Teilweise mehr Umsatz in Russland als im Heimatmarkt
Nachholbedarf der russischen Industrie bietet Absatzchancen

Die „Leuchttürme“ haben ihre Strahlkraft verloren. Alle einst politisch von den Regierungen Russlands und Deutschlands als so genannten Leuchtturmprojekte – darunter der Bau eines Methanolwerks für den Erdgasriesen Gazprom – liegen schon lange auf Russlands sibirischem Eis.

HB MOSKAU. Dafür hat deutsches Handwerk in Russland inzwischen goldenen Boden: Nach Vertriebsfirmen, Repräsentanzen oder Produktions-Töchtern westlicher Firmen fänden derzeit immer mehr Architekten-, Ingenieurs- oder Entwicklungsbüros und andere Dienstleister den Weg in den Osten, berichtet der Hamburger Architekt Nico Rickert, der gerade einen Verband für deutsche Ingenieure und Architekten in Moskau gegründet hat. Der Moskauer Bauriese Inteko hat mit einem Hamburger Architekturbüro eine gemeinsame Projektierungsfirma gegründet. Zudem lässt der Ölkonzern Sibneft von einem deutschen Team von KCA Deutag im Permafrost nach Erdöl mit modernsten Horizontalbohrverfahren suchen. Produzenten, die aus Deutschland nach Russland gehen, ziehen oftmals zudem ihre Zulieferer mit (Seite B4).

Auf Platz zwei der Branchen liegen deutsche Investitionen bislang nur in der Chemieindustrie, in allen anderen Sektoren liegen deutsche Firmen weiter hinten. Insgesamt werden ausländische Direktinvestitionen (FDI) in Russland noch immer hauptsächlich in die Rohstoffförderung (2004: 4,1 Mrd. Dollar), die Öl- und Gasindustrie (4,0 Mrd. Dollar), aber inzwischen auch verstärkt in verarbeitende Industrien (2,9 Mrd. Dollar) und den Handel (1,1 Mrd. Dollar) gesteckt, weisen die Daten des staatlichen russischen Statistikamtes aus.

Dabei sind es oftmals andere Branchen, die in Russland Nachfrage haben und Wachstum produzieren: Während die Industrieproduktion im vorigen Jahr um 6,1 Prozent zulegte (2003: 7,0 Prozent), waren in 2004 vor allem die Glas- und Porzellanherstellung mit einer Zunahme von 16,3 Prozent, Maschinenbau und Metallverarbeitung (11,7 Prozent) sowie Chemie (7,4 Prozent) und die Energiewirtschaft (7,1 Prozent) überdurchschnittlich stark, während nach Boomjahren Baustoffindustrie (5,3 Prozent Zuwachs), Lebensmittelverarbeitung (4,0 Prozent), Holz- und Papierindustrie (3,0 Prozent) sowie Polygrafie (2,3 Prozent) Leichtindustrie (-7,5 Prozent) eine schwächere Phase durchliefen.

„Es gibt kein einfaches Wachstum mehr“, begründet dies Peter Westin, Chefökonom der Moskauer Investmentbank Aton: „Um das Wachstum zu fördern, bedarf es jetzt struktureller und institutioneller Reformen.“

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