westfalen sind es dagegen 31, in Baden-Württemberg 22, in Bayern 18 und in Hessen zehn Familienunternehmen.

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