Transmash in Deutschland
Zug nach Westen endet in der Pleite

Fahrzeugtechnik Dessau, die deutsche Tochter des russichen Verkehrstechnik Giganten Transmash, muss Insolvenz anmelden. Was der Anfang zur Eroberung des europäischen Marktes werden sollte, wurde eine deutliche Niederlage. Angeblich haben die Russen ihren Dessauer Ableger zu wenig unterstützt.

BERLIN. Der russische Verkehrstechnik-Gigant Transmash-Holding hat bei seinen Expansionsversuchen in Westeuropa einen Fehlstart hingelegt. Die deutsche Tochter Fahrzeugtechnik Dessau musste Insolvenzantrag stellen. Dabei hatte Transmash-Vorstandschef Dmitrij G. Komissarow noch vor wenigen Tagen in einem Gespräch mit dem Handelsblatt vollmundig erklärt, mit dem Dessauer Werk wolle der Konzern "Erfahrungen sammeln mit Ausschreibungen in der EU".

Die Russen waren die letzte Hoffnung für den Mittelständler aus Dessau mit seinen knapp 170 Beschäftigten. Das Unternehmen hatte einen eigenen Nahverkehrstriebwagen entwickelt, von dem bisher aber nur fünf Exemplare in die Niederlande verkauft wurden. Zu DDR-Zeiten wurden am Dessauer Standort mit mehreren tausend Beschäftigten Kühlzüge für Osteuropa gefertigt. Schon vor zwei Jahren, als die Russen das Ruder übernahmen, war das Unternehmen nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt. In Industriekreisen hieß es nun, Transmash habe der Tochter keine Unterstützung zukommen lassen und tatenlos zugesehen, wie sie trotz gefüllter Auftragsbücher in die Zahlungsunfähigkeit rutschte. Von Transmash war dazu gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

Der Zusammenbruch trifft den russischen Bahntechnik-Konzern, der aus den ehemaligen sowjetischen Bahnkombinaten hervorgegangen ist, ausgerechnet während er auf Partnersuche in Westeuropa ist. Transmash - an der die russische Staatsbahn RZD seit letztem Jahr zu einem Viertel beteiligt ist - wirbt mit gigantischen Aufträgen für die Erneuerung der maroden Eisenbahninfrastruktur in Russland, will dafür aber Technologie-Transfer aus dem Westen.

"Wir suchen einen strategischen Partner und nicht den Kaufmann, der schnell Shareholder Value realisieren will. Wir brauchen den langfristigen Investor, der mit uns sowohl im russischen Markt als auch in anderen Ländern langfristig Gewinn erzielen will", sagte Komissarow. Allein die Staatsbahn wolle bis 2030 rund 500 Milliarden Dollar in Netz und Fahrzeugpark investieren. In Deutschland werden solche Äußerungen allerdings eher skeptisch aufgenommen. "Ankündigungen sind noch lange keine Orders", sagte Ronald Pörner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland.

Die zwölf großen Produktionsstätten des Konzerns seien Mitte des vorigen Jahrhunderts gebaut und die Technologien deshalb etwas veraltet, umschrieb Komissarow das Problem der Russen. So könne der jährliche Bedarf an tausend Lokomotiven ohne Modernisierung der Produktionsstätten allenfalls zur Hälfte gedeckt werden. Nach westlichen Industrie-Schätzungen können sogar nur 100 bis 150 Loks pro Jahr ausgeliefert werden.

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