
Nach einem kritischen Blick auf das Display legt Valentin Wessels ein Handy auf den Tisch. Dann noch ein zweites daneben. Als nächstes greift er mit beiden Händen in seinen Metallkoffer und schaufelt bunte Bonbons dazu. Wessels ist Gründer der Firma "Sweet Company" und leitet jetzt seit vier Jahren seine eigene Firma. Die "Bild"-Zeitung hat schon Bonbons in Form ihres Firmenlogos bei ihm bestellt, ein Schönheitschirurg hat seine Initialen in Zucker gießen lassen und die Versicherungskammer Bayern verteilt seine Zuckerwaren als Werbung. Auf der Süßwarenmesse in Köln vom 31. Januar bis am heutigen 3. Februar hat er jetzt zum ersten Mal seine neue Bonbon-Kollektion präsentiert und hofft, auch im Ausland mehr Kundschaft zu gewinnen.
Woher kann er das überhaupt, das Geschäft mit den Bonbons? Durch Berufserfahrung nicht, denn er ist gerade mal 19 Jahre alt. Auch das halbe Semester Chemiestudium an der TU München, das er bisher hinter sich hat, wird es nicht sein. "Man kann ein Unternehmen leiten, ohne BWL studiert zu haben. Und man kann Bonbons machen ohne ein Chemie-Studium", sagt er.
Über Umsatz und Produktionsmenge sagt der junge Unternehmer nichts: "Solche Zahlen wären auch nicht aussagekräftig. Als ich Abitur gemacht habe, ist eben einen Monat lang weniger produziert worden." Richtig rund läuft das Geschäft also noch nicht. Eine Firmengründung vor der Volljährigkeit bringt viele Hindernisse mit sich, angefangen beim bürokratischen Aufwand bis hin zu den Banken, die ihm keine Kredite geben wollten. Also machten Lieferanten bei ihm eine Ausnahme und gewährten ihm regelmäßig Aufschub bei den Rechnungen.
Immerhin reichen seine Einnahmen jetzt für eine Zwei-Zimmer-Wohnung in München. Er tummelt sich auf Branchen-Partys und muss überlegen, ob er sein Geld lieber in Champagner oder in das Marketing seiner Firma investiert. "In der Krise sparen viele Firmen als erstes bei der Werbung. Da fragt sich einer: Wofür geben wir hier 10 000 Euro aus? Für Bonbons? - und setzt den Rotstift an."
Fast 80 000 Tonnen Bonbons im Wert von 600 Mio. Euro hat die deutsche Süßwarenindustrie 2009 verkauft. Der Umsatz schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 1,3 Prozent - ein höherer Rückgang, als die gesamte Süßwarenindustrie hinnehmen musste. Am gesamten Lebensmittelumsatz hat die Süßwarenindustrie einen Anteil von 7,8 Prozent, berichtet der Handelsverband Deutschlands.