Türkische Wirtschaft
Finanzkrise bremst das Wachstum

Weltmarktintegration und Exporterfolge haben die Türkei anfälliger gemacht für die Auswirkungen der Finanzkrise im Herbst 2008. Im kommenden Jahr dürfte das Wirtschaftswachstum merklich nachlassen.

ISTANBUL. Zwar ist der Bankensektor des Landes gestärkt aus der Krise von 2001 hervorgegangen. Wegbrechende Auslandsmärkte und die Umlenkung des Auslandskapitals, das für den Ausgleich des Handelsdefizits der Türkei so wichtig ist, trüben jedoch die Aussichten für 2009. Nach voraussichtlich 3,4 Prozent im Jahr 2008 dürfte das BIP-Wachstum im kommenden Jahr auf deutlich unter 3 Prozent sinken. In den Jahren 2002 bis 2007 lag der jährliche Zuwachs immer bei mindestens sechs Prozent.

Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die weltweite Konjunktur haben mit leichter Verzögerung auch die Türkei erreicht. Das Wirtschaftswachstum wird 2009 auf deutlich unter drei Prozent fallen. Eine Erholung der Konjunktur wird frühestens Ende des kommenden Jahres erwartet. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten haben die Istanbuler Börse auf eine Berg- und Talfahrt geschickt. Gegenüber dem Vorjahresstand ist der Index IMKB-100 bis Anfang November 2008 um rund 50 Prozent gesunken. Etwa zwei Drittel des Anlagekapitals kommen aus dem Ausland, viele Fonds verlagern Gelder in vermeintlich sicherere Märkte. Parallel zur Börse bewegt sich der Kurs der Neuen Türkischen Lira, zum US-Dollar hat sie in den letzten Monaten etwa ein Viertel an Wert eingebüßt.

Der gleichzeitig gesunkene Preis für Erdöl dämpft den Teuerungseffekt für das stark von Öl- und Gasimporten abhängige Land zwar etwas. Einfuhren verteuern sich allerdings für türkische Unternehmen entsprechend, was das Investitionsgeschehen bremst. Andererseits fördert die Abwertung den Export von Waren und Dienstleistungen aus der Türkei. Bereits im Herbst 2008 war ein leichter Rückgang des Handelsbilanzdefizits auf Monatsbasis festzustellen. Ob dies eine Trendumkehr bei dieser für die türkische Ökonomie so wichtigen Kennziffer darstellt, ist aber noch ungewiss.

Die türkische Zentralbank hatte den Leitzinssatz von 16,75 Prozent seit Frühjahr 2008 stabil gehalten. Mit der überraschenden Senkung um 0,5 Prozent folgte sie am 19. November dem internationalen Trend zu geringeren Zinsen. Auch unter Berücksichtigung der im Jahresverlauf deutlich über die 10-Prozent-Schwelle gestiegenen Inflationsrate bleibt die Realverzinsung für Anlagen in der Türkei aber vergleichsweise attraktiv, was den erheblichen Abfluss von Anlagekapital etwas dämpft. Ein Wechselkursrisiko bleibt bestehen. Nach einem stärkeren Ausschlag nach unten im Oktober scheint die Lira bei einem Kurs von rund 1,60 für den US Dollar und etwa 2 Lira für einen Euro ein neues Niveau gefunden zu haben.

Mit dem Internationalen Währungsfonds verhandelt die Regierung in Ankara über ein erneutes Programm zur Absicherung der türkischen Wirtschaft. Zuletzt gab es kaum Bewegung, da Ankara sich möglichst den Spielraum für Ausgabensteigerungen erhalten möchte, etwa zur Unterstützung einzelner Branchen bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise, für Infrastrukturprojekte oder zur Regionalförderung im Südosten. Der Fonds sieht in den umfangreichen Investitionen der öffentlichen Hand ein Abweichen von der Haushaltskonsolidierung, die in den vergangenen Jahren erfolgreich in Angriff genommen wurde. Nun zeichnet sich doch eine Einigung und ein Abschluss bis zum Jahresende ab. Das neue Stand-by-Programm dürfte ein Volumen von 20 Mrd. bis 40 Mrd. Dollar haben. Insbesondere die Wirtschaft hatte auf ein derartiges Sicherheitsnetz gedrängt.

Seite 1:

Finanzkrise bremst das Wachstum

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%