Textilindustrie
Singapur - Totgesagte leben länger

Als Hochburg für die Bekleidungsindustrie ist Singapur kaum bekannt. Dennoch haben die anpassungsfähigsten Branchenfirmen im Stadtstaat überlebt - und expandieren sogar mit neuen Geschäftsmodellen. Heute zählen große Marken wie Adidas, Puma oder Gap zu den Kunden.

KUALA LUMPUR. Sie sind zuverlässig, hochproduktiv, flexibel und garantieren einen Rundumservice: Die Bekleidungsfirmen aus dem südostasiatischen Tigerstaat Singapur werben um Kunden, denen billig nicht genug ist. Dabei punkten sie mit den Vorzügen des industriefreundlichen Stadtstaates, während sie gleichzeitig im günstigen Ausland produzieren lassen.

Die 128 lokalen Bekleidungsunternehmen konfektionieren jährlich Kleidung im Wert von rund drei Milliarden Euro, davon werden aber nur noch zehn Prozent tatsächlich im Inland gefertigt. Inzwischen sind die meisten Fabriken ins Ausland verlagert. In Singapur arbeiten die Firmen zumeist kleine Aufträge ihrer Hauptkunden aus den USA und Europa ab, bei denen es auf Schnelligkeit und Flexibilität ankommt. Da auch diese Bestellungen immer seltener eintreffen, bauen die Hersteller weitere Kapazitäten im Land ab.

Übrig bleiben übergeordnete, anspruchsvolle Aufgaben, mit denen die Branche künftig mehr Geld verdienen will. So entstehen etwa an den Hauptsitzen in Singapur Designentwürfe zunehmend in Form virtueller, dreidimensionaler Modelle. Dies spart Zeit und Geld. Der Staat unterstützt diese Entwicklung und hat 2006 ein Virtual Garment Centre gegründet, das zu einem führenden Zentrum der 3-D-Technologie im Textilbereich heranwachsen soll.

Neben der Anfertigung von Prototypen, der Suche nach den besten und günstigsten Materialien sowie der Auswahl des Produktionsstandortes mit dem größten Zollvorteil übernehmen die Firmen Logistik und Transport bis zum Einzelhändler. Das erfolgreiche Geschäftsmodell baut auf die Zusatzleistungen, die Kunden auslagern möchten. So kann sich die Modeindustrie auf ihre Vermarktungsaktivitäten konzentrieren, den Rest übernimmt der Bekleidungslieferant aus Singapur.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, warum Topmarken wie Gap, DKNY, Adidas, Puma oder North Face Firmen aus Singapur mit der Fertigung und Konfektionierung beauftragen. Singapurische Firmen achten die Urheberrechte ihrer Kunden und sorgen für ordentliche Produktionsbedingungen in den Fabriken. Denn kaum etwas schädigt das Image einer Modemarke mehr als schlechte Kopien oder der Ruf, dass Kinder in den Fabriken arbeiten. "Der Erfolgsschlüssel unserer Industrie ist, dass wir Qualität nach internationalen Standards liefern und strikt die sozialen und ökologischen Vorschriften einhalten", versichert Benny Pua, Präsident der Textile and Fashion Federation.

Dafür bürgt das neues Gütesiegel Apparel Singapore, um das sich lokale Unternehmen seit Juli 2008 bewerben können. Nur diejenigen, die acht Qualitätskriterien - von ethisch korrekten Produktionsbedingungen bis zur Qualitätssicherung - erfüllen, dürfen sich als "Markenbotschafter" der singapurischen Bekleidungsbranche bezeichnen. Das haben bisher elf Firmen geschafft: Asia Garment, Bodynits, Clovertex, Ghim Li Global, Gimmill Industrial, Lee Yin Knitting, Ocean Sky, Sing Lun Global, SL Ponie, Teo Garments und Texwell. Mit ihren Fabriken rund um den Globus sind sie für deutsche Modemarken sowie Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen interessante Geschäftspartner.

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