Übernahme
Humbaur übernimmt insolventen Lkw-Anhängerhersteller Kögel

Der insolvente Hersteller von Lkw-Anhängern, Kögel, hat einen neuen Eigentümer. Drei Monate nach der Pleite teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Freitag in Neu-Ulm mit, der Mittelständler Humbaur aus Gersthofen bei Augsburg werde Kögel übernehmen. Der neue Eigentümer will auch einen Großteil der Mitarbeiter weiterbeschäftigen.
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HB DÜSSELDORF. Der Unternehmer Ulrich Humbaur werde alleiniger Gesellschafter und engagiere sich langfristig.

Humbaur erwerbe Markenrechte und Produktionsanlagen und beschäftige 442 der 763 Beschäftigten weiter. "233 Mitarbeiter sollen für eine Übergangszeit von sechs Monaten in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden, die Übrigen gehen in Rente oder scheiden aus befristeten Beschäftigungsverhältnissen aus."

Kögel, der Branchendritte in Europa, kämpft mit einem dramatischen Umsatzeinbruch: Summierten sich die Erlöse 2008 noch auf 440 Mio. Euro, werden 2009 nur noch 50 Mio. erwartet. Auf absehbare Zeit sei deswegen mit Kurzarbeit bei dem Unternehmen aus dem schwäbischen Burtenbach zu rechnen. Eine spürbare Markterholung wird erst ab 2011 erwartet.

Das 1957 gegründete Familienunternehmen Humbaur ist selbst einer der führenden Anhängerhersteller für Pkw und Lkw in Europa und hat rund 450 Mitarbeiter. Der Umsatz liegt bei 120 Mio. Euro. Kögel soll als eigenständige Marke erhalten bleiben und unter dem Namen "Kögel Trailer GmbH" firmieren. Drei altgediente Humbaur-Manager übernehmen die Geschäftsführung.

Fünf Jahre ist es her, da musste der Trailerhersteller Kögel Fahrzeugwerke zum ersten Mal Insolvenz anmelden. Anfang August blieb der Kögel-Geschäftsführung nichts anderes übrig, als erneut zum Amtsrichter zu gehen. Seit vergangenem Herbst seien die Aufträge um 90 Prozent zurückgegangen, teilte die Firma seinerzeit mit. Diesen massiven Rückgang habe das vor 75 Jahren gegründete Unternehmen nicht verkraftet.

Zuvor hatte das Management noch intensiv mit Banken verhandelt, um das erneute "Aus" abzuwenden. Allerdings hatten sich die Gespräche angesichts des dramatischen Einbruchs im Geschäft letztlich zu lange hingezogen. "Die restriktiven Tendenzen am Finanzmarkt führten zu einem nicht mehr auszugleichenden Liquiditätsengpass", hieß es in einer letzten Mitteilung.

Kurze Zeit nach dem ersten Insolvenzantrag im Januar 2004 hatten der Finanzinvestor Schoeller Metternich Beteiligungen sowie EM.TV-Gründer Thomas Haffa den Anhängerhersteller übernommen. Die zu diesem Zweck gegründete Trailer Holding ist noch heute der Besitzer, Haffa ist nach Unternehmensangaben aber nicht mehr dabei.

Schmitz Cargobull, der Kögel-Konkurrent, der ebenfalls unter einem erheblichen Auftragseinbruch leidet, reagiert inzwischen mit drastischem Stellenabbau. Branchenverband VDA fürchtet, dass alle "Instrumentarien ausgereizt" sind, wenn der Markt nicht bald wieder anzieht.

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