Systempartnerschaften im Trend
Aus Blechstanzern werden Komplettanbieter

Einfache Blechstanzer entwickeln sich von Lohnfertigern zu Komplettanbietern und erschließen so neue Märkte. Das zeigt das Beispiel Hermann Blechtechnik: Statt nur Blech zu verarbeiten, baut die Firma heute Mountainbikes. Auch für andere Firmen sind Systempartnerschaften der Schlüssel zum Erfolg.

KÖLN. Wenn Bernd Hermann Entspannung sucht, setzt er sich auf ein Mountainbike. Und zwar nicht irgendein beliebiges – sondern eines der Marke „Hot Chili“. Hermann ist seit über 30 Jahren Geschäftsführer von Hermann Blechtechnik im baden-württembergischen Städtchen Schorndorf. Bis vor ein paar Jahren bestand sein Alltag vor allem aus dem Schweißen und Fräsen, dem Biegen und Umformen von Blech. Doch Mitte der Neunziger Jahre kam eine weitere Aufgabe hinzu: Gemeinsam mit seinem Sohn Markus gründete er die Tochterfirma „Hot Chili“, um Mountainbikes zu bauen.

Viele Blechverarbeiter wollen sich vom einfachen Blechstanzer wegentwickeln und in der Wertschöpfungskette eine Stufe aufrücken. Immer mehr Firmen gehen dazu über, komplexe Produkte gleich selbst fertig anzubieten. Dabei stoßen sie oft auf ganz neue Geschäftszweige – so wie Bernd Hermann.

Der führt das gleichnamige Familienunternehmen bereits in der zweiten Generation. Den Erfolg sieht der Geschäftsführer in der richtigen Mischung aus bodenständiger Qualität und Fortschritt: „Einerseits riskiert der Schwabe nicht zu viel, andererseits legen wir schon immer Wert auf modernste Technik“, sagt der Chef. Die Firma produziert unter anderem Prototypen für Blechteile und Elektronik. Hermann: „Wir suchen immer neue Standbeine, wir müssen uns laufend weiter entwickeln.“ Zur Fahrradproduktion kam das Unternehmen über die Entwicklung und Produktion eines speziellen Kurbelsatzes für Fahrräder, der schließlich auf mehr als 1000 Porsche-Fahrräder montiert wurde. 1994 entschloss sich die Familie Hermann, selbst mit der Produktion von Fahrrädern zu beginnen. Mit Erfolg, momentan bauen die Schwaben pro Jahr etwa 1000 Mountainbikes.

Auch die Augsburger De Crignis Blechverarbeitung hat sich entschieden, in die höherstufige Fertigung einzusteigen. Etwa 30 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen heute mit Produkten, die auf den ersten Blick für einen Blechverarbeiter recht exotisch wirken. Gehäuse für Bank-, Parkschein- und Spielautomaten gehören zum Sortiment, die De Crignis seinen Kunden vormontiert. „Wir wollen weg vom reinen Blechteilelieferant hin zum Systemanbieter“, sagt Richard De Crignis, Geschäftsführer und Urenkel des Firmengründers. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf die erweiterte Kernkompetenz Blech, die Kunden bauen schließlich ihre Elektronik ein. „Der Vorteil ist die strickte Arbeitsteilung“, sagt De Crignis.

Für das Unternehmen macht sich die Entwicklung vom reinen Blechverarbeiter zum Gehäusebauer bereits bezahlt, die Kundenbasis ist überregional gewachsen. Das schlägt sich in den Geschäftszahlen positiv nieder. Im Jahr 2006 konnte der Mittelständler seinen Umsatz um 12 Prozent steigern, in diesem Jahr liegt De Crignis bislang 32 Prozent über dem Vorjahr. Das liegt nach Aussage des Geschäftsführers nicht nur an der guten Wirtschaftslage, sondern vor allem an der Neuausrichtung: „Die derzeit laufenden Großaufträge sind aus dem Gehäusebau“, sagt De Crignis.

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