Mittelstand

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Trigema-Chef: Die heile Welt des Wolfgang Grupp

Trigema-Chef Wolfgang Grupp hat Großes geschaffen. Doch beim Besuch im Jagdrevier des „Königs von Burladingen“ zeigt sich inzwischen ein eher lauter Wirtschaftsmann - der den Anschluss an die Branche zu verlieren droht.

Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des T-Shirt- und Tennisbekleidungs-Herstellers Trigema GmbH, am Firmensitz in Burladingen (Zollernalbkreis). Quelle: dpa
Wolfgang Grupp, Geschäftsführer des T-Shirt- und Tennisbekleidungs-Herstellers Trigema GmbH, am Firmensitz in Burladingen (Zollernalbkreis). Quelle: dpa

BurladingenDa sitzt man nicht mal fünf Minuten bei Pflaumenkuchen und Sachertorte zusammen, und schon kann sich der Hausherr über einen ereifern. Eine Stunde Verspätung mit der Bahn ins Allgäu und dann weiter mit einem Mietauto bis hinauf zum Jagdhaus: Das wäre unter seiner Ägide nicht passiert, sagt Wolfgang Grupp. Reine Verschwendung von Personalstunden, nichts anderes sei es doch, Mitarbeiter mit der Bahn reisen zu lassen. Völlig unverständlich. In seiner Firma, bei Trigema, jedenfalls gäbe es das nicht: entweder Dienstwagen oder gleich Firmen-Helikopter. Vom Firmensitz in Burladingen aus der Schwäbischen Alb nach Düsseldorf, nur mal als Beispiel, bräuchte man damit nur eine Stunde und 25 Minuten.

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Fünf Minuten also im Jagdhaus, im Wohnzimmer mit dem wuchtigen Gebälk, den Hunderten Jagdtrophäen an der Wand, den Flinten hinter Glas, am Esstisch mit Tischdecke mit dem Monogramm des Hausherrn, „WG“, das auch die Papierservietten ziert, fünf Minuten, und Wolfgang Grupp ist mitten in seinem Thema: Unternehmen verantwortlich führen. Mit Polemik dazu fällt er immer wieder in den Fernseh-Talkshows auf. Eingeladen ist er da meist als Vertreter des Mittelstands, dabei hat er kein Verbandsamt inne, aber er kann sich telegen aufregen, über „die Lumpen, die Gier und den Größenwahn“.

Trigema und Grupp

  • Das Unternehmen

    Trigema besteht seit 1919. Anders als fast alle Konkurrenten produziert die Bekleidungsfirma aus Schwaben komplett selbst, statt im Ausland fertigen zu lassen. Über die Hälfte der Artikel verkauft Trigema in eigenen Läden und im Internet.

  • Der Unternehmer

    Wolfgang Grupp übernahm 1969 in dritter Generation. Er gab kurz darauf unrentable Firmenteile auf und setzte aufs T-Shirt. Heute garantiert er die Arbeitsplätze - auch den Kindern seiner Mitarbeiter.

Dazu kommt ein seit über einem Jahrzehnt fast unveränderter Werbespot mit einem scheinbar sprechenden Schimpansen mit Hemd und Brille. Grupp selbst tritt darin auf, zeigt mit ausladender Geste seine Fabrik, die knapp 1200 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze er garantieren will, die Produktion nur in Deutschland. Der Spot fällt auf, weil er billig wirkt, weil der Chef des Freizeitkleidungs-Herstellers mit Uhrenkette und Einstecktuch in der Fabrik auf die Zuschauer wie die Karikatur eines Firmenpatriarchen wirken muss. Auch in der Boulevard-Presse hat Grupp große Auftritte.

Trigema-Interview zum Download „Ich wollte eine Frau, die sich meinem Leben anpasst“

Wolfgang Grupp, Chef des baden-württembergischen Textilunternehmens Trigema, spricht im Interview über die Vorteile von Stagnation, den Anspruch an seine Frau und seine Prognose für die Bundestagswahl.

Trigema-Interview zum Download: „Ich wollte eine Frau, die sich meinem Leben anpasst“

Eigentlich lebt er wie Tausende wohlhabende Deutsche auch. Nur gibt sich sein Butler britisch, seine Villa auf der Schwäbischen Alb hat ein Sylter Reetdach, seinen 70. Geburtstag feierte er kürzlich mit allen Mitarbeitern und einem Schimpansen. Die jüngsten Berichte handelten vom neuen, 600 Quadratmeter großen Familiengrab neben dem Burladinger Friedhof, auf dem er schon seine Grabplatte mit Inschrift hat anbringen lassen. Zu allem Überfluss hat er sich, seine Frau Elisabeth und die beiden Kinder, Wolfgang und Bonita, Jahrgänge '89 und '91, vom SWR-Fernsehen für eine Doku-Soap begleiten lassen - unter dem Titel „Der König von Burladingen“.

  • 13.05.2013, 21:42 UhrGruppBewunderer

    Dieser Artikel des HB ist mir zu spöttisch verfasst, das erwartet man eigentlich von der linken TAZ...
    Herr Grupp ist ein Ausnahmeunternehmer in Deutschland, der in einem sehr schwierigen Umfeld erfolgreich agiert. Der Verfasser des Artikels ist ein Spätzünder, der auch Termine nicht zeitkonform wahrnimmt...
    In einem Vorstellungsgespräch hätte dieser Schmutzfink keine Chancen gehabt!
    Ich verbeuge mich von Herrn Grupp, der auch die Kommentarfunktion mit seinen Ausführungen belebt hat. Ein toller Unternehmer, ein Vorbild für alle Neugründer in dieser geschundenen Republik.

  • 14.04.2013, 21:26 UhrOrdo

    In der Tat stellen die Aussagen von Herrn Grupp eine interessante Abwechslung dar zu dem immergleichen, eintönigen und flachen Manager-Gefasel von Leuten, die kein eigenes Risiko tragen und sich selbst nach ihrem Scheitern den Abschied noch versilbern lassen.
    Ein Großteil der Unternehmensphilosophie von Herrn Grupp hebt sich wohltuend davon ab und ist absolut respektabel.

    Wo man ihm aber einen Vorwurf machen kann: Herr Grupp baut offensichtlich (wie so viele) keinen Nachfolger auf. Trigema ist zu 100 Prozent auf ihn zugeschnitten.
    Bei den mittlerweile über 70 Jahren, die Herr Grupp auf dem Buckel hat, würde ich mir als Arbeitnehmer sehr genau überlegen, was die Zukunft bringt und wie es mit Trigema weitergehen könnte.
    Was ist mit der Arbeitsplatzsicherheit der 1.200 Beschäftigten, wenn Herr Grupp notgedrungen irgendwann das Unternehmen nicht mehr führen kann?

    Jedenfalls, bevor es soweit ist und Trigema den Bach runtergeht, werde ich mir noch den einen oder anderen Artikel aus den Testläden zulegen.

  • 11.04.2013, 18:21 UhrOldi.

    "Ein Außenhandelsüberschuss ist exportierte Arbeitslosigkeit"

    Was für Deutschland stimmt.

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