Überfällige Rettung
Bauknecht entschuldet Küchenbauer Alno

Der deutsche Küchenbauer Alno hangelt sich seit Jahren von Sanierung zu Sanierung. Jetzt springt der Alno-Großaktionär und Haushaltsgeräte-Hersteller Bauknecht ein.
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PfullendorfAktionäre und Banken geben dem angeschlagenen Küchenmöbelhersteller Alno eine neue Chance: Investoren schießen fast 50 Millionen Euro frisches Geld in das klamme Unternehmen, Banken erlassen Kredite in Höhe von gut zehn Millionen Euro. Damit habe Alno seine Finanzierung bis 2015 gesichert, sagte Produktionsvorstand Elmar Duffner am Mittwoch im oberschwäbischen Pfullendorf. Wirtschaftsprüfer hatten zuletzt gewarnt, dass Alno ohne frisches Geld noch in diesem Monat vor der Zahlungsunfähigkeit stehen könnte.

Kernstück des Finanzierungskonzepts ist eine Kapitalerhöhung. Sie soll dem seit Jahren mit roten Zahlen kämpfenden Unternehmen 46,2 Millionen Euro frisches Kapital bringen. Sollten sich nicht genügend Investoren finden, werde der Großaktionär IRE, eine Tochter des Hausgeräteherstellers Bauknecht, zur Not sämtliche neuen Aktien kaufen, sagte Vorstandschef Max Müller. Dass zeige, dass wichtige Aktionäre Vertrauen in das Unternehmen hätten. „Die Investoren glauben, dass wir auf einem richtigen Weg sind.“

Die Münchner Küchenholding, die bislang mit gut 35 Prozent Hauptaktionär ist, habe allerdings kein Interesse an neuen Aktien. Sie werde nach der Kapitalerhöhung nur noch fünf Prozent am Unternehmen besitzen.

Auch die Banken seien zu Zugeständnissen bereit gewesen, sagte Müller. Kredite in Höhe von 55 Millionen Euro müsse Alno nur zu 80 Prozent zurückzahlen.

Insgesamt sei das der lange erwartete Befreiungsschlag für Alno, glaubt der Vorstandschef. „Wir stehen mit diesem wirklich umfassenden Maßnahmenpaket endlich wieder auf einer finanziell soliden Basis, das Unternehmen ist praktisch vollständig entschuldet.“
Seine Schulden hat der 1850 Mitarbeiter große Konzern seit Jahren angehäuft. Seit dem Börsengang 1995 gab es nur in drei Jahren einen knappen Gewinn. Branchenexperten glauben, dass sich die Möbelfabrik in den 1990er Jahren mit zahlreichen Zukäufen verzettelt hat. An der Börse haben die Alno-Papiere seit einem Höhepunkt vor fünf Jahren rund 90 Prozent an Wert verloren. Im vergangenen Jahr stand bei einem Umsatz von 452,8 Millionen Euro unter dem Strich ein Verlust von 25,6 Millionen Euro - obwohl die Branche seit einigen Jahren florierende Geschäfte vermeldet.
Zuletzt hatten Banken und Zulieferer dem Küchenbauer mit einem Zahlungsaufschub etwas Zeit verschafft. Doch diese Vereinbarungen wären am 20. Juli ausgelaufen. Diese Probleme seien nun gelöst, betonte Müller. 2013 peilt Alno zum ersten Mal seit vielen Jahren ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern an.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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