Thomas Diehl
Fränkischer Optimist

Thomas Diehl verfällt auch in der Krise nicht in Panik. Der Nürnberger Unternehmer hält nichts von kurzfristigem Aktionismus und rühmt sich für seine Unabhängigkeit von Banken und Investoren. Das kommt dem gleichnamigen Familienunternehmen zugute.

MÜNCHEN. Fränkische Familienunternehmen erzeugen in diesen Tagen gemischte Gefühle. Erst setzte Maria-Elisabeth Schaeffler ihre Eigenständigkeit mit der Conti-Übernahme aufs Spiel. Dann zittert Madeleine Schickedanz um ihr Erbe in der Arcandor-Pleite. Dass man es als Unternehmer in der Region auch anders – und besser – machen kann, zeigt Thomas Diehl: Er, der das Unternehmen in dritter Generation führt, wird auf der heutigen Bilanzpressekonferenz vor allem eine Nachricht verbreiten: Krise ja, aber keine Panik. Wir haben schon ganz andere Zeiten durchgestanden.

Wasserzähler, Kupplungsringe, Schlüsselrohlinge: Diehls Produktsortiment könnte problemlos einen Quelle-Katalog füllen. Hinzu kommen Lenkraketen und Panzerketten. Rund 2,2 Mrd. Euro Umsatz macht die von Thomas Diehl geführte Nürnberger Firmengruppe mit Industriegütern und Rüstungsprodukten. Diehl ist dabei fest in Familienhand. Thomas führt das Unternehmen seit 1998. Man fühlt sich als Mittelständler und Global Player zugleich, tief verwurzelt mit der Stadt Nürnberg. „Man kann ein Unternehmen nur mit Optimismus führen“ lautet das Unternehmensmotto von Karl Diehl, der im vergangenen Jahr im Alter von 100 Jahren verstorben ist.

Seitdem müssen seine Söhne Werner, Peter und Thomas das Erbe fortführen. Es ist für die drei Brüder ein endgültiges Freischwimmen: Vater Karl hat erst mit 95 Jahren den Aufsichtratsvorsitz geräumt und soll bis zuletzt wichtige Entscheidungen getroffen haben.

Die operative Verantwortung liegt jetzt bei Thomas, dem Jüngsten. Der Ingenieur wirkt in sich ruhend, entspannt gerne mit Zigarette und einem Glas Frankenwein. Gleich nach dem Studium trat er in das Unternehmen ein und sanierte den Uhrenhersteller Junghans. „Er steht absolut für Kontinuität“, beschreibt ein Unternehmenskenner den Führungsstil. Diehl soll auf vielen Beinen stehen, vor allem in der Luftfahrtindustrie will die Familie künftig eine wichtige Rolle spielen. Bei allem unternehmerischen Risiko gilt: Niemals soll Diehl in die Abhängigkeit von Banken oder Investoren geraten. Thomas führt, seine Brüder Werner und Peter sitzen im Aufsichtsrat. Gerüchte über Spannungen werden regelmäßig dementiert.

Es ist kein leichtes Erbe, das Karl Diehl seinen Söhnen hinterlassen hat. Als wichtiger Rüstungsproduzent im zweiten Weltkrieg setzte das Unternehmen Zwangsarbeiter ein. Spät räumte Karl Diehl seine Mitschuld ein, zahlte Entschädigungen und ließ seine Vergangenheit historisch aufarbeiten. Viel Geld fließt bis heute in gemeinnützige Stiftungen. Die auch wegen der Rüstungsproduktion kräftig zerbombte Nürnberger Altstadt ist auch mit Diehls Millionenspenden wieder aufgebaut worden.

Auch nach dem Krieg blieb Diehl dem Rüstungsgeschäft treu. Duzfreund Franz Josef Strauß machte die Nürnberger zu einem der wichtigsten Munitionslieferanten in der Nato. Noch heute erwirtschaftet das Unternehmen rund ein Drittel seines Umsatzes mit Waffen und Munition.

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