Übernahmen Deutsche Firmennamen locken Investoren

Ein italienischer Mittelständler kauft deutsche Firmen wegen ihres guten Rufs. Denn ein deutscher Name hilft auf dem Weltmarkt weiter. Vor allem in der Stahlbranche gelten heimische Firmen noch immer als Vorbild.
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Besonders in der Stahlbranche haben die Deutschen einen guten Ruf. Quelle: dapd

Besonders in der Stahlbranche haben die Deutschen einen guten Ruf.

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MailandEs gibt Unternehmen, die expandieren im Ausland, um sich billige Lohnkosten zu sichern oder Steuern zu sparen. Und es gibt Unternehmen, die kaufen sich den guten Ruf. Ein Firmenchef aus der letzteren Kategorie ist Gianluigi Nova, der Vorstandsvorsitzende von Tenova - einem italienischen Hersteller von Hochöfen und Maschinen für die Stahlindustrie und den Bergbau: „Auf dem Weltmarkt hilft es, wenn man sich mit einem deutschen Firmennamen und einer Visitenkarte mit deutschen Namen präsentiert", sagt er.

Deshalb hat sich Nova gleich mehrere deutsche Unternehmen zugelegt. Nach dem Kauf des Hochofen-Spezialisten Loi, einer ehemaligen Ruhrgas-Tochter in Essen vor sechs Jahren, haben die Italiener 2007 den ostdeutschen Bergbau-Spezialisten Takraf gekauft und sich damit den Einstieg in das wachsende Geschäft mit Minen weltweit gesichert. Takraf beschäftigt heute 1 100 Menschen auf fünf Kontinenten, allein in Deutschland sind es 448 Mitarbeiter. Im offenen Tagebau gehört die deutsche Tochter zu den größten drei Spielern auf dem Markt.

Welche Familien in Deutschland die Macht haben
Rang 20: Unternehmensgruppe Tengelmann
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Rang 20: Unternehmensgruppe Tengelmann

Branche: Handel
Umsatz 2012: 10 Milliarden
Beschäftigte 2012: 83.400

Im aktuellen Ranking der nach Umsatz stärksten Familienunternehmen Deutschlands, das die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zusammengefasst hat, findet sich auf dem 20. Platz Tengelmann.

Zur Unternehmensgruppe gehören neben der Supermarktkette Kaisers's Tengelmann auch Anteile von Obi, Kik, Woolworth und Netto. Im Vergleich zum Vorjahr büßt die Unternehmensgruppe drei Plätze im Ranking ein.

Rang 19: Oetker-Gruppe
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Rang 19: Oetker-Gruppe

Branche: Mischkonzern
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 26.400

Zur Unternehmensgruppe mit Firmensitz in Bielefeld gehören rund 400 Unternehmen. Oetker setzt jeden zweiten Euro (5,46 Milliarden Euro) mit der Reederei Hamburg Süd um, im Vergleich zum Vorjahr nahm der Umsatz um neun Prozent zu.

Rang 18: Schaeffler AG
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Rang 18: Schaeffler AG

Branche: Wälzlager
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 76.100

Die Schaeffler AG gehört gehört zu 20 Prozent der Witwe des Unternehmensgründers, Maria-Elisabeth Schaeffler, (Bild) und zu 80 Prozent dem Sohn Georg Schaeffler. In der Öffentlichkeit bekannt wurde der Konzern durch die Übernahme der Continental AG.

Rang 17: Merck KGaA
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Rang 17: Merck KGaA

Branche: Pharma
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 38.800

Der deutsche Pharma- und Spezialchemiekonzern kann im Vergleich zum Vorjahr vier Plätze gut machen und springt in die Top 20 der größten deutschen Familienunternehmen. Auch auf die Familie Merck zurückzuführen ist das amerikanische Unternehmen Merck & Co. In den USA heißt die Darmstädter Firma allerdings EMD.

Rang 16: Otto Group
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Rang 16: Otto Group

Branche: Handel
Umsatz 2012: 11 Milliarden
Beschäftigte 2012: 53.800

Nach Amazon ist Otto der zweitgrößte Onlinehändler weltweit. Vom Internetverkauf profitiert der traditionelle Versandhändler so stark, dass der Web-Shop weiter ausgebaut werden soll.

Rang 15: Rethmann AG & Co
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Rang 15: Rethmann AG & Co

Branche: Entsorgung
Umsatz 2012: 12 Milliarden
Beschäftigte 2012: 60.000

Die Rethmann AG unterteilt sich in drei Sparten. Eine davon ist die Remondis-Gruppe, die eines der weltweit größten privaten Dienstleistungsunternehmen der Wasserwirtschaft ist. Rethmann konnte im Vergleich zu 2011 fünf Plätze im Ranking klettern.

Rang 14: Boehringer Ingelheim
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Rang 14: Boehringer Ingelheim

Branche: Pharma
Umsatz 2012: 14 Milliarden
Beschäftigte 2012: 46.200

Boehringer Ingelheim ist Deutschlands zweitgrößtes forschendes Pharmaunternehmen. Weltweit ist es das größte, das sich noch vollständig in Familienbesitz befindet.

Damit hat Tenova mit seinen weltweit inzwischen 5000 Mitarbeitern nun sowohl in der Stahlindustrie als auch im Bergbau deutsche Aushängeschilder. In China, dem Boomland für die Stahlindustrie sei Deutschland immer noch der „Leuchtturm, an dem sich alle orientieren", sagt der Vorstandsvorsitzende Nova. Das Gleiche gelte in Chile für den Bergbau.

Der Geschäftsführer von der Bergbau-Sparte heißt Walter Küng, ein deutscher Name also, auch wenn sich dahinter ein Österreicher versteckt. Eine Visitenkarte für die Welt, wie es Nova sieht. Der Italiener ist zwar ebenso vom italienischen Know-how überzeugt, aber er weiß auch, dass die Kunden weltweit Deutschland noch mehr respektieren. Es gehe auch nicht nur um den Namen, sagt Nova: „Es war für uns ebenso wichtig, mit den Deutschen und ihrer Kultur zusammenzuarbeiten, die nun einmal wichtig ist in der Welt, auch wenn sie anders ist."

Die Unterschiede sind für den Manager offensichtlich: „Wenn es klare Vorgaben gibt, dann befolgen die Deutschen sie, die Italiener nicht", erklärt Nova. Das müsse nicht immer ein Vorteil sein: „Wenn die Vorgaben gut sind, ist das positiv, wenn sie schlecht sind, hat man ein Problem."

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