Treffpunkt der Spione
Die verschwiegenste Messe der Welt

Deutsche Mittelständler sind im Wachstumsmarkt Sicherheit sehr erfolgreich. Zuletzt präsentierten sie ihr Können in einem Luxushotel in Dubai - für Geheimagenten aus Afrika und dem Nahen Osten.
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DüsseldorfSie trugen keine Namensschilder, und sie hinterließen keine Visitenkarten. Die Besucher, die Michael Radack (Name geändert) als Vertreter eines deutschen Mittelständlers in der vergangenen Woche im pompösen JW Marriott Hotel in Dubai begrüßte, waren Geschäftskunden einer ganz besonderen Sorte: Geheimdienstmitarbeiter sowie Staatsschützer, Sicherheitsbeamte und Militärs - vor allem aus dem arabischen Raum.

Wer genau seine Gesprächspartner waren - das weiß Radack nicht. Niemand tauscht hier Adressen aus. Die ISS World MEA ist die wohl verschwiegenste Messe der Welt - veranstaltet in edlen Hotels, abgeschirmt von jederlei Publikumsverkehr oder gar Journalisten.

Angeboten werden Programme, Viren und Trojaner, die - laut Veranstaltungsprogramm - Computer mit "Spionagesoftware infizieren", mit denen sich aber auch "soziale Netzwerke überwachen" oder "verschlüsselter Datenverkehr aufzeichnen" lassen. Auch für "Handy-Ermittlungen" gibt es Produkte - wobei der Begriff "Ermittlung" in diesem Fall sowohl die Ortung der Geräte wie auch das Abhören umfasst.

In Dubai tummelten sich Rüstungsriesen wie Lockheed Martin und Softwaregiganten wie IBM aus den USA neben dem chinesischen Telekomriesen Huawei und dem italienischen Kleinunternehmen Hacking Team. Stark vertreten war auch der deutsche Mittelstand. Neben Utimaco sowie Rohde & Schwarz pries ein Unternehmen namens Advanced German Technology seine Produkte an. Als Hauptsponsor der ISS trat das Münchener Unternehmen Trovicor auf. Dessen Unternehmensmotto lautet: "Die Welt zu einem sichereren Ort machen." Für eine genauere Erklärung war bei Trovicor niemand bereit.

Ein Blick in den Vortragskalender der ISS hilft zumindest ein wenig weiter: Dort dozieren Experten von Trovicor, wie sich soziale Netzwerke überwachen lassen. Für Datenschützer liest sich der Programmplan aus Dubai wie ein Horrorkatalog. Massenhafte Ausspähung, leichtgemachtes Abhören von Mobiltelefonen, die Erkennung von Gesichtern in bewegten Bildern - und dies alles für Geheimdienste aus dem Nahen Osten?

Über ein Jahr lang haben westliche Staaten, aber auch die Nato und andere Länder die Rebellen in der arabischen Welt unterstützt - teilweise, wie in Libyen, mit militärischen Mitteln. Möglich gemacht hat diese Proteste vor allem eines: die Kommunikation über soziale Netzwerke. Und hier, in Dubai, statten Unternehmen die Herrscher im Nahen und Mittleren Osten sowie im nördlichen Afrika nun mit dem Rüstzeug aus, das sie benötigen, um ebenjene offene Kommunikation zu kontrollieren oder zu untergraben.

Die Unternehmen wissen dabei gar nicht, mit wem sie es zu tun haben. Firmenvertreter Radack berichtet: "Keiner von den Leuten sagt, bei welcher Polizei oder für welchen Geheimdienst er arbeitet. Oft bekommt man nicht einmal einen Namen. Irgendwann, ein paar Wochen nach der Messe, ruft dann jemand an, um ein konkretes Angebot anzufordern. Und dann kann man vermuten, welches Gesicht zu welchem Auftrag gehört. Mehr nicht."

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Neuer gewachsener Geschäftszweig

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    Terroristen aus aller Welt treffen sich in einem totaliären, arabischen Staat zur Vorbereitung neuer Anschläge. Oder ist jemand der Meinung, dass es einen nicht staatlichen Terror gibt?

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