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Treffpunkt der Spione: Die verschwiegenste Messe der Welt

Deutsche Mittelständler sind im Wachstumsmarkt Sicherheit sehr erfolgreich. Zuletzt präsentierten sie ihr Können in einem Luxushotel in Dubai - für Geheimagenten aus Afrika und dem Nahen Osten.

Blick auf Dubai: In dieser Stadt werden viele Arten von Geschäften abgeschlossen. Quelle: AP
Blick auf Dubai: In dieser Stadt werden viele Arten von Geschäften abgeschlossen. Quelle: AP

DüsseldorfSie trugen keine Namensschilder, und sie hinterließen keine Visitenkarten. Die Besucher, die Michael Radack (Name geändert) als Vertreter eines deutschen Mittelständlers in der vergangenen Woche im pompösen JW Marriott Hotel in Dubai begrüßte, waren Geschäftskunden einer ganz besonderen Sorte: Geheimdienstmitarbeiter sowie Staatsschützer, Sicherheitsbeamte und Militärs - vor allem aus dem arabischen Raum.

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Wer genau seine Gesprächspartner waren - das weiß Radack nicht. Niemand tauscht hier Adressen aus. Die ISS World MEA ist die wohl verschwiegenste Messe der Welt - veranstaltet in edlen Hotels, abgeschirmt von jederlei Publikumsverkehr oder gar Journalisten.

Angeboten werden Programme, Viren und Trojaner, die - laut Veranstaltungsprogramm - Computer mit "Spionagesoftware infizieren", mit denen sich aber auch "soziale Netzwerke überwachen" oder "verschlüsselter Datenverkehr aufzeichnen" lassen. Auch für "Handy-Ermittlungen" gibt es Produkte - wobei der Begriff "Ermittlung" in diesem Fall sowohl die Ortung der Geräte wie auch das Abhören umfasst.

Die Produkte

  • Finfisher

    Finfisher hieß das Programm, das im vergangenen Frühling zeigte, wie eng die westliche Sicherheitsbranche mit den arabischen Geheimdiensten zusammenarbeitet. Als Aktivisten der ägyptischen Demokratiebewegung die Zentrale der Staatssicherheit in Kairo stürmten, fanden sie in den Aktenschränken unter anderem ein Angebot der britischen Firma Gamma International. Ihr Programm Finfisher biete "vielfältige Möglichkeiten zum Eindringen in elektronische Briefkästen". Paketpreis: 390000 Euro. Weiterer Briefverkehr zeigte, dass Gamma International bereits zuvor eng mit dem Staatsdienst kooperierte.

  • IMSI Catcher

    IMSI Catcher sind mobile Geräte etwa vom deutschen Marktführer Rohde und Schwarz, die das Abfangen und Abhören von Mobiltelefonen zum Kinderspiel machen. Ein IMSI-Catcher passt bequem in jeden Kofferraum und lässt sich direkt so vor einem Haus parken, in dem eine verdächtige Person wohnt oder zu Besuch ist, berichtet ein ehemaliger Nachrichtendienstler. Der IMSI-Catcher täuscht vor, ein Funkmast für Mobilfunkverkehr zu sein und zieht so sämtliche Daten für die Weiterleitung auf sich. Der Datenstrom für die gewünschte Nummer kann dann isoliert werden. IMSI-Catcher sind der Grund, warum professionelle Kriminelle ständig ihre Handys wechseln. Rohde & Schwarz verkauft sie nur an staatliche Stellen. Auf einer Hackerkonferenz 2010 führte ein Teilnehmer allerdings vor, wie er sich ein solches Gerät für 1 500 Euro selbst gebaut hatte.

  • Deep Packet Inspection

    Deep Packet Inspection ist ein Spezialgebiet der Münchener Firma Trovicor, dem Hauptsponsor der Spionagemesse ISS. Das Verfahren dient obwohl zur Sicherung als auch zur Überwachung von Datenströmen, kann also gleichzeitig zum Sammeln von Informationen und zu ihrer Zensur genutzt werden. Nach einem Bericht des US-Magazins "Bloomberg Markets" wurde ein Menschenrechtsaktivist 2010 festgenommen, nachdem er in Bahrain mit der Software "Monitoring Center" der Firma Trovicor überwacht worden war.

In Dubai tummelten sich Rüstungsriesen wie Lockheed Martin und Softwaregiganten wie IBM aus den USA neben dem chinesischen Telekomriesen Huawei und dem italienischen Kleinunternehmen Hacking Team. Stark vertreten war auch der deutsche Mittelstand. Neben Utimaco sowie Rohde & Schwarz pries ein Unternehmen namens Advanced German Technology seine Produkte an. Als Hauptsponsor der ISS trat das Münchener Unternehmen Trovicor auf. Dessen Unternehmensmotto lautet: "Die Welt zu einem sichereren Ort machen." Für eine genauere Erklärung war bei Trovicor niemand bereit.

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Großkonzerne sind auf dem schwarzen Kontinent längst präsent - aber die Mittelständler erschließen sich den Markt nur langsam. Dabei birgt Afrika dank seiner Rohstoffe, Arbeitskräfte und guter Böden ein großes Potenzial.

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Ein Blick in den Vortragskalender der ISS hilft zumindest ein wenig weiter: Dort dozieren Experten von Trovicor, wie sich soziale Netzwerke überwachen lassen. Für Datenschützer liest sich der Programmplan aus Dubai wie ein Horrorkatalog. Massenhafte Ausspähung, leichtgemachtes Abhören von Mobiltelefonen, die Erkennung von Gesichtern in bewegten Bildern - und dies alles für Geheimdienste aus dem Nahen Osten?

Über ein Jahr lang haben westliche Staaten, aber auch die Nato und andere Länder die Rebellen in der arabischen Welt unterstützt - teilweise, wie in Libyen, mit militärischen Mitteln. Möglich gemacht hat diese Proteste vor allem eines: die Kommunikation über soziale Netzwerke. Und hier, in Dubai, statten Unternehmen die Herrscher im Nahen und Mittleren Osten sowie im nördlichen Afrika nun mit dem Rüstzeug aus, das sie benötigen, um ebenjene offene Kommunikation zu kontrollieren oder zu untergraben.

Die Unternehmen wissen dabei gar nicht, mit wem sie es zu tun haben. Firmenvertreter Radack berichtet: "Keiner von den Leuten sagt, bei welcher Polizei oder für welchen Geheimdienst er arbeitet. Oft bekommt man nicht einmal einen Namen. Irgendwann, ein paar Wochen nach der Messe, ruft dann jemand an, um ein konkretes Angebot anzufordern. Und dann kann man vermuten, welches Gesicht zu welchem Auftrag gehört. Mehr nicht."

  • 21.02.2012, 13:58 UhrAnonymer Benutzer: Adenauer

    Die zweite Überschrift könnte lauten:
    Terroristen aus aller Welt treffen sich in einem totaliären, arabischen Staat zur Vorbereitung neuer Anschläge. Oder ist jemand der Meinung, dass es einen nicht staatlichen Terror gibt?

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