Studiengänge Kann man Unternehmertum lernen?

Um ein Familienunternehmen zu leiten braucht man mehr als reine BWL-Kenntnisse. Dennoch bieten Universitäten Studiengänge an, die zum Unternehmer ausbilden sollen. Was die zukünftigen Firmenchefs in den Seminaren lernen sollen.
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Privatuniversität Witten/Herdecke: Die Hochschule bietet einen Studiengang im Unternehmertum an. Quelle: dpa

Privatuniversität Witten/Herdecke: Die Hochschule bietet einen Studiengang im Unternehmertum an.

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DÜSSELDORF. „Familienunternehmer kann man nicht ausbilden.“ Der Mann der diesen Satz sagt, hat gerade an seiner Uni einen Masterstudiengang für genau diese Zielgruppe an den Start gebracht. Stephan Jansen, Präsident der privaten Zeppelin University am Bodensee lässt dafür nur Bewerber zu, die ein Projekt oder Problem der Firma oder Familie angehen wollen: „Wir wollen die Studenten dazu bringen, zu reflektieren, Chancen und Risiken des Wechselspiels zwischen Familie und Firma auszuloten.“

Denn um ein Familienunternehmen zu leiten, braucht man mehr als reine BWL-Kenntnisse. „Gesellschafterrecht, Erbrecht und Steuerrecht sind wichtig, hinzu kommt etwas, dass wir psychologisch-soziologische Komponente nennen“, sagt Tom Rüsen, der das Wittener Institut für Familienunternehmen leitet.

Uni-Chef Jansen nennt das zwar anders, meint aber im Prinzip das Gleiche: Fragen der Familienstrategie vs. Unternehmensstrategie, Gesellschafterkonflikte oder Vermögensnachfolge zum Beispiel.

Jansen und auch seine Konkurrenten an der Universität Witten/Herdecke müssten es wissen. Zum Stichwort Familienunternehmen werden in der deutschen Hochschullandschaft vor allem die zwei Institutionen immer wieder genannt.

Beide Hochschulen setzen mit Forschungszentren zu Familienunternehmen einen expliziten Schwerpunkt – und bieten Studiengänge für interne und externe Nachfolger in Familienunternehmen. Nur an wenigen Fachhochschulen und Universitäten in Deutschland können angehende Manager Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Unternehmensführung studieren. Vor allem reine Wirtschaftshochschulen – die sogenannten Business Schools – haben sich darauf spezialisiert.

Doch Zeppelin und Witten/Herdecke gehen einen Schritt weiter. Sie leben eine Philosophie, die aus allen Studenten Unternehmer macht und sie über den Tellerrand blicken lässt. Ein Viertel der Wittener Wirtschaftsstudenten macht sich nach dem Studium auch tatsächlich selbstständig, die Zeppelin University zählt bisher knapp 90 Ausgründungen.

An beiden Unis sollen die Wirtschaftsstudenten zumindest einmal in ihrem Hochschulleben eine Firma gegründet haben – wenn auch nur virtuell. Die besten drei Ideen pro Jahr gehen in Witten/Herdecke mit Gründungskapital von der Universität auch im echten Wirtschaftsleben an den Start.

Witten/Herdecke hat wie die Konkurrenz im Süden einen neuen Masterstudiengang für das Management in Familienunternehmen entwickelt, im ersten Jahrgang sind mehr als drei Viertel der Studenten Nachfolger aus Familienfirmen.

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