Trigema
Made in Germany – online verkauft

Der Lärm ist ohrenbetäubend. Dutzende Nähmaschinen rattern im Hintergrund. Doch Wolfgang Grupp steht da, ruhig, mit geradem Rücken, voll konzentriert, die Haare korrekt zur Seite gescheitelt und beantwortet die Fragen, ausführlich und fast ohne einmal abzusetzen.
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DÜSSELDORF. "Wir haben schon viele Wirtschaftskrisen durchgestanden. Wir werden auch die aktuelle meistern", sagt der Inhaber und Chef von Trigema. Grupp spricht aus Erfahrung. Er ist der letzte deutsche Unternehmer, der auch heute noch komplett im Land Strick- und Wirkwaren in größerem Stile fertigt, also T-Shirts, Jogginganzüge, Unterwäsche und Sweatshirts. Seine Konkurrenten produzieren längst in Billiglohnländern oder haben, wie das Traditionsunternehmen Schiesser, bereits Insolvenz angemeldet.

Der Mittelständler aus dem schwäbischen Städtchen Burladingen hat alle Krisen überstanden. Auch weil er seinen Vertrieb radikal umgestellt hat - umstellen musste. Bereits vor gut vier Jahren stieg der Unternehmer, der seine Firma mit zum Teil altmodischen Methoden führt ("Ich mache vieles anders"), ins moderne Internetgeschäft ein. "Wir haben jährliche Steigerungsraten von 50 Prozent im Online-Handel", erzählt Grupp stolz.

Der 67-Jährige, der selbst feine Anzüge mit Einstecktuch und Hemden mit Krawattennadel bevorzugt, verkauft seine T-Shirts über die Online-Plattformen von Versendern wie der Otto-Gruppe in Hamburg oder von Quelle in Fürth.

Das meiste aber setzt er über die Trigema-Homepage ab. Unter dem Slogan "Deutschlands größter T-Shirt- und Tennisbekleidungshersteller" können Kunden im Internet Sportmode und Unterwäsche kaufen. Wer durch die verschiedenen Bekleidungsabteilungen blättert, sieht auf dem Kopf der blaugrundigen Seiten immer neue Grupp-Slogans. Das reicht von "Beste deutsche Qualität" über "100 % Made in Germany" bis hin zu "Für sichere Arbeitsplätze".

Lange Zeit war für den bodenständigen Mittelständler der Online-Verkauf kein Thema. Nach der Jahrtausendwende, als die ersten Textilhersteller im Netz starten, ist er skeptisch. Er schreckt vor zusätzlichen Logistikkosten für die Auslieferung der T-Shirts und die Retouren zurück, die nach Angaben von Fachleuten bis zu einem Drittel ausmachen. Wenn auch viele kleinere Modeunternehmen weiterhin zögern, den Beispielen von Esprit, S. Oliver oder Marc O'Polo zu folgen, "nimmt der Verkauf über das Internet bei Industrie und Handel in der Modebranche zu", sagt Thomas Rasch, Hauptgeschäftsführer von German Fashion.

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