Thailand nach dem Putsch
Volksfeststimmung und harte Zensur

Für viele Investoren hat Thailand nach dem Putsch, der die Demokratie außer Kraft setzte, das Image einer Bananenrepublik. In der Bevölkerung bleibt es weitesgehend ruhig, während hinter den Kulissen die Machtstrukturen neu geordnet werden. Eine Handelsblatt-Reportage.

BANGKOK. Thailands Hauptstadt lullt Besucher in diesen Tagen mit trügerischer Ruhe ein. Die Nation verdrängt den Militärputsch, der ihre Demokratie aus den Angeln gehoben hat. Die Börsen sind nur mäßig eingebrochen, die Touristen bleiben, und erste Panzer ziehen aus Bangkok ab.

Vor Königspalast und Armee-Hauptquartier stehen die Stahlmonster noch. Um es herrscht Volksfeststimmung. Fliegende Händler bieten Würstchen an, und Schaulustige lassen sich mit den Uniformierten fotografieren. Die Bourgeoisie begrüßt den Staatsstreich.

Für die Architektin Patnipa ist er „ein Segen“. Ohne ihn wäre der Machtkampf zwischen Anhängern und Gegnern des verjagten Premiers Thaksin Shinawatra außer Kontrolle geraten, der ihr Land seit Januar gelähmt hat, glaubt sie. Bilder von Thais wie ihr, die Soldaten Blumen überreichen, gehen um die Welt – sie sind nur eine Seite der Wirklichkeit.

Aufseher in Redaktionen sorgen dafür, dass Medien Selbstzensur üben. Mit harschen Dekreten hat die Junta Verfassung, Parlament und Gerichte außer Kraft gesetzt und Versammlungen verboten. Und längst nicht alle Thais sind glücklich, dass Thaksin im Londoner Exil weilt. „Er hat das nicht verdient“, meint Herr Kob, während er seinen Toyota durch Bangkoks Hochhausdschungel steuert, „ich würde wieder für ihn stimmen.“

Mit Unterstützung kleiner Leute wie diesem Taxifahrer konnte der gestürzte Premier drei fulminante Wahlsiege in Folge erringen, und nicht ohne Grund mahnt die Junta „Bauern und Arbeiter“ ausdrücklich, die Ruhe zu bewahren. Thais wie Kob sind zu pragmatisch, um angesichts der Risiken für ihren verjagten Helden in Massen auf die Straße zu gehen. Aber ihre Enttäuschung könnte noch lange anhalten.

Thitinan Pongsudhirak misstraut daher der gängigen These, Thaksins Entmachtung beende Thailands politische Krise mit einem Schlag. „Er genießt nach wie vor starke Unterstützung im Volk“, widerspricht der Direktor des Instituts für Sicherheit und internationale Studien der offiziellen Beruhigungsmaschinerie. Ein direkter Draht zu den Massen und eine populistische Wirtschaftspolitik hatten den Medien- und Telekom-Tycoon zu Thailands erfolgreichstem Politiker gemacht.

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