Suche nach neuen Technologien
Auch die arabische Welt muss in die Zukunft investieren

Die arabische Welt befindet sich wirtschaftlich im Aufbruch: Steigende Einnahmen aus Ölexporten erweitern die finanziellen Spielräume in den Förderländern und eröffnen neue Möglichkeiten zur Veränderung bestehender Strukturen. In Nahost beginnt die verstärkte Suche nach modernen Technologien aus dem Ausland.

KÖLN. Die Staaten haben begonnen, ihre Volkswirtschaften zu diversifizieren und einen leistungsfähigen Industrie- und Dienstleistungssektor zu etablieren. Immer noch fließt jedoch zu wenig Auslandskapital in die Region. Nur eine weitere Öffnung der Märkte wird bei den Investoren für Vertrauen sorgen.

Für die Weltwirtschaft sind die arabischen Länder vor allem wegen ihres Reichtums an Öl- und Gasvorkommen von größter Bedeutung, hier befinden sich 68 % der nachgewiesenen Öl- sowie 45 % der Erdgasreserven. Ausländische Investoren werden in der Region verstärkt durch die Öffnung von Schlüsselsektoren und die Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen in Freihandelszonen umworben. Bemerkenswerte Fortschritte sind bei der Liberalisierung des Handels erzielt worden. Zollschranken wurden drastisch gesenkt und nichttarifäre Handelshemmnisse beseitigt. Das Geschäftsklima hat sich durch die Vereinfachung von Verwaltungsstrukturen und die Stärkung von Eigentumsrechten verbessert.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet in seiner Prognose vom September 2006 für das laufende Jahr hohe Wachstumsraten in der arabischen Welt. In den meisten Ländern werden reale Zuwächse zwischen 5 und 7 % erwartet, für die VAE liegen die Schätzungen bei 11 %. In den vergangenen Jahren mussten die im Vergleich zu nationalen Quellen eher konservativen IWF-Prognosen laufend nach oben angepasst werden. Insgesamt ist die Wirtschaftsleistung der gesamten Region jedoch noch schwach und vor allem ungleich verteilt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf weist in der Region extreme Unterschiede auf: von rund 1 400 US-Dollar in Ägypten bis zu 53 000 Dollar in Katar. Auch die Zuflüsse an Auslandsinvestitionen (FDI) sind im internationalen Vergleich zu gering.

Beträchtliche Steigerungen bei den Öl- und Gasexporten haben die Kassen der Ölförderländer gefüllt. Die deutschen Ausfuhren in die Staaten der arabischen Welt haben sich seit 1998 verdoppelt. Die hohe Nachfrage bei Konsum- und Investitionsgütern ließ die deutschen Exporte 2005 in die arabischen Länder um rund 15,2 % auf 18,5 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr steigen. Die wichtigsten Kunden in der Region waren die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Einfuhren aus Deutschland von 4,3 Mrd. Euro, Saudi-Arabien mit 4,0 Mrd. Euro, Ägypten mit 1,7 Mrd. Euro sowie Kuwait mit 1,2 Mrd. Euro. Im 1. Halbjahr 2006 hat sich der Zuwachs der deutschen Exporte um 11,7 % etwas abgeschwächt.

Im Jahr 2005 zogen auch die Ausfuhren der arabischen Länder nach Deutschland um fast 30 % an, das Handelsbilanzdefizit der arabischen Länder gegenüber Deutschland betrug jedoch rund 8,2 Mrd. Euro. So lieferten die VAE 2005 gerade einmal Waren für 373 Mill. Euro nach Deutschland. Die Verringerung des Defizits wird auch von Anstrengungen zur Diversifizierung und dem Aufbau einer wettbewerbsfähigen Nicht-Öl-Exportwirtschaft in den arabischen Ländern abhängen.

Der Aufbau eigener Industrien in der Region eröffnet zahlreiche Liefer- und Beteiligungschancen. Die bereits vorhandenen Kapazitäten der Aluminiumindustrie in Bahrain und Dubai werden erweitert und auch Oman und Katar setzten Pläne zum Aufbau von Schmelzanlagen um. Die Golfregion könnte bis 2010 mit über 6 Mill. Tonnen jährlich zu einem der größten Rohaluminiumlieferanten der Welt aufsteigen. Abu Dhabi errichtet nicht nur ein Dienstleistungszentrum für Öl und Gas, sondern auch eine Zulieferindustrie. Die stark wachsende Bevölkerung benötigt Strom und Wasser, deshalb sind Kraftwerke und neue Technologien in der Wasserwirtschaft gefragt. Auch Umwelt- und Medizintechnik werden gebraucht.

Der Autor ist Referatsleiter Afrika/Mittlerer Osten in der bfai.

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