Transaktionen
Strategen sind auf dem Vormarsch

Im Zuge der globalen Finanzkrise haben sich die Gewichte bei Fusionen und Übernahmen verschoben. Mittelständler wollen verstärkt durch gezielte Unternehmenskäufe im direkten Wettbewerbsumfeld wachsen.

WIESBADEN. Porsche hat sich die Mehrheit an Volkswagen gesichert, Schaeffler ist bei Continental eingestiegen - zwei Transaktionen, die beispielhaft für die aktuelle Entwicklung am Markt für Unternehmensübernahmen stehen.

Im Zuge der globalen Finanzkrise haben sich die Gewichte bei Fusionen und Übernahmen verschoben. Dies zeigt sich auch im Bereich mittelständischer Unternehmen, wo die Bedeutung von private-Equity-finanzierten Übernahmen zuletzt zu Gunsten strategischer Investoren stark abgenommen hat. Ein Grund dafür ist, dass seit dem vergangenen Sommer die Banken den Finanzinvestoren weniger großzügig Kredite für Firmenkäufe gewähren. Der hohe Anteil an Fremdfinanzierung ermöglichte es Private-Equity-Gesellschaften, auch bei relativ hohen Kaufpreisen noch eine attraktive Rendite zu realisieren. Dieser Vorteil schwindet zunehmend. Infolgedessen hat die Anzahl der überwiegend mit Fremdkapital finanzierten Unternehmensübernahmen unter Beteiligung von Finanzinvestoren stark abgenommen. Laut des M&A-Informations- und Recherchediensts mergermarket lag der Anteil der durch Private Equity finanzierten Unternehmenserwerbe in Deutschland im Jahr 2007 bei etwa 25 Prozent, in den ersten sechs Monaten 2008 bei rund 20 Prozent und seit der zweiten Jahreshälfte nur noch bei etwa zehn Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Transaktionsniveaus nach Gesamtvolumen und Anzahl der Deals seit Januar 2008 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt verhaltener ausfielen. So wurden nach Daten der M&A Database der Universität St. Gallen für das erste Halbjahr 2008 insgesamt 658 abgeschlossene Transaktionen registriert. Im Vergleichszeitraum 2007 wurden hingegen 715 Transaktionen vollzogen, das bedeutet rund acht Prozent mehr als in diesem Jahr.

Im Bieterwettbewerb um mittelständische Unternehmen unterliegen Finanzinvestoren gerade in den vergangenen Monaten also vermehrt den strategischen Investoren. Strategen sind in der Regel Mittelständler oder auch Konzerne aus dem unmittelbaren Wettbewerbsumfeld der Zielunternehmen, die sich durch den Zukauf verstärken wollen.

Bei ihnen steht der langfristige Wachstumsgedanke im Vordergrund. Zusätzlich haben strategische Investoren in der aktuellen Marktsituation den Vorteil, dass sie im Regelfall über eine gute Eigenkapitalausstattung verfügen und sie nicht in dem gleichen Ausmaß wie Beteilungsgesellschaften auf Fremdkapital angewiesen sind.

Auch die Konsequenzen einer konjunkturellen Abschwächung sind für diese Käufer auf Grund ihrer langfristig orientierten Ausrichtung leichter zu verkraften. Gut positionierte Strategen können Phasen wirtschaftlichen Abschwungs aussitzen oder auch ihre relative Stärke zur Marktkonsolidierung zu vertretbaren Preisen nutzen. Das bedeutet, sie können trotz allgemein sinkender Bewertungsniveaus noch einen attraktiven Kaufpreis bieten. Zur Überbrückung von preislichen Erwartungsunterschieden zwischen Käufer und Verkäufer können Strategen Synergien geltend machen oder auch bestehende vertragliche Liefer- und Leistungsbeziehungen für ein Entgegenkommen nutzen.

Bei Fusionen und Übernahmen mittelständischer Unternehmen haben sich die Spielregeln geändert: Die strategischen Investoren sind auf dem Vormarsch und ihre Bedeutung im Rahmen von M&A-Transaktionen wird kurz- und mittelfristig weiter zunehmen.

Dierk E. Rottmann ist Managing Director bei @VISORY partners, Tobias Schätzmüller ist dort als Director tätig.

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