Tauschgeschäfte - ein Zukunftsmodell?
Finanzieren ohne Bank

Organisierte Tauschgeschäfte sind weltweit im Trend. Steigende Kosten für Werbung und Marketing zwingen viele Unternehmen zur Kooperation. Wie Firmen über Teilen und Tauschen Geschäfte machen.

FRANKFURT. Ein Passant wirft einem Straßenmusiker kein Geld, sondern einen Lottoschein in den Hut. Der löst ihn ein, gewinnt - und investiert es in eine Musikanlage, mit der er sich in der Fußgängerpassage Gehör verschafft. Ein Internetspot und eine Geschichte vom Geben und Nehmen. Mit solchen Internetspots sollen sich Mittelständler, die sich klassische TV-Werbung nicht leisten können, auf Portalen wie Youtube präsentieren. Dazu teilen sich Filmemacher und Auftragsvermittler das Honorar für die Werbefilme - und alle Parteien profitieren vom Geben und Nehmen.

"Die Kunden reichen ihre Aufgabenstellung ein, und wir leiten den Auftrag an die Filmemacher weiter", erklärt Felix Holzapfel, Gründer und Geschäftsführer des Kölner Start-ups Moviebakery die Geschäftsidee, für die er den Innovationspreis 2008 der Initiative Mittelstand erhielt. Ab einem Budget von 10 000 Euro können Unternehmen auf diese Art Filme bestellen. Werbefilme für Fernsehen sind ein Vielfaches teurer. "Wir haben keine Produktionskosten, die Filmemacher können sicher sein, dass sie bezahlt werden", sagt Holzapfel. Das Teilen von Aufträgen ohne die klassischen Zahlungen an Zwischenhändler wird so zum Geschäftsmodell.

Doch das Geschäft zwischen Unternehmen geht auch ganz ohne Geld. Auch hier liefert die Medienbranche Beispiele, etwa Tier TV in Berlin: Deutschlands bisher einziger Tiersender strahlt bundesweit Werbespots aus und bekommt dafür Anzeigen in Publikumszeitschriften. Dazu werden Gegengeschäftsverträge geschlossen. "Bartergeschäfte sind Teil unserer Strategie. Die Liquidität wird geschont, die Kaufkraft erhöht und die Markenbekanntheit aufgebaut", sagt Vertriebsleiter Christian Veit. Die Kompensationsgeschäfte erhöhen zudem die Unabhängigkeit von den Banken.

Diesen Effekt nutzt auch die Firma Screen Content in Bielefeld. Das Unternehmen strahlt über große LCD-Displays Nachrichten und Werbung zielgerichtet aus. Installiert werden die Displays in Wartezonen. "Einkaufspassagen empfangen ein anderes Informationsprogramm und einen anderen Werbemix als beispielsweise Autohäuser", sagt Geschäftsführer Andreas Stolpe. "Bei der Neukundenakquise sind Bartergeschäfte ein effektives Marketinginstrument." Inhalt gegen Werbezeit: So bezieht Screen Content zum Beispiel lokale Nachrichten vom Westfalenblatt, und die Lokalzeitung erhält dafür Werbezeit.

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