Textilien
Die osteuropäischen Wachstumsmärkte im Visier

Die deutschen Textildienstleister zieht es nach Osteuropa - aber nicht, um ihre Wäsche dort für deutsche Kunden reinigen zu lassen. Vielmehr steigt die Nachfrage nach Komplettangeboten und umweltverträglicher Technik in diesen Ländern an. Die osteuropäische Konkurrenz kann nicht mithalten.

KÖLN. Seit 1990 rollen die Lastwagen der Salesianer Miettex Mietwäschevertriebsgesellschaft m.b.H. aus Österreich auch in den ungarischen Städten Budapest und Szombathely über die Straßen. Mittlerweile unterhält das Unternehmen Standorte in Tschechien, Slowenien und der Slowakei, zuletzt kamen Kroatien und Rumänien hinzu. „Unsere Kunden haben uns sozusagen mitgenommen“, sagt Geschäftsführer Josef Dutter.

Die Großen der Mietwäschebranche schielen seit der Liberalisierung nach Osteuropa. Meist folgen die Textildienstleister ihren Kunden, Salesianer kam im Schlepptau einer österreichischen Hotelgruppe nach Prag. „Sie haben schlicht und einfach von uns erwartet, dass wir sie auf demselben Standard auch dort mit Mietwäsche versorgen“, sagt Dutter.

Bislang prägen heimische Lohnunternehmer den Markt, meist Privatisierungen ehemaliger Wäschereien von Krankenhäusern oder Unternehmen. „Die ortsansässigen kleineren Betriebe mit uralter Technik sind nach wie vor zu ruinösen Preisen auf dem Markt“, sagt Dutter. Der konkurriert entsprechend nicht über den Preis, sondern bietet einen umfassenden Mietwäscheservice. In diesem kapitalintensiven Geschäft tut sich die einheimische Konkurrenz schwer.

Auch der Textildienstleiter und Produzent HTS International GmbH ist seinen Kunden wie Bosch oder Daimler nach Osteuropa gefolgt und dort mittlerweile in sieben Ländern aktiv. Andreas Heinze, Vorsitzender der Geschäftsführung der HTS International GmbH, sieht großes Potential in Osteuropa: „Die Staaten müssen sich an EU-weit gültige Normen in den Bereichen Hygiene und Arbeitsschutz halten“.

Nach Ansicht von Mathias Krahnert, Geschäftsführer der Bardusch GmbH & Co. KG, steigt mit dem wachsenden Lebensstandard in Osteuropa das Umweltbewusstsein. Doch das können die lokalen Anbieter kaum bedienen. „Wir Westeuropäer sind bei der Umwelttechnik weit voraus“, so Krahnert. Bardusch ist mit seinem Textil-Mietdienst in Ungarn, Polen und der Slowakei vertreten. Kürzlich hat das im baden-württembergischen Ettlingen beheimatete Unternehmen in Polen eine Firma übernommen. Die arbeitete noch mit Maschinen aus den Achtziger Jahren. „Die sind bis vor einem Jahr in Betrieb gewesen - mit erschreckenden Energie-Effizienz-Bilanzen“, sagt Geschäftsführer Krahnert.

Die Nachfrage aus dem Stammland spielt für die Tochterunternehmen in Osteuropa hingegen keine Rolle. Hohe Fahr- und Lagerzeiten und ein gestiegenes Lohnniveau machen den grenzüberschreitenden Wäschetransport unattraktiv. „Polen, Tschechien und Ungarn haben soweit aufgeholt, dass sie für eine Produktionsauslagerung nicht mehr so interessant sind“, sagt Monika Wohlmann, volkswirtschaftliche Analystin der West LB. Als Wachstumsmarkt sind sie dafür umso begehrter.

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