Textil-Leasing
„Heimatmarkt mit Potenzial“

„Der Trend hin zu modischer Berufskleidung ist unverkennbar.“ Klaus Jahn, Geschäftsführer des Industrieverbandes Textil Service, spricht im Handelsblatt-Interview über die Trends der Textil-Leasing-Branche, ihre Wachstumschancen sowie mögliche Kooperationen zwischen Wäschereien, Maschinenbauern und Waschmittelherstellern.

Handelsblatt: In den vergangenen Jahren verzeichnete Ihre Branche Wachstumsraten von etwa fünf Prozent. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Klaus Jahn: Zurzeit gehen wir davon aus, wenn auch nicht quer durch alle Segmente und Unternehmen. Das Potenzial, das der deutsche Markt hergibt, ist aber noch nicht erschlossen und es gibt viele Unternehmen, die ihre Berufskleidung nicht im Textil-Leasing beziehen oder die auf Lohnwäsche-Lösungen zurückgreifen. Der anhaltende Trend zum Outsourcing, der es den Kunden ermöglicht, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren, und nicht auf die Bekleidung ihrer Mitarbeiter, wird aus unserer Sicht dem Textil-Leasing weiterhin Möglichkeiten eröffnen.

Welchen Einfluss hat der Klimaschutz auf Innovationen bei der Berufsbekleidung?

Die Prozesse und Materialien werden permanent verbessert. Die Betriebe verwenden energiesparende Prozesse und umweltschonende Verfahren, etwa Niedrigtemperaturverfahren, Energiesparmaßnahmen wie Wärmetauscher und Wasserrückgewinnungssysteme. Die Textilien werden funktioneller und für den Träger immer besser verträglich, insoweit stellen wir durch den Klimaschutz bedingte Veränderungen des Trageverhaltens fest, auf die der Textil-Service reagiert.

Welches Potenzial hat der Bereich Multifunktionsbekleidung?

Hier bestehen viele Entwicklungsmöglichkeiten. Die Ansprüche der Kunden an die Funktionen der Bekleidung werden einerseits immer höher und variantenreicher. Andererseits gibt es immer wieder Innovationen auf Seiten der Hersteller von Geweben mit spezifischen Funktionen. Die Dienstleister sind diejenigen in der Kette, die Angebot und Kundenansprüche am besten miteinander verbinden und optimale Lösungen für die Anforderungen des Arbeitsschutzes anbieten können. Außerdem können sie bei komplexen Multifunktionsgeweben besonders anspruchsvolle Waschverfahren gemeinsam mit den Maschinen- und Waschmittelherstellern entwickeln. Denn Funktionskleidung sollte man nicht zu Hause reinigen. Oft gehen beim falschen Waschen die spezifischen Funktionen der Bekleidung verloren.

Wo sitzt die Hauptkonkurrenz für deutsche Unternehmen?

Da es wenig Sinn macht, schmutzige Wäsche über Hunderte von Kilometern zu transportieren, gibt es Konkurrenzdruck lediglich aus benachbarten Ländern wie Polen, Österreich oder Holland. Allerdings ist zu beachten, dass der größte Teil der hiesigen Textil-Dienstleistungen von deutschen Unternehmen erbracht wird. Insofern ist die Hauptkonkurrenz in Deutschland selbst zu suchen. Modelle, nach denen ausländische Textilleaser lediglich Aufträge annehmen und deutsche Wäschereien als Subunternehmer beauftragen, haben sich bisher in der Branche wenig durchgesetzt. Diese Entwicklung werden wir aber beobachten.

Wird sich die Branche weiter konsolidieren?

Davon ist auszugehen und wir als Verband bekommen dies auch direkt mit. Es scheinen zwei unterschiedliche Trends das Marktgeschehen zu beeinflussen: Einerseits ein Trend hin zu großen Anbietern, die ihre Dienstleistung in ganz Deutschland und darüber hinaus anbieten, indem sie mehrere Niederlassungen aufbauen. Oder es schließen sich mehrere mittelständische Wäschereien zu einem Verbund zusammen, um das Bundesgebiet komplett abdecken zu können. Das ist besonders bei großen Kunden, deren Mitarbeiter und Betriebe ebenfalls über ganz Deutschland verteilt sind, unerlässlich. Andererseits bleibt immer noch Raum für kleinere, regionale Anbieter mit enger Kundenbindung oder speziellen Dienstleistungen, die in der Lage sind, sich eine besondere Marktpositionierung zu erarbeiten. Auch hier sehen wir noch Entwicklungspotenzial. Generell ist aber davon auszugehen, dass es eine weitere Konsolidierung geben wird.

Wie könnte eine gelungene Kooperation zwischen Wäscherei, Maschinenbauer und Waschmittelhersteller aussehen?

Solche Kooperationen gibt es in unserer Branche schon seit längerer Zeit. Wenn Sie heute den Betrieb eines textilen Dienstleisters besuchen, werden Sie schnell feststellen, dass die Mitarbeiter von Waschmittelherstellern und Maschinenbauern nahezu wöchentlich vor Ort sind. An einer engen Kooperation kommt heutzutage niemand mehr vorbei. Dabei wird es immer von Betrieb zu Betrieb individuelle Lösungen und Waschprozesse geben. Auch die Weiterentwicklung von Maschinen und Waschmitteln erfolgt letztlich in enger Kooperation. Nur so konnten in den vergangenen Jahren der Waschmittel-, Wasser-, und Energieeinsatz in den Betrieben deutlich gesenkt und die Umweltbelastung deutlich niedriger werden.

Für die Hamburger Polizei spielte bei der Entscheidung für die neuen Uniformen auch das Design eine Rolle. Ist das Aussehen von Berufsbekleidung wichtiger geworden?

Der Trend hin zu modischer Berufskleidung ist unverkennbar. Die Kunden legen Wert auf die Corporate Identity und ein gepflegtes Erscheinungsbild für ihre Mitarbeiter. Auch hier bieten Dienstleister einen enormen Vorteil: Sie sind nicht nur Experten im Design, das sie gemeinsam mit Konfektionären entwickeln, sondern sie können auch sicherstellen, dass diese anspruchsvolle Kleidung auch tatsächlich für den Waschprozess geeignet ist.

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