Textilgruppe Ploucquet
Investmentbank als Sanierer

Vor rund sieben Jahren drückte die Textilgruppe Ploucquet noch einmal richtig auf das Gaspedal. Doch bei seinen Investitionen hatte sich das Familienunternehmen verkalkuliert, rote Zahlen waren die Folge. Als Retter in der Not sprang aber kein deutsches Kreditinstitut ein, sondern die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley.

FRANKFURT. Im Jahr 2000 gründete die die 1806 gegründete Textilgruppe Ploucquet in Zittau eine Tochter, ein Jahr später erwarb sie mit „Sympatex“ eine europaweit bekannte Marke für Funktionstextilien. Es folgten internationale Projekte, darunter in Asien – und dann die Bauchlandung.

Das Familienunternehmen hatte sich bei den Investitionen verzettelt, rote Zahlen waren die Folge. Eine Zitterpartie nahm ihren Lauf, an deren Ende nicht deutsche Kreditinstitute einsprangen, sondern die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley.

„Acht bis zehn Banken – von Regional- bis hin zu deutschen Großbanken – waren damals Kreditgeber des Unternehmens. Ploucquet hatte das Problem, bereits hoch verschuldet zu sein. Entsprechend zugeknöpft waren die Banken, als es um die weitere Finanzierung ging“, erinnert sich Martin Friedrich, der Sprecher der Geschäftsführung.

Vor dem Einstieg von Morgan Stanley habe Ploucquet rund 40 Gesellschafter gehabt. Strategische Weichenstellungen seien somit fast unmöglich geworden, sagt Oliver Kehren, Executive Director der US-Bank in Frankfurt. 2005 startete Ploucquet dann unter Beratung der Commerzbank Corporate Finance den Verkaufsprozess. „Es gab mehrere Interessenten“, sagt Friedrich. Dass es am Ende ein Finanzinvestor statt ein Industrieinvestor wurde, habe daran gelegen, dass Ploucquet „relativ zügige finanzielle Unterstützung“ gebraucht habe. Andere Textilunternehmen hätten auch gerade in der Expansion nach Asien und Europa gesteckt und seien als Bieter ausgefallen.

Morgan Stanley hatte den Mittelständler schon lange beobachtet. Zusammen mit Annex Capital Partners übernahm die Bank dann 2006 das Unternehmen und sie kauften alle Alt-Gesellschafter heraus. Morgan Stanley erwarb die alten Kredite zu einem hohen Abschlag und wandelte sie komplett in Eigenkapital um. Insgesamt kostete die beiden neuen Gesellschafter das Engagement nur rund 30 Mill. Euro. „Die Alt-Gesellschafter bekamen zwar nur relativ kleine Beträge, aber im Falle der Insolvenz wären sie vollkommen leer ausgegangen“, erläutert Kehren.

Seite 1:

Investmentbank als Sanierer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%