Textilien
Verbände streiten um Mindestlohn

Der Arbeitgeberverband Intex will einen Mindestlohn in der Textilbranche einführen. Der Deutsche Textil-Reinigungsverband hält dagegen und argwöhnt, dass Intex so lästige Konkurrenz ausschalten will. Der Ton zwischen den Spitzenverbänden wird rauher.

KÖLN.Generationen von Handwerksbetrieben und Dienstleistern kaufen bei beim Berufsbekleidungsspezialisten von der Aa im Bremer Ostertorviertel Funktionshosen, Arztkittel und Sicherheitsschuhe. Das Geschäft gibt es seit 1905. Mit entsprechend langjähriger Erfahrung beobachtet Geschäftsführer Christian Siemer die Veränderungen in seiner Branche. "Als ich in der Lehre bei einem großen Kölner Unternehmen war, da arbeiteten dort noch bis zu 500 Näherinnen", erinnert sich der 43-Jährige. "Ab Mitte der Achtziger Jahre sind die Produzenten nach Fernost abgewandert. In Deutschland haben wir vor allem noch Musternähereien."

Die Lohnkosten sind traditionell der größte Faktor bei den Textilproduzenten, Dienstleistern und Wäschereien. Um die verbliebenen Unternehmen vor ruinösem Wettbewerb zu schützen, steht nun ein Mindestlohn im Raum. Der Arbeitgeberverband Intex sieht zusammen mit der IG Metall einen Mindestlohn von 9,02 Euro pro Stunde in Westdeutschland und 7,83 Euro in Ostdeutschland vor. Auf der anderen Seite steht der Deutsche Textilreinigungs-Verband (DTV), der mit der Christlichen Gewerkschaft zuletzt einen tariflichen Stundenlohn in Höhe von 8,05 Euro im Westen und 6,05 im Osten zuletzt ausgehandelt hat. Zwischen den Unternehmensverbänden ist der Ton rauer geworden, bei den Mindestlohn-Plänen sieht DTV-Justitiar Winfried Maier einen Eingriff in die Tarifautonomie: "Intex will unsere Mitglieder damit in Existenznot bringen, so dass die Intex-Mitglieder anschließend die Betriebe unserer Mitglieder günstig aufkaufen können." Maier bezweifelt, dass Intex berechtigt ist, beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Mindestlohn vorzuschlagen: "Dazu müssten sie mit ihren Mitgliedern mehr als 50 Prozent der Branche vertreten, und das ist nicht der Fall." Der DTV will sich mit allen juristischen Mitteln gegen einen Mindestlohn wehren.

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