Tönnies

Familienfrieden auf dem Schlachthof

Der größte Familienstreit im deutschen Mittelstand ist offenbar beigelegt. Fleischunternehmer und Schalke-Funktionär Clemens Tönnies und sein Neffe Robert haben einen Kompromiss gefunden. Doch taugt der etwas?
Update: 21.04.2017 - 15:15 Uhr 1 Kommentar
Maximilian, Clemens und Robert Tönnies (von links) haben den seit Jahren schwelenden Familienstreit beigelegt. Quelle: dpa
Familie Tönnies beendet den Streit

Maximilian, Clemens und Robert Tönnies (von links) haben den seit Jahren schwelenden Familienstreit beigelegt.

(Foto: dpa)

HamburgEine der größten Familienstreitigkeiten im deutschen Mittelstand ist gelöst – vorerst. Clemens Tönnies und sein Neffe Robert teilten am Montagmorgen mit, sie hätten einen Kompromiss in ihren zahlreichen Auseinandersetzungen um die Macht im Schlachtkonzern gefunden. Der nebenamtliche Schalke-Funktionär Clemens Tönnies gibt damit Macht ab, sein Neffe verzichtet aber auf den vollen Durchgriff. Die heftigen Vorwürfe des Jüngeren gegen den Älteren bleiben ungeklärt.

„Das ist heute ein guter Tag. Wir haben gestern die Tinte trocken bekommen“, sagt Clemens Tönnies. Weit vor dem Spiel seiner Schalker am Donnerstagabend hatten die Familien Tönnies in Düsseldorf beim Notar gesessen und mit ihren Unterschriften besiegelt, was in monatelangen Verhandlungen zwischen den Vertrauen der Streitparteien verhandelt wurde - außergerichtlich. Trotz des Ausscheidens im Viertelfinale der Europa-League wirkte der Schalker Aufsichtsratschef am Morgen danach entsprechend locker und gelöst.

In mehreren Prozessen hatte Robert Tönnies seinem Onkel vorgeworfen, ihn hintergangen zu haben. Beiden gehört jeweils die Hälfte des Unternehmens mit zuletzt 6,35 Milliarden Euro Umsatz, seitdem Robert Tönnies seinem Onkel vor mehreren Jahren zehn Prozent geschenkt hatte. Damals sollte das die Aufbauleistung von Clemens Tönnies würdigen, der die Gruppe mit seinem verstorbenen Bruder zu einem Milliarden-Konzern gemacht hat.

Später warf Robert Tönnies seinem Onkel vor, hinter seinem Rücken private Beteiligungen eingegangen zu sein. Zudem habe der Onkel die jugendliche Unerfahrenheit des Erbens ausgenutzt, um Unterschriften unter weitreichende Befugnisse zu bekommen. Robert Tönnies forderte daher die Schenkung zurück.

Der jetzt gefundene Kompromiss läuft darauf hinaus, dass Clemens Tönnies seine 50 Prozent am Konzern behält. Im Gegenzug bringt er seine privaten Beteiligungen, die Zur-Mühlen-Gruppe um den Würstchenhersteller Böklunder, in den gemeinsamen Konzern ein. Robert Tönnies, der zuletzt aus den Leitungsgremien herausgedrängt war, zieht in einen neuen Beirat ein. Clemens Tönnies gibt offenbar auch Macht ab und beteiligt seinen Sohn Maximilian Tönnies. Das soll den Übergang in die nächste, vom Streit unbelastete Generation vorbereiten. Beide Eignerstämme sollen jeweils zwei der vier Geschäftsführer bestellen.

Das sind Deutschlands größte Familienunternehmen
Platz 10: Heraeus
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Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung die größten deutschen Familienunternehmen ermittelt. Auf den zehnten Platz schafft es mit einem Umsatz von 12,9 Milliarden Euro die Heraeus Holding. Der Technologiekonzern und Edelmetallspezialist mit Sitz im hessischen Hanau beschäftigt knapp 12.500 Mitarbeiter.

Platz 9: Schaeffler
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Der neunte Platz geht an den Automobilzulieferer mit Hauptsitz im bayerischen Herzogenaurach: 13,2 Milliarden Euro setzte das von Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (Foto) und ihrem Sohn Georg kontrollierte Unternehmen im Jahr 2015 um. Die Zahl der Mitarbeiter lag bei rund 83.900.

Platz 8: Boehringer Ingelheim
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Das Pharmaunternehmen belegt mit einem Umsatz von 14,8 Milliarden Euro den achten Platz. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 47.500. Unternehmenschef ist seit 2016 Hubertus von Baumbach, ein Urenkel des Firmengründers Albert Boehringer.

Platz 7: Bertelsmann
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Der Gütersloher Medienkonzern schafft es mit 17,1 Milliarden Euro auf Platz sieben der Top-10-Familienunternehmen und beschäftigt 117.300 Mitarbeiter weltweit. Damit liegt das Unternehmen der Familie Mohn im Ranking nach der Beschäftigtenzahl auf Platz 5. Liz Mohn (Foto) ist die Witwe des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Reinhard Mohn und Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, in der die Stimmrechte der Bertelsmann SE & Co. KGaA gebündelt sind.

Anm. d. Red.: In einer ersten Fassung war Liz Mohn versehentlich als Mitglied des Bertelsmanns-Vorstands bezeichnet worden.

Platz 6: Henkel
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Hinter dem sechsten Platz verbirgt sich das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf. Der Umsatz 2015 lag bei etwas mehr als 18 Milliarden. Der Hersteller von Kosmetik-, Waschmittel- und Klebstoffprodukten beschäftigt weltweit knapp 50.000 Mitarbeiter.

Platz 5: Phoenix
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Der fünfte Platz geht an Deutschlands größten Pharmagroßhändler Phoenix mit Sitz in Mannheim. Der Umsatz liegt bei 23,3 Milliarden Euro und damit in deutlichem Abstand zu den vier umsatzstärksten Familienunternehmen. Die Mitarbeiterzahl ist mit etwas mehr 24.800 Personen ebenfalls deutlich geringer.

Platz 4: Metro
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Der Handelskonzern belegt mit 59,2 Milliarden Euro Umsatz Platz vier, beschäftigt aber mit 226.900 mehr Mitarbeiter als die Aldi-Gruppe. Hauptsitz des Unternehmens, zu dem auch die Elektronikmärkte Saturn und Media Markt gehören, ist Düsseldorf.

Möglicher Knackpunkt: Der Streit zwischen beiden Verwandten wird somit ins Unternehmen integriert. Beide Stämme sind gleichberechtigt. Konflikte wollen Robert und Clemens Tönnies im neuen Beirat lösen, dem auch externe Experten angehören soll. Ob das nach den heftigen Vorwürfen mit pikanten Familiendetails in den Prozessen gelingt, ist völlig offen.

Clemens Tönnies bezeichnete die vergangenen sechs Jahre als Zeit voller Misstrauen und Differenzen. „Das hat wehgetan“, sagte der 60-Jährige. Bei der Schlichtung jetzt gebe es aber keine Verlierer. Entschuldigungen sprachen beide nicht aus. Robert bedankte sich aber ausdrücklich bei seinem Onkel für die geleistete Arbeit: „Zusammen mit der Geschäftsleitung hast Du das Unternehmen nach vorne gebracht.“ Vor wenigen Wochen hatte sich das noch anders angehört.

Mit Material von dpa.

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1 Kommentare zu "Tönnies: Familienfrieden auf dem Schlachthof"

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  • Schade, ich hatte gehofft, sie hätten sich gegenseitig zu Würstchen verarbeitet.

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