Tue Gutes und ziehe Nutzen daraus
Wettbewerbsfaktor Wohltätigkeit

Peter O. Walter, Geschäftsführer der Augsburger Betapharm GmbH, bekennt es ganz offen: „Wir engagieren uns nicht zum Zweck der Wohltätigkeit als Corporate Citizen, sondern weil es uns nützt.“ Der gegenseitige Nutzen sei die einzige tragfähige Grundlage für ein langfristiges soziales Engagement von Unternehmen. Darum sei der erste Schritt zur Corporate Citizenship, eine „Aktion zu finden, die zum Unternehmen passt“.

FRANKFURT/M. Der Generika-Hersteller begann danach zu suchen aus der Einsicht, dass er sich „in einem Markt austauschbarer Produkte vom Wettbewerb differenzieren“ musste. Und Walter hat sein Förderobjekt gefunden: die nachsorgende Betreuung schwerkranker Kinder nach Krankenhausaufenthalten. Aus dem anfänglichen Sponsoring des Vereins „Der bunte Kreis“, der die Versorgungslücke zwischen Krankenhaus und Kinderzimmer durch ganzheitliche, systematische Familienbetreuung zu schließen sucht, wurde ein immer größeres Projekt. Inzwischen finanziert die Betapharm Nachsorgestiftung Forschungsprojekte und Studien und unterhält sogar ein eigenes Institut.

„Wir haben das Case-Management für Kinder zur Unternehmensstrategie gemacht“, berichtet Walter über den erstaunlichen Wandel des ganzen Unternehmens. Die wachsende Bekanntheit des Engagements und die Begeisterung der Mitarbeiter erwiesen sich als wirksame Türöffner bei den Arztkunden. „Wir sind eins der schnellstwachsenden Unternehmen der Branche geworden“, freut sich Walter.

Betapharm ist kein Einzelfall. Unter mittelständischen Unternehmen gehört soziales Engagement ohnehin schon längst zum guten Ton: Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern tun laut EU-Erhebung Gutes, vornehmlich direkt vor der eigenen Haustür.

Win-win-Aktionen fassen Fuß

Dennoch ist Corporate Citizenship (CC) etwas Neues: „Die Unternehmen verbinden den Nutzen für das Gemeinwohl mit dem Nutzen einer erfolgreichen Geschäftspolitik“, weiß Peter Kromminga, Geschäftsführer der bundesweiten CS-Initiative „Unternehmen – Partner der Jugend (UPJ)“. „Das angelsächsische Konzept der Corporate Citizenship als Win-win-Aktion fasst in Deutschland langsam, aber sicher Fuß.“ Der Publizist Bernhard von Mutius, selbst im UPJ-Vorstand aktiv, sieht es ähnlich: „Soziale Kompetenz und Verantwortung werden zu Faktoren des Wettbewerbs.“

Mutius erläutert die neuen Motive der Unternehmen: „Das hat viel mit dem allgemeinen Unbehagen zu tun. Wir haben eine Vertrauenskrise in Wirtschaft und Gesellschaft – Corporate Citizenship schafft Vertrauen. Sie ist eine bewusste Alternative zur einseitigen Shareholder-Value-Ausrichtung wie auch zu der Einstellung, dass der Staat es schon richten wird.“ Auch die Wortwahl zeige die neue Richtung: „Wir reden nicht über Sponsoring, sondern über Kooperation – über Grenzen hinweg.“

Die Förderer sollen dabei nicht mehr nur Geld, sondern wesentlich ihre individuelle Kompetenz und Leistung einbringen. Ein Beispiel dafür gibt die Frankfurter IT-Beratung Chambiz GmbH. Als ihr Geschäftsführer Michael Zuche, schon seit Jahren sozial engagiert, von einem auch technisch notleidenden Jugendbildungsprojekt – der Vermittlung der Hauptschulreife an benachteiligte Jugendliche – hörte, wurde er aktiv.

Enorme Motivation und Begeisterung

Mit vier weiteren IT-Experten erarbeitete er ein medienpädagogisches Konzept für die EDV-Arbeit mit jungen Leuten. Dann erstellte er ein passendes Hard- und Software- Konzept, spendete drei Rechner, einen Drucker und Netzkomponenten, bewegte Hewlett-Packard zur Spende weiterer Geräte, motivierte den eigenen Netztechnikpartner zur kostenlosen Installation des ganzen und organisierte die DV-Fortbildung der Projektmitarbeiter samt technischer Unterstützung.

Schließlich renovierte die Chambiz-Mannschaft noch gemeinsam mit den Jugendlichen einen Tag lang Unterrichtsräume in deren Bildungsstätte. Das alles habe ihn und seine Mitarbeiter einiges an Freizeit gekostet, berichtet Zuche, habe aber allen Spaß gemacht. Auch er sieht einen Nutzen fürs Unternehmen: „So etwas schafft eine enorme Motivation und Begeisterung der Mitarbeiter, die sogar zu den Kunden rüberkommt.“ Das Betreuungsprojekt begann 1996 und läuft nach wie vor. Die Kosten der Projekte variieren mit den Umfängen. Betapharm gibt rund 1 Mill. Euro jährlich aus, andere Projekte kommen mit einigen tausend Mark im Jahr aus.

Vor kurzem hat die bundesweite UPJ-Initiative die Gründung des Unternehmensnetzwerks „Aktiv im Gemeinwesen“ angestoßen. Gründungsmitglieder waren BMW, Betapharm, Manpower, Veolia Water Deutschland (vormals Vivendi), Spieker Design & Produktion und – Chambiz. Sprecher des Netzwerks, das die zahlreichen Kooperationsinseln zum Erfahrungsaustausch und zur Systematisierung ihrer Konzepte zusammenführen will, wurde der Mittelständler Michael Zuche.

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