Teure neue Strategie
Praktiker will nicht mehr nur billig sein

Es gibt zu viele Baumärkte in Deutschland. Der Preiskampf ist mörderisch. Besonders Praktiker hat sich hier hervorgetan. Doch die Billig-Strategie klappt nicht mehr. Nun geht Praktiker einen neuen Weg.
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Düsseldorf"20 Prozent auf alles außer Tiernahrung." Mit diesem Spruch ist Praktiker berühmt geworden. Eine Rabattaktion, die zumindest zuletzt an über 110 Tagen im Jahr galt, ist keine Rabattaktion. Erstrecht nicht, wenn sie zu lange dauert. Ursprünglich war sie für zwei Jahre konzipiert - nun hat sich der Kunde längst daran gewöhnt. Die Billigstrategie funktioniert nicht mehr. Spötter sagen: Die Aktie ist so dermaßen im Keller, dass Praktiker ein leichter Übernahmekandidat wäre - wenn die Kette denn jemand haben wollen würde.

Der Baumarktkonzern kämpfte zuletzt mit seinem Geschäft in den Krisenländern Europas und verpasste den Wirtschaftsaufschwung in Deutschland. Der Umsatz sank 2010 um 5,9 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro. Ergebniszahlen will das Unternehmen am 30. März veröffentlichen. Und Praktiker erwartet im laufenden Jahr weitere millionenschwere Ergebnisbelastungen durch die Neustrukturierung des Konzerns. Die Baumarktkette befinde sich Mitten in der Umsetzungsphase und werde daher noch mit Sondereffekten in zweistelliger Millionenhöhe zu rechnen haben.

Heute stellte Vorstandschef Wolfgang Werner seine neue Strategie vor: Bis 2013 will der nach Obi Branchenzweite in Deutschland mit einem Konzernumbau profitabler werden und sucht nach Wegen, die Kundschaft auch ohne Rabattaktionen anzulocken. Der ehemalige Metzger betonte, das Programm sei nicht in erster Linie ein Programm zur Kostensenkung, sondern um Strukturen und Prozesse zu verbessern.

In der Tat profitierte Praktiker bereits von den ersten Maßnahmen: Das Personal ist leichter zu finden und das Sortiment wurde kräftig aufgeräumt. Nun soll es mehr Eigenmarken geben, dafür aber weniger Lieferanten.

Dafür habe Werner schon in der Startphase der Programmarbeit gut 20 Millionen Euro in die Hand genommen. Als Ziel für Praktiker Deutschland gab Werner eine operative Umsatzrendite von mindestens drei Prozent aus. Die Tochterfilialen von Max Bahr sollen mindestens vier Prozent erreichen, das Auslandsgeschäft sechs Prozent.

Zur Finanzierung seines Konzernumbaus und zum Abbau von Schulden hatte Praktiker vergangene Woche über eine Unternehmensanleihe 250 Millionen Euro eingesammelt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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